Energiewende : Es kann nur ein Anfang sein

Energiewendeminister Habeck will den Wärmeverbrauch nachhaltig gestalten. Doch es gibt noch mehr Baustellen. Ein Kommentar von Till H. Lorenz.

shz.de von
02. Januar 2015, 11:50 Uhr

Die Energiewende hatte ursprünglich eine nachhaltige Energieversorgung zum Ziel. Das heißt: Wegkommen von der Kohle, weg vom Öl, weg von der Atomkraft – und das in allen Bereichen. Doch hierzulande wurde dieses ehrgeizige Projekt meist auf das Thema Stromverbrauch reduziert. Das Windrad wurde so zum Sinnbild einer ökologischen Energiewirtschaft.

Mit einem Haken: Ökostrom nützt wenig, wenn die Autos mit Benzin fahren und die Häuser mit Öl geheizt werden. Der Stromverbrauch macht gerade einmal rund 16 Prozent des gesamten Deutschen Energieverbrauchs aus. Daher ist es wichtig, wenn Politiker wie Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Robert Habeck den großen Bereich Wärmeenergie auf ihre Agenda heben.

Ob die Anstrengungen aus Kiel aber am Ende mehr sein können als ein symbolischer Fingerzeig in Richtung Berlin, bleibt abzuwarten. Die Macht der Landesregierung ist hier begrenzt. Zweierlei muss klar sein: Bei der Wärmeenergie geht es – abgesehen vom drängenden Problem des Kohlendioxid-Ausstoßes – vor allem um viel Geld. Während der Verbraucher langfristig mit der Energiewende im Wärmebereich sparen kann, sind kurz- und mittelfristig Investitionen in Milliardenhöhe gefordert. Die Wärmeenergiewende wird also kaum ohne entsprechende Anreizprogramme zu schaffen sein. Gerade in Zeiten, in denen die Politik jede Mieterhöhung zunehmend argwöhnisch beäugt, dürfte das Interesse der privaten Wohnungswirtschaft, ohne jede Gegenleistung in Energieeffizienz zu investieren, ansonsten gering und gerade in den wenig attraktiven Lagen kaum vorhanden sein.

Doch vor allem bedarf es einer großen Koordination – ausgehend von der Frage: Wo soll Deutschland hin, wie ist das zu erreichen? Wenn beispielsweise – wie jetzt mit den Reformen des EEG – der Ausbau der Bioenergie eingeschränkt wird und Biogaswärme wegfällt, mag dies bei einer sinkenden Ökostrom-Umlage auf der Stromrechnung des Verbrauchers gut aussehen. Die Wärmeenergiewende bringt es jedoch wenig voran.

Immerhin: Habeck hat eine Diskussion angestoßen – die schon längst überfällig ist.

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