Landwirtschaft : Ernte in SH: Weniger Weizen, weniger Raps

Mit einem Rennen zwischen einem 50 Jahre alten  Oldtimer und einem  ultramodernen Mähdrescher verdeutlichten die Bauern gestern den gewaltigen Produktivitätszuwachs  in der Landwirtschaft. Was in den 1950ern drei Mähdrescher erledigen mussten, schafft heute einer. Dennoch: Nach den Rekordmengen des Vorjahres wird die Getreideernte  in diesem Jahr  geringer ausfallen.
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Mit einem Rennen zwischen einem 50 Jahre alten Oldtimer und einem ultramodernen Mähdrescher verdeutlichten die Bauern gestern den gewaltigen Produktivitätszuwachs in der Landwirtschaft. Was in den 1950ern drei Mähdrescher erledigen mussten, schafft heute einer. Dennoch: Nach den Rekordmengen des Vorjahres wird die Getreideernte in diesem Jahr geringer ausfallen.

Die Bauern in SH erwarten eine schlechtere Ernte als 2014: Witterung und Schädlinge machen den Pflanzen zu schaffen.

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16. Juli 2015, 20:15 Uhr

Wakendorf 1 | Auf den Gerstenfeldern im Land ziehen die Mähdrescher seit dem Wochenende schon ihre Bahnen. Die Ernte in Schleswig-Holstein ist im vollen Gange, doch die Erwartungen sind bescheiden. Der Ertrag werde in diesem Jahr um acht Prozent kleiner ausfallen, als im Vorjahr, teilten die Landwirtschaftskammer (LWK) und das Statistikamt Nord in Wakendorf 1 (Kreis Segeberg) mit.

„Das Rekordergebnis von 2014 werden wir nicht erreichen“, sagte der LWK-Präsident, Claus Heller. Man könne allerdings auch nicht immer Spitzenleistung erwarten. 2,6 Millionen Tonnen Getreide würden die Bauern in diesem Jahr vermutlich einfahren können (2014: 2,8 Millionen Tonnen). Für Heller ist das eine „durchschnittliche Ertragslage“.

Er weist aber auf regionale Unterschiede hin: „Besonders im Südosten des Landes hatten die Betriebe mit Trockenheit zu kämpfen.“ Stellenweise hätten Blattläuse früh gesäte Getreidebestände im Herbst befallen. Ähnlich sei das beim Raps mit dem Rapserdfloh und der Kleinen Kohlfliege der Fall gewesen. „Die Pflanzen bringen dann nicht den entsprechenden Ertrag“, so Heller. Auch das kühle, trockene Frühjahr und die zuletzt heißen Tage würden den Ertrag am Ende schmälern. Bei gutem Wetter könne dennoch überwiegend mit einer vielversprechenden Ernte gerechnet werden.

International stabile Getreide- und Rapspreise stimmen die Landwirte zusätzlich positiv. Vor allem in China habe es ein deutliches Nachfrageplus für Gerste gegeben. Eine Tonne Weizen werde an den Börsen derzeit für etwa 180 Euro gehandelt, Wintergerste schlägt mit 160 Euro pro Tonne zu Buche. Bei Roggen liegt der Preis zwischen 145 und 150 Euro und bei Raps zwischen 370 und 375 Euro je Tonne.

Besonders ist dieses Ernte-Jahr durch die Reform der gemeinsamen EU-Agrarpolitik, die die Bauern zu zusätzlichen Umweltleistungen verpflichtet. Sie müssen jetzt die Fruchtfolge einhalten, für sogenannte ökologische Vorrangflächen (zum Beispiel Knicks) sorgen und Dauergrünland erhalten. Während der Ertrag voraussichtlich sinkt, sei durch diese Vorgaben der Bedarf an Getreidefläche um gut fünf Prozent gestiegen. Das Statistikamt Nord beziffert ihn auf aktuell 302.600 Hektar.

Im vierten Jahr in Folge seien die Anbauflächen für Silomais gesunken – im Vergleich zum Vorjahr um minus fünf Prozent. LWK-Präsident Heller führt das neben der Diskussion um die Vermaisung der Landschaft auf agrar- und betriebswirtschaftliche Ursachen zurück: „Der Biogas-Boom ist vorbei.“ Trotzdem bleibt Silomais in Schleswig-Holstein mit aktuell 167.100 Hektar die zweithäufigste Kultur auf den Ackerflächen.

Der Kammerpräsident betonte die enorme Steigerung der Arbeitsproduktivität in der Landwirtschaft: „Während in den 50er Jahren noch 24 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft arbeiteten, sind es heute gerade einmal zwei Prozent.“ Zusammen mit Landwirt Thies Burmeister hatte die Kammer deshalb gestern auf einem Gerstenfeld bei Wakendorf 1 einen 50 Jahre alten Oldtimer-Mähdrescher gegen zwei moderne Erntemaschinen antreten lassen. 25 gegen zwei mal 500 Pferdestärken droschen um die Wette – ein unfaires Kräftemessen.

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