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Nahversorgung : Erfolgsmodell: In SH sollen weitere Markttreffs öffnen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die meisten der 37 Läden im Land laufen gut – und sichern in Dörfern die Nahversorgung.

In Rickling wird gerade die alte Schule zum Marktreff umgebaut, in Sehestedt ist der Imbiss im Markttreff ein Geheimtipp und in Jordelund trifft sich sogar der Gemeinderat im Markttreff zur Sitzung. Längst haben sich die Läden, die einst vorrangig zur Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs gedacht waren, zu Kristallisationspunkten in den Gemeinden entwickelt. Sie sichern die Nahversorgung, fördern die dörfliche Gemeinschaft und schaffen Arbeitsplätze – alles unter einem Dach.

Landesweit gibt es inzwischen 37 Markttreffs, der jüngste wurde 2016 am Kanal in Sehestedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) eröffnet, der erste bereits 1999 in Steinfeld (Kreis Schleswig-Flensburg). Zehn weitere sind nach Angaben des Kieler Landwirtschaftsministeriums in der Planung, drei in der Umsetzung.

Die große Überraschung: Die Läden laufen gut. Als Indiz für die wirtschaftlichen Erfolg wertet das Ministerium die Tatsache, „dass trotz grundsätzlich angespannter Lage im Lebensmitteleinzelhandel bis heute noch kein Standort dauerhaft geschlossen werden musste“. Selbstverständlich ist dieser Erfolg nicht, denn die Markttreffs wurden in Gemeinden eingerichtet, in denen zuvor nicht nur Gasthof, Post und Sparkassenfiliale dichtgemacht wurden, sondern auch der örtliche Supermarkt.

Zwar gibt es auch bei den Markttreffs immer wieder Schwierigkeiten. Die lassen sich jedoch durch Pächterwechsel und neue Konzepte meist lösen. Insgesamt habe sich das Konzept als „sehr krisenfest erwiesen“, teilt das Habeck-Ministerium der Piratenfraktion mit, die eine kleine Anfrage zum Thema gestellt hatte. Demnach können die meisten Standorte ihre Umsatzzahlen halten, einige sogar Umsatz und Ertrag steigern. Nur einige wenige seien „in kritischer Lage“.

Konzepte werden weiterentwickelt

In der Förderperiode 2014 bis 2020 sind im Rahmen des Landesprogrammes „Ländlicher Raum“ 14 Millionen Euro für Bildungs- und Nahversorgungsprojekte vorgesehen. Gemeinden – in der Regel sind sie Eigentümer der Immobilie – bekommen dabei als Anschubfinanzierung bis zu 75 Prozent der Investitionskosten. Betriebskostenzuschüsse für die Pächter gibt es hingegen nicht. Die Läden gelten als partnerschaftlich.

Der Landesregierung ist klar, dass die Versorgung ländlicher Regionen angesichts des demografischen Wandels eine große Herausforderung darstellt. „Attraktive Angebote in den Bereichen Nahversorgung, Gesundheit, Bildung, soziale Dienste und Mobilität sollen erhalten bleiben, um die Lebensqualität für die dörfliche Bevölkerung zu sichern“, teilt Habecks Ministerium mit. Deshalb werde die Entwicklung neuer Markttreff-Standorte auch künftig Schwerpunkt in der Förderpolitik bleiben.

Das Modell gilt bundesweit als vorbildlich, wird auf Kongressen präsentiert und als Impulsgeber geschätzt. Hervorgehoben wird dabei jeweils das Drei-Säulen-Konzept: Einkaufen als Kerngeschäft, Dienstleistungen (Post, Lotto, Reinigungsannahmestelle), um den Service vor Ort zu erweitern und Treffpunkt. Inzwischen werden auch neue, innovative Ansätze verfolgt, etwa in Heidgraben (Kreis Pinneberg) , wo eine Bürgergenossenschaft gebildet wurde, und in Borgstedt, wo die stationäre mit der mobilen Versorgung verknüpft wird. „Wir haben im Amt Hüttener Berge schon früh den Veränderungsdruck im Zuge der demografischen Entwicklung erkannt und als Antwort ein vernetztes Konzept entwickelt“, erklärt Gero Neidlinger, Bürgermeister in Borgstedt und Amtsvorsteher. Eine Bäckerei, die seit Jahrzehnten Erfahrungen mit einem Verkaufswagen hat, setzt neuerdings ein Markttreff-Mobil ein.

Sogar Kooperationen mit großen Lebensmittelhändlern sind mittelfristig denkbar. So will die Edeka-Nord einen Markttreff mit einer „Emmasbox“ ausstatten – einer Abholstation, bei der Kunden zuvor online bestellte Ware nahezu rund um die Uhr abholen können. Verschiedene Boxenelemente stehen bereit für Trockensortiment, Frische- und Tiefkühlware. Zum Öffnen wird ein Zahlencode zugemailt. Erste Boxen stehen bereits in Bayern.

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erstellt am 10.Jun.2017 | 16:32 Uhr

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