Energiewende : Eon-Konzern auch in SH vor der Kernspaltung

Flucht nach vorn: Eon-Chef Johannes Teyssen setzt im Kampf gegen den Schuldenberg auf die Energiewende.
Flucht nach vorn: Eon-Chef Johannes Teyssen setzt im Kampf gegen den Schuldenberg auf die Energiewende.

Das Unternehmen will sich in Zukunft auf erneuerbare Energien konzentrieren. Kritiker fürchten eine „Bad Bank“ für Atom- und Kohlekraft.

till_maj_0539 von
02. Dezember 2014, 09:53 Uhr

Kiel/Düsseldorf | In Schleswig-Holstein hat Eon es mit seiner Regionaltochter Hanse Werk (früher Eon Hanse) in Teilen bereits vorgemacht: Die Energiewende als zentrales Geschäftsmodell. Jetzt verordnet sich der Mutterkonzern selbst eine Kernspaltung, um in Zukunft vor allem mit Ökostrom wieder Geld zu verdienen. Konkret soll das Unternehmen bis 2016 aufgespalten werden – Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen sollen in Zukunft Eon ausmachen. Also jene Elemente, die im wesentlichen heute auch schon neben der dezentralen Energieerzeugung den Kurs der Schleswig-Holsteinischen Tochter Hanse Werk bestimmen. Sie wird dann auch bei Eon verbleiben.

Neben der Regionaltochter unterhält Eon in Schleswig-Holstein aber direkt auch noch zwei Gasturbinen-Kraftwerke sowie ein Steinkohlekraftwerk, die dann wie auch die Beteiligung an den Atomkraftwerken Teil der noch zu gründenden neuen Gesellschaft sein werden. Diese soll später an die Börse gebracht werden und das Stromgeschäft mit Kohle, Gas und Atomkraft, den globalen Energiehandel, Exploration und Produktion kontrollieren. Für die Beschäftigten soll der Vorgang nach Angaben von Gewerkschaft und Unternehmen keine Folgen haben.

Kritiker sehen in der Aufspaltung von Eon allerdings den Versuch, sich vor den Folgekosten konventioneller Energien – und hier vor allem jener der Atomkraft – zu drücken. „Ich befürchte, dass Eon eine Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss“, sagte Bärbel Höhn, Energieexpertin der Grünen im Bundestag, gegenüber dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z). „Zwar gehen die milliardenschweren Rückstellungen für den Rückbau und die Entsorgung der AKWs auch auf die neue Gesellschaft über, aber schon heute ist absehbar, dass dies nicht ausreichen wird.“ Einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen zufolge hatte der Eon-Konzern zum Ende des vergangenen Jahres rund 14 Milliarden Euro zurückgestellt. Wie viel der jeweilige Rückbau allerdings tatsächlich kostet, ist unklar. Unabhängige Angaben dazu fehlen. In Schleswig-Holstein ist Eon an den Kraftwerken Krümmel, Brunsbüttel und Brokdorf beteiligt.

Deutschlands Stromkonzernen macht die Energiewende zu schaffen. Konventionelle Kraftwerke werfen weniger Geld ab, der Ausstieg aus der Atomkraft hat Geschäftsmodelle torpediert. Allein in den ersten drei Quartalen waren bei Eon Abschreibungen  in Höhe von rund 700 Millionen Euro aufgelaufen. Hinzu kommt ein Schuldenberg von 31 Milliarden Euro – zusammengetragen unter anderem durch missglückte Expansionsversuche.

Bei der Konkurrenz sieht es kaum besser aus. Nicht nur Eon plant daher den Umbau – wenngleich keiner der Konkurrenten derartig radikal vorgeht. RWE will sich seit längerer Zeit von seiner Hamburger Tochter RWE Dea trennen – doch Großbritannien blockiert derzeit den möglichen Verkauf an ein russisches Konsortium. Vattenfall will sein Braunkohlegeschäft beerdigen.

Auch für viele Stadtwerke wurde die Energiewende zuletzt zur Herausforderung. Einer Umfrage des Verbands der kommunalen Unternehmen (VKU) zufolge gehen 61 Prozent der befragten Stadtwerke in Deutschland davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage noch weiter verschlechtern wird – ein Plus von zehn Prozent gegenüber 2013. „Alarmierend ist, dass sich unter den jetzigen Bedingungen moderne und effiziente Kraftwerke, die bei schwankender Einspeisung der erneuerbaren Energien für die umfassende Versorgungssicherheit Deutschlands zukünftig noch dringend gebraucht werden, kaum wirtschaftlich betreiben lassen“,  so VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck. 62 Prozent der Unternehmen gaben der Umfrage zufolge an, dass sich die Wirtschaftlichkeit ihrer konventionellen Anlagen nochmals gegenüber dem Vorjahr verschlechtert habe.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen