Kita-Streik : Eltern gehen in SH auf die Straße

Paula (5, von links), Paulina (5) und Collin (3) aus Neumünster finden den Kitastreik doof und haben keine Lust mehr darauf.
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Paula (5, von links), Paulina (5) und Collin (3) aus Neumünster finden den Kitastreik doof und haben keine Lust mehr darauf.

Mütter und Väter fordern ein Ende des Arbeitskampfes. Vielen drohen finanzielle Nöte und Probleme im Beruf.

shz.de von
26. Mai 2015, 19:35 Uhr

Kiel | Viele Eltern im Norden haben die Grenze der Belastbarkeit erreicht oder sogar schon überschritten: Seit mehr als zwei Wochen dauert der Streik der Erzieherinnen an kommunalen Kitas nun schon an – eine Ende ist nach wie vor nicht absehbar. Etliche Mütter und Väter wollen das nicht mehr klaglos hinnehmen. In Hamburg gingen am Dienstag rund 2000 Menschen auf die Straße. Unter dem Motto „Jetzt reicht's – Erzieherberuf aufwerten, Kita-Streik beenden“ demonstrierten ganze Familien für ein Ende des Streiks. „Dieser Streik geht am Ziel vorbei: Er trifft nicht die Arbeitgeber, sondern die Eltern und deren Kinder“, sagte Björn Staschen vom Landeselternausschuss Hamburg.

In Flensburg wollen am Donnerstag betroffene Eltern ihrem Ärger über den langen Arbeitskampf bei einer Demo Luft machen. Viele Eltern könnten nachts nicht mehr schlafen, aus Sorge um die Betreuung der Kinder und aus Angst um die berufliche Zukunft, erklärte gestern Katharina Dethleffsen, Vorsitzende der Flensburger Kreiselternvertretung. „Die Kinder verlieren ihre sozialen Kontakte“, beschreibt sie das Problem. „Sie haben eine starke Bindung zu ihren Erzieherinnen und den anderen Kindern.“

Auch an anderen Stellen des Landes wissen viele Eltern inzwischen nicht mehr, wie es weitergehen soll. „Die meisten Betroffenen sind am Ende“, erklärte Kreiselternvertreterin Marion Khabiri aus Neumünster. Bei der Vorsitzenden steht das Telefon nicht still. Viele verzweifelte Eltern rufen an und suchen Rat. „Lange halten sie diese Situation nicht mehr durch“, sagte Khabiri.

Unterstützung kommt aus der Politik. Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Ralf Stegner, setzt sich für ein schnelles Ende des Tarifkonflikts ein. Er teile die Auffassung der Beschäftigten, dass sie „mehr wert“ seien, sagte Stegner gestern. Er werbe aber auch um Verständnis für die Lage der Eltern. „Deshalb wünsche ich mir eine baldige Lösung, damit die Betreuung sichergestellt und nicht die Kinder die Leidtragenden sind.“

Seit dem 8. Mai wird an den kommunalen Kitas auch in Schleswig-Holstein für mehr Lohn und Anerkennung gestreikt. Verdi und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordern für die bundesweit 240.000 Beschäftigten eine bessere Eingruppierung – im Schnitt geht es um zehn Prozent mehr Lohn und Gehalt. Verdi und GEW hatten vor wenigen Tagen angekündigt, dass sie so lange streiken, „bis etwas in den Verhandlungen weitergeht. Das könnte auch bis in die Sommerferien hineinreichen,“ so ein Verdi-Sprecher. Die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände lehnt pauschale Erhöhungen ab, hat aber Verbesserungen bei der Eingruppierung bestimmter Tätigkeiten angeboten.

Kommentar von Dörte Moritzen: Hier geht es um Menschen

Für manche Familie wird der Streik noch weitreichende Folgen haben. Bei den einen steht der Job auf dem Spiel, bei den anderen verbrauchen teure Betreuungskosten die Urlaubskasse. Oder die Urlaubstage der Eltern gehen drauf. Denn heutzutage hat bei Weitem nicht jeder Oma oder Opa vor Ort. Und auch das beste Netzwerk wird nach endlosen Streikzeiten mal brüchig. Leider gehören die heutigen Eltern zu denen, von denen die Gesellschaft stets Flexibilität verlangte. Für einen sicheren Arbeitsplatz muss der gut ausgebildete Mittelstand schon mal klaglos die heimische Scholle verlassen und tut es auch, auch wenn dann der Zusammenhalt der Familie fehlt. Stattdessen vertrauen die Eltern auf gute Betreuungsangebote – und stehen jetzt ganz gewaltig im Regen. 

Sicher ist: Es ist durchaus etwas anderes, ob irgendwo die Maschinen ein paar Wochen lang still stehen oder die Postpakete liegen bleiben. Hier geht es um Menschen. Also ist Eile geboten!

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