Nach Fahrt am Mittwochmorgen : Elbfähre Brunsbüttel-Cuxhaven nun doch eingestellt

Die beiden Doppelend-Fähren der Firma Elb-Link.
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Die beiden Doppelend-Fähren der Firma Elb-Link.

Entgegen der Ankündigung startete am Mittwochmorgen doch noch eine Fähre aus Brunsbüttel – die endgültig letzte.

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01. März 2017, 13:46 Uhr

Brunsbüttel/Cuxhaven | Die Elbfähre zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven hat ihren Betrieb bis auf Weiteres nun doch eingestellt. Die letzte Fähre sei um 9.45 Uhr von Brunsbüttel aus gestartet, sagte ein Sprecher der Elb-Link Reederei am Mittwoch. Eigentlich hatte die Reederei Elb-Link am Dienstag angekündigt, der Fährbetrieb werde von Mittwoch an eingestellt. Am Morgen war dann doch überraschend eine Fähre losgefahren. Grund dafür seien Anordnungen der estnischen Muttergesellschaft und der Banken gewesen, sagte ein Sprecher. Eine der beiden Elbfähren hatte bereits vor einigen Tagen ihren Betrieb eingestellt. Die estnische Muttergesellschaft der Elb-Link Reederei habe dieses Schiff nach Norwegen verchartert. In den nächsten Tagen soll die „Grete“ den Standort wechseln.

 

Seit dem 20. August 2015 pendelten die Fähren regelmäßig. Sie stellten damit für viele eine wichtige Alternative zur Fährverbindung Glückstadt-Wischhafen und der Verkehrsroute über die A7 durch den Elbtunnel in Richtung Niedersachsen dar. Finanzielle Schwierigkeiten der Reederei waren schon im letzten Jahr bekannt geworden.

Das plötzliche Aus kam für die Beschäftigten der finanziell angeschlagenen Elb-Link Reederei unerwartet. „Das war sehr überraschend“, sagte der Sprecher.„Eigentlich waren wir auf einem guten Weg.“ Der Lkw-Verkehr sei immer mehr geworden. Die Entscheidung hätten jetzt die Banken getroffen. Erst in der vergangenen Woche war die Elb-Link-Reederei Spekulationen um ein Aus entschieden entgegengetreten und hatte eine Garantie für den Fortbestand der Linie gegeben. „Elb-Link plant, die Linie langfristig und zuverlässig zu betreiben“, hatte Geschäftsführer Gren Noormets erklärt.

Der Elb-Link-Betriebsleiter Bernd Bässmann arbeitet nun an einem Notfallplan, wie er dem sh:z am Dienstag sagte. Mit dem Schwesterschiff „Anne-Marie“ soll die Fährlinie wieder angeboten werden können. „Wir sind in Gesprächen mit Niedersachsen und privaten Investoren“, erklärte er. „Ich hoffe, wir bekommen zumindest vier Abfahrten pro Tag hin“, hofft Bässmann. „So könnten wir zumindest unseren Frachtkunden eine Verbindung gewährleisten.“ Eine Ministeriumssprecherin bestätigte, dass die Notwendigkeit einer Auffanggesellschaft geprüft werde. „Wir haben großes Interesse daran, dass die Fährverbindung wieder aufgenommen wird“, betonte sie.

Das Land Niedersachsen hatte den Ausbau des Anlegers in Cuxhaven mit einem Millionenbetrag gefördert. Durch die Verbindung sollte die Fähre zwischen Glückstadt und Wischhafen sowie die A7 entlastet werden. In der Vergangenheit war bereits dreimal versucht worden, Fährverbindungen zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven einzurichten. Millionenverluste hatten immer zur Einstellung des Betriebes geführt.

Die angespannte Liquiditätslage der Elb-Link Reederei mit über 50 Beschäftigten war schon Mitte letzten Jahres bekanntgeworden. Nach eigenen Angaben betrug der Verlust zum 31. Juli 2016 rund 1,4 Millionen Euro. Schuld daran waren nach eigenen Angaben zusätzliche Lotsenkosten, zudem sei der erste Winter schwach angelaufen. Die Staatsanwaltschaft Stade prüft nach einer Anzeige im August 2016 zudem eine mögliche Insolvenzverschleppung. „Die Ermittlungen dauern unverändert an“, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde.

Trotz der finanziellen Schwierigkeiten habe die Reederei Perspektiven gehabt, unterstrich der Unternehmenssprecher. Seit letztem Sommer sei die Nachfrage an der Fährverbindung vielversprechend gestiegen. Nach der traditionell schwächeren Wintersaison sollte es mit Beginn der Osterferien „wieder richtig losgehen“. „Touristen haben zum Teil schon ihre Tickets gebucht“, sagte der Sprecher. Betriebsleiter Bernd Bässmann hatte im letzten Jahr gesagt: „Die Strecke muss sich etablieren und dies wird noch einige Zeit dauern.“

Der Unternehmenssprecher kritisierte, dass die estnische Mutter Saaremaa nicht in Werbung investiert habe. Außerdem habe die Überfahrt mit bis zu eineinhalb Stunden zu lange gedauert. „Ein schnellerer Motor liegt schon bereit“, sagte er. Damit wäre die Strecke in einer Stunde zu schaffen.

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