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Steigende Personalkosten : Einzelhandel: Mindestlohn kostet tausende Arbeitsplätze

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Der Einzelhandel fürchtet deutlich steigende Personalkosten, wenn die Angestellten künftig 8,50 Euro pro Stunde für ihre Arbeit bekommen sollen. Aushilfsjobs würden unbezahlbar.

Kiel | Unklare Regeln, explodierende Personalkosten, Entlassungen – der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro droht tiefe Spuren im norddeutschen Einzelhandel zu hinterlassen. „Es werden einige tausend Arbeitsplätze in Schleswig-Holstein allein mit der Umstellung zum 1. Januar des neuen Jahres wegfallen“, warnt Dierk Böckenholt, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nord (EHV) in Kiel, im Interview mit dem sh:z. Grund seien steigende Personalkosten. Das liegt zum einen am Mindestlohn selbst, der dafür sorgt, dass vor allem einfache Tätigkeiten höher entlohnt werden müssen. Um das Lohngefüge zu wahren, müssten die Unternehmen zugleich die übrigen Löhne nach oben anpassen, so Böckenholt. Das Nachsehen dürften nicht zuletzt geringfügig beschäftigte Schüler und Studenten haben, die sich im Handel Geld dazu verdienen. „Denen wird die Beschäftigung maßgeblich erschwert.“

Dass die Kosten der neuen Lohnuntergrenze vollständig an den Verbraucher weitergereicht werden können, glaubt Böckenholt nicht. Zu stark sei der Wettbewerb im Handel und der Druck durch die Online-Konkurrenz. Stattdessen erwartet er, dass Arbeitsabläufe noch stärker automatisiert werden. „Wir werden sicherlich die Entwicklung moderner Kassensysteme im Handel dadurch noch weiter forcieren.“ Eine Erhebung des Institus EHI Retail zeigt, wohin dies führt.: Der Anteil der Betriebe, die den Einsatz von Selbstbedienungskassen planen, ist allein in den vergangenen zwei Jahren von 19 auf 28 Prozent gestiegen.

Einen Monat vor Einführung des Mindestlohns scheint es zudem noch immer viele ungeklärte Fragen zu geben. „Was wir momentan bei unseren Unternehmen feststellen, ist eine Unsicherheit bei der Durchführung“, sagt Böckenholt. Auf viele Einzelfragen hätten weder Politik noch die Kontrollorgane, also der Zoll, derzeit Antworten. Dabei gehe es unter anderem um die Frage, was alles für den Lohn von 8,50 Euro genau vergütet wird. „Wir werden im Laufe des nächsten Jahres viele Sachverhalte haben, wo zum heutigen Zeitpunkt noch niemand sagen kann, wie sich derjenige verhalten soll, der es richtig machen will.“

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erstellt am 25.Nov.2014 | 07:07 Uhr

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