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Studie : Einzelhandel: Das Ende des Wachstums

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Der Einzelhandel gerät immer stärker unter Druck: Mit nennenswertem Wachstum ist laut einer Studie nicht zu rechnen.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2013 | 05:34 Uhr

Hamburg | In den kommenden Jahren kann der Einzelhandel in Deutschland nicht mit nennenswertem Wachstum rechnen. Die Bevölkerung schrumpft und wird älter, die Einkommen stagnieren und in wesentlichen Konsumbereichen sind die Märkte gesättigt. Dies ist das entscheidende Ergebnis einer Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) im Auftrag der HSH Nordbank, die am Donnerstag in Hamburg vorgestellt wurde.
Zudem setze sich der Konzentrationsprozess im Einzelhandel fort und der zunehmende Handel über das Internet koste weitere Marktanteile. "Im Einzelhandel kommen viele Faktoren zusammen", sagte Dörte Nitt-Drießelmann, die Autorin der Studie. Großer Nutznießer des Trends sei in Norddeutschland Hamburg, sagte HWWI-Studienautorin Dörte Nitt-Drießelmann: "Hamburg erschlägt alles. Die Läden in kleineren und mittleren Städten werden die Verlierer sein."

"Es ist auch nicht zu erwarten, dass die Steuern runtergehen"


Mit einem Umsatz von 512 Milliarden Euro - ein Fünftel der deutschen Wirtschaftsleistung - ist der Einzelhandel ein sehr bedeutender Wirtschaftszweig. Ein gutes Drittel der privaten Konsumausgaben fließt in diese Branche, allerdings mit stetig abnehmender Tendenz. Angesichts der demografischen Trends werden der Studie zufolge in Zukunft die Ausgaben der Haushalte für Wohnen, Gesundheit und Vorsorge steigen, für Konsum hingegen nicht. Der Grundbedarf der Bevölkerung wachse nicht mehr. Bei Nahrungsmitteln, aber auch Bekleidung, Schuhen, Haushaltsgegenständen und Möbeln seien Sättigungstendenzen zu erkennen. "Es ist auch nicht zu erwarten, dass die Steuern runtergehen", fügt Nitt-Drießelmann hinzu.
Im Vergleich zu den ostdeutschen Ländern stünde Schleswig-Holstein den Ausführungen der Wissenschaftlerin zufolge nicht schlecht da. "Im Augenblick liegt Schleswig-Holstein bei den verfügbaren Einkommen im Mittelfeld", so Nitt-Drießelmann. "Sie haben eigentlich nur ein Gebiet, Dithmarschen, das sich nicht so gut entwickelt." Besonders hoch sei der Einzelhandelsumsatz ihr zufolge pro Kopf in Bad Segeberg, Kiel und Flensburg. Welche Folgen dies für das Umland hat, zeigt ihre Rechnung im Falle der Landeshauptstadt. 30 Prozent des Umsatzes kämen hier aus dem Umland. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde gebe im Gegenzug stark Kaufkraft ab. Kritisch sieht Nitt-Drießelmann hierbei auch die Rolle von Outlet-Centern wie jenem in Neumünster. Bundesweit trügen diese Center zwar nur 0,2 Prozent zum Umsatz bei. Aus der Region zögen sie aber Kaufkraft ab.
Den mittleren Gemeinden und Ortschaften in Schleswig-Holstein gibt Nitt-Drießelmann beim Einzelhandel einen klaren Rat: "In den ländlichen Gebieten werden Nahrungsmittel weiterhin gut laufen." Idealerweise würden ein Edeka und ein Discounter angesiedelt. In Kombination könnten sich diese befruchten. "Dann haben die Gemeinden gute Chancen, dass sie auch kleinere Einzelhandelsgeschäfte halten können." Ansonsten betonen die Experten vor allem die Rolle des unternehmerischen Geschicks: "Wer beweglich und ideenreich agiert, kann angesichts der Vielfalt der Wandlungsprozesse Marktnischen finden, die von großen Filialkonzernen nicht abgedeckt werden", sagte Nitt-Drießelmann. Service und Beratung bei erklärungsbedürftigen Produkten würden bei der älteren Bevölkerung immer wichtiger. Es sei immer mehr das Erlebnis beim Einkauf gefragt.
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