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Hamburg und Kiel : Einigung über HSH-Nordbank - wie geht es weiter?

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Was aus dem Standort Kiel wird, bleibt offen. „Es werde sehr schwierig, alle Standorte zu erhalten“, sagt Verdi.

Hamburg/Kiel | Nach der Einigung der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg mit der EU über die Zukunft der HSH Nordbank geht es nun um die Konsequenzen. Das gilt nicht nur für die in unbekannter Milliardenhöhe erwarteten Belastungen für die Länder, sondern auch für die Arbeitsplätze. So besteht eine Standortgarantie für Kiel mit derzeit rund 1000 Beschäftigten nur solange, wie der Staatsvertrag gilt - also bis zu einem Verkauf des Instituts, der spätestens 2018 vollzogen sein soll. Die Bankführung informierte am Dienstag die Belegschaften in Hamburg und Kiel über die Lage.

Die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz und der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (beide SPD) haben sich am Montag in Brüssel geeinigt: Die HSH Nordbank wird von Altlasten befreit und verkauft. Der Entscheidung waren mehr als zweijährige Verhandlungen vorausgegangen. Hamburg und Schleswig-Holstein sollen der Bank faule Kredite im Wert von 6.2 Milliarden Euro abnehmen.

Schleswig-Holsteins Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) erwartet aus der Einigung ab 2018/2019 im Haushalt jährlich Zinsbelastungen in zweistelliger Millionenhöhe. Die gefundene Lösung sei die günstigste. „Alle Alternativen wären teurer geworden.“ Aus ihrer Sicht haben sich mit der Einigung die Chancen für einen Verkauf der Bank deutlich erhöht. Was dann mit Kiel geschieht, ist offen. Ein neuer Eigentümer könne die Bank so aufstellen, wie er wolle, sagte Heinold. „Solange wir als Land zuständig sind, gilt der Staatsvertrag, der sagt, dass wir den Standort in Kiel haben.“

HSH-Vorstandschef Constantin von Oesterreich wollte sich zur Standortfrage nicht äußern. Er sprach von einem guten Ergebnis. „Damit sollen wir sehr zufrieden sein, und es liegt jetzt an uns, das beste daraus zu machen“, sagte Oesterreich am Rande einer Mitarbeiterversammlung in Kiel. „Das geht für die Bank sehr gut weiter.“ Sie könne mehr als die Hälfte der Kredite mit Wertberichtigungen an die Länder abgeben, gleichwohl: „Mehr ist immer besser.“ Entscheidend sei aber „die Summe der Dinge“.

Das Paket sieht vor, dass die Bank Altlasten in Milliardenhöhe an ihre Haupteigentümer Hamburg und Schleswig-Holstein abgeben darf. Spätestens 2018 soll sie verkauft werden. Gelingt das nicht, wird sie abgewickelt. „Dies wäre dann ein gut steuerbarer Prozess“, sagte Heinold. Es sei gut für die Bank und den Steuerzahler, dass es nun zu keinem unkontrollierbaren Verfahren kommt.

Auf die Frage, ob es überhaupt einen Markt für die zu verkaufende Bank gibt, sagte Finanzstaatssekretär Philipp Nimmermann: „Es gibt immer einen Markt, und es gibt immer einen Marktpreis“. Heinold listete auf: Die Wiederaufstockung der Ländergarantien auf zehn Milliarden Euro sei gebilligt, die Bank werde deutlich von Altlasten und Garantiegebühren - künftig 100 Millionen statt 400 Millionen Euro im Jahr - entlastet und es werde eine Verkaufsperspektive eröffnet. „Das ist eigentlich etwas, womit Märkte gut umgehen können.“

Die Belegschaft sehe es grundsätzlich positiv, dass nach langem Warten eine Entscheidung da ist, sagte Konzernbetriebsratschef Olaf Behm. „Es gibt jetzt ein neues Ziel, auf das wir hinarbeiten können.“ Er und der Vorstandschef hatten in Kiel zu mehreren hundert Beschäftigten gesprochen. Dabei ging es auch um die Zukunft der Standorte. „Die Sorge in Kiel ist wesentlich größer, dass dieser Standort vielleicht schneller geschlossen wird oder noch schneller kleiner wird“, sagte Behm. Derzeit könne aber niemand einschätzen, wie sich künftige Eigentümer „zu Standorten und Arbeitsplätzen positionieren“. Der Vorstand habe auch deutlich gemacht, dass der Standort Kiel in vielen Punkten günstiger sei.

Nach der Mitarbeiterversammlung habe „gedrückte“ Stimmung geherrscht, berichtete ein Teilnehmer. Die Bank habe gegenüber den Mitarbeitern „frohe Erwartung geschürt“, sagte ein anderer. Verdi-Sprecher Frank Schischefsky betonte: „Wir glauben, dass es sehr schwierig wird, alle Standorte zu erhalten.“ Die Landesregierung müsse als Eigentümer für die Beschäftigten in Kiel gute Lösungen finden.

Auf den Ländern lastet noch eine Gewährträgerhaftung für die Bank von 12 Milliarden Euro. Zum Jahresende sinkt sie auf 2,5 Milliarden. An Garantiegebühren hat die Bank den Ländern bisher 2,5 Milliarden Euro überwiesen. Heinold erwartet, dass die Vereinbarungen mit der EU im ersten Quartal 2016 in Kraft treten werden. Dann gibt es zwei Jahre Zeit für einen Verkauf, eventuell noch sechs Monate mehr. „Wir beginnen ab sofort mit dem Verkaufsprozess“, sagte Staatssekretär Nimmermann.

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erstellt am 20.Okt.2015 | 16:19 Uhr

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