Pilotprojekt : Eine zweite Chance

Beim Berufsgrundbildungsjahr können Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz sich im Hotel- und Gaststättengewerbe versuchen.
Beim Berufsgrundbildungsjahr können Schulabgänger ohne Ausbildungsplatz sich im Hotel- und Gaststättengewerbe versuchen.

Dehoga und das Ministerium für Bildung und Wissenschaft in SH vereinbarten in Kiel einen Kooperationsvertrag für das Pilotprojekt „BGJ Gastronomie & Hotellerie“. In der Pilotphase geht es um Schüler in Elmshorn, Kiel und Lübeck.

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15. Juni 2014, 10:00 Uhr

Kiel | Mit dem Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) wird Schulabgängern, die keine Ausbildungsstelle gefunden haben, eine berufliche Perspektive geboten. Durch die Zusammenarbeit mit dem Dehoga Schleswig-Holstein erhalten die Schüler unter 17 Jahren einen Jahresvertrag bei einem Mitgliedsbetrieb, um in die Berufe HOFA, REFA oder Koch hineinzuschauen.

Zum September 2013 startete das zukunftsweisende Pilotprojekt. Viele Dehoga Mitglieder stellten Plätze zur Verfügung. Den Betrieben entsteht kein finanzieller Nachteil, denn das BGJ gehört zur kostenfreien schulischen Ausbildung. „In Elmshorn und Kiel sind die Schüler neben dem praxisorientierten Unterricht einen Tag pro Woche im Betrieb und arbeiten dort auch während der Ferienzeiten. In Lübeck wurde das Modell der Verblockung der Praxiszeit gewählt, um die Anforderungen, die von der Ausbildungsverordnung gestellt werden, zu erfüllen“, erklärt Anja Siegel, Projektleiterin im Ministerium für Bildung und Wissenschaft in Schleswig-Holstein. „Oft sind es Schüler aus schwierigen sozialen Verhältnissen, die familiär entwurzelt wurden, Halt brauchen und ein intaktes Umfeld. Das ist sicherlich keine leichte soziale Aufgabe für uns Ausbilder. Aber sie lohnt sich, um diesen jungen Menschen eine Lebensperspektive zu geben. Gleichzeitig helfen wir uns selbst, den Mangel an Auszubildenden im Gastgewerbe zu mindern“, sagt Martina David, Vorsitzende des Landesausschusses für Berufsbildung im Dehoga.

Ist die Zusammenarbeit stimmig, können die Betriebe die Schüler in ein reguläres Ausbildungsverhältnis übernehmen und entscheiden, ob das Probejahr bereits auf die 3-jährige Ausbildung angerechnet wird. So geschehen bei Martina David, die der 17-jährigen Jasmin H. aus schwierigen sozialen Verhältnissen eine Chance im Hotel & Restaurant Sellhorn’s Gasthof bietet: „Jasmin hat bei uns stark an Selbstvertrauen gewonnen und sich gut entwickelt. Sie ist dankbar und lernt schnell. Mit ihr haben wir einen Glücksgriff getan und werden das Probejahr auf die Ausbildungszeit anrechnen, sodass sie mit dem Ausbildungsvertrag gleich ins zweite Jahr einsteigt.“

84 junge Menschen sind ins Pilotprojekt gestartet, davon 30 in Elmshorn, 22 in Kiel und 32 in Lübeck. „Wir haben in Elmshorn große Erfolge erzielen können, denn neun Schüler sind schon während des BGJ in die reguläre Ausbildung übernommen worden und nach Abschluss erhalten jetzt noch einmal 14 Schüler einen Ausbildungsplatz. In Kiel haben es leider nur drei geschafft. Tolle Ergebnisse kommen auch aus Lübeck: drei Schülern wechselten während des BGJ in die reguläre Ausbildung, weitere 12 starten nach dem BGJ in die Ausbildung“, bestätigt Projektleiterin Anja Siegel und appelliert an die Betriebe, den Schülern einen kleinen Obolus z. B. für Fahrtkosten zu zahlen, die nicht über die Schule abgedeckt werden. Wer sich über da Thema informieren oder selbst an dem Projekt teilnehmen möchte, kann sich bei Martina David melden unter: sellhorns.gasthof-hotel@t-online.de .

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