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Nord-Ostsee-Kanal : Eine Woche Streik: Nord-Ostsee-Kanal bleibt dicht

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Desaster mit Ankündigung: Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will von Montag an den Kanal dicht machen – eine ganze Woche lang. Hintergrund des Streiks ist der andauernde Streit mit dem Bundesverkehrsminister um Absicherung für die Beschäftigten bei der Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2013 | 06:30 Uhr

Brunsbüttel | Wird dem Nord-Ostsee-Kanal jetzt endgültig der Todesstoß versetzt? Die Furcht im Land ist groß, seitdem die Gewerkschaft Verdi gestern angekündigt hat, von Montag bis zum folgenden Sonntag die Arbeit an Schleusen und Kanälen bundesweit niederzulegen. Die Landesregierung ist besorgt. „Jeder Tag, den der Nord-Ostsee-Kanal nicht befahrbar ist, schadet nicht nur dem Wirtschaftsstandort Norddeutschland, sondern dem Standort Deutschland“, erklärte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) in Kiel. Er rief beide Tarifparteien auf, „ihre Verantwortung für die Wirtschaft im Norden nicht zu vergessen“. Bundesverkehrsminister Ramsauer sei „mehr denn je gefordert, endlich eine Lösung mit den Beschäftigten zu erzielen“. Albig: „Wir brauchen einen funktionierenden, keinen gesperrten NOK“.

Wegen der Streiks und zahlreicher Mängel, unter anderem an den maroden Schleusentoren, musste der Kanal in diesem Jahr schon mehrfach gesperrt werden. Allein im ersten Halbjahr sank deshalb die Zahl de Schiffspassagen um über 2000 auf 15940.

Der bislang längste Streik am Nord-Ostsee-Kanal in der seit Monaten andauernden Auseinandersetzung soll Montag mit der Frühschicht beginnen. Betroffen sind wieder die Schleusen in Brunsbüttel an der Nordsee und in Kiel-Holtenau zur Ostsee.

Verdi will damit eine tarifvertragliche Absicherung für die Beschäftigten bei der Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes erzwingen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat den Beschäftigten eine Absicherung bereits per Schreiben zugesagt, was nach Ansicht von Verdi aber juristisch nicht hieb- und stichfest ist. Verdi befürchtet den Verlust von 3000 der insgesamt 12.000 Arbeitsplätze. Bisherige Gespräche über den angestrebten Sozialtarifvertrag seien ergebnislos geblieben, so die Gewerkschaft. „Die Hängepartie muss ein Ende haben“, begründete Verdi-Vorstandsmitglied Achim Meerkamp die Ausweitung der Streiks.

Die Begeisterung der norddeutschen Verdi-Mitglieder für diesen Megaaufstand soll sich jedoch in Grenzen halten. Bis zum Schluss, so berichten Insider, hätten sie interveniert, um den Streik auf zwei Tage zu begrenzen, mussten sich jedoch dem Votum der Verdi-Bundesebene beugen.

Die Sorge der Nordlichter kommt nicht von ungefähr. Durch die Kanalschließung kommt der eng getaktete Warentransport über die Überseehäfen in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven ins Stocken. Inzwischen transportieren große Schiffe die Ware aus Asien direkt über Skagen in den Ostseeraum, statt sie wie bisher in Hamburg auf kleinere Schiffe umzuladen, die den kürzeren Weg durch den Kanal nehmen. Ein Drittel des Hamburger Umschlags für den baltischen Raum ging bislang über diese „nasse Autobahn“.

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