Kommentar : Eine SH-Konjunktur zum Genießen

Ein Zimmermann baut in Ahrensburg (Kreis Stormarn) an einem Dachstuhl.
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Ein Zimmermann baut in Ahrensburg (Kreis Stormarn) an einem Dachstuhl.

Wir sollten uns über die guten Zahlen freuen, auch wenn es einen Grund für Pessimismus gibt, kommentiert Joachim Dreykluft.

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30. September 2014, 16:35 Uhr

Das ist ein Grund zur Freude: Zwar verzerren Sondereffekte (eine U-Boot-Abrechnung in wohl dreistelliger Millionenhöhe ) und Glück (Wetter) die Zahlen. Dennoch: Die bisherigen Monate 2014 liefen in SH so, dass es vielen besser geht und kaum jemandem schlechter. Auftragsbücher sind voller, Arbeitsplätze sicherer.

Die Zahlen über Wirtschaftsleistung und Arbeitsmarkt haben jedoch einen Nachteil. Sie blicken zurück und sagen wenig über die Zukunft. Um die Frage zu beantworten, wie es uns künftig geht, helfen andere Kennziffern. Das sind etwa die ebenfalls gestern veröffentlichten Inflationszahlen.

In der Euro-Zone beträgt der Wert nur noch 0,3 Prozent. EZB-Chef Draghi wird also seine Politik des superbilligen Geldes fortsetzen. Für Bau und Handwerk sind das gute Nachrichten. Geld wird weiter in Neubau, Sanierung und Modernisierung gesteckt, weil Geliehenes kaum Zinsen kostet und Erspartes keine Zinsen bringt. Die Gefahr, dass eine Immobilienblase entsteht, ist gegeben, dürfte aber in erster Linie unseren Nachbarn Hamburg treffen.

Sorgen bereitet der Ifo-Geschäftsklimaindex, Deutschlands mit Abstand bester Konjunkturindikator. Der ist im September zum fünften Mal in Folge gefallen. Die „ifo-Konjunkturuhr“ ist von Boom ganz knapp auf Abschwung gedreht.

Das ist auch für uns in Schleswig-Holstein kein gutes Omen. Doch die Vergangenheit zeigt: Die Konjunkturausschläge im Norden sind meist moderater als im Bundesschnitt und den wirtschaftlich stärkeren Bundesländern. Dass das im ersten Halbjahr einmal anders war, dass SH den größten Schluck aus der Konjunkturpulle nahm, sollten wir einfach mal genießen.

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