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Nitrat im Wasser : Eine Frage der Dosis

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Trinkwasser ist in Gefahr. Ein Problem gibt es aber erst, wenn die Dosis nicht stimmt. Ein Kommentar von Margret Kiosz.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2015 | 18:26 Uhr

Gülle stinkt – da gibt es keine zwei Meinungen. Alle andern negativen Eigenschaften, die man den tierischen Ausscheidungen nachsagt, kann man nicht Kühen und Schweinen anlasten, sondern den Menschen, die das Maß verloren haben. Denn eigentlich ist das Düngen von Wiesen und Äckern mit Gülle im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Nitratprobleme entstehen erst, wenn die Dosis nicht stimmt – wenn durch Massentierhaltung und Fehlanreize bei der Förderung von Biogasanlagen so viel überschüssige Gülle und Gärsubstrat anfallen, dass zuerst die Böden, dann das Grundwasser und zuletzt das Meer kippt.

Unser Trinkwasser ist in Gefahr, weil Gülle nicht als Dünger eingesetzt wird sondern einige – nicht alle! – Landwirte ihren Mist auf den Feldern kostengünstig entsorgen. Schuld daran sind auch die Politiker, die jahrelang zugesehen haben, wie sich auf dem Geestrücken die Probleme ballten: Dort steht die Mehrzahl der Milchviehbestände und dort steht die Mehrzahl der maisfressenden Biogasanlagen. Deren Abfallprodukt – das Gärsubstrat – entspricht der Gülle von 150.000 Kühen.

Warnungen der Wasserwerke hat es schon früh gegeben. Auch ihr Ruf nach intensiveren Kontrollen war nicht zu überhören. Trotzdem wird nur bei einem von hundert Landwirten pro Jahr überprüft, ob er die maximal zulässigen Güllemengen einhält. Als jüngst ähnliche lange Prüfintervalle der Steuerfahnder bei Gewerbebetrieben bekannt wurde, war der Aufschrei groß. Warum sind wir beim laxen Umgang mit der Gülle, die unser Lebenselexier bedroht und der Natur Schaden zufügt, nicht ebenso alarmiert? Zumal wir Verbraucher wieder einmal als Melkkühe missbraucht werden. Anstatt die Kosten für die Wasseraufbereitung bei den Verschmutzern einzutreiben, werden die Ausgaben über die Wasserpreise sozialisiert. Biogasbetreiber und Bauern, die ihren Mist einfach vor die Tür kippen, lachen sich ins Fäustchen. Billig-Fleisch und verramschte Milch vom Discounter müsste uns eigentlich auch deshalb im Halse stecken bleiben.

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