Neue Software : Ein Wink und die Maschine läuft

Sascha Klement demonstriert das Prinzip: Eine 3D-Kamera erfasst seine Hand, das Fingerskelett wird berechnet und auf den Bildschirm übertragen. Foto: Lubowski
Sascha Klement demonstriert das Prinzip: Eine 3D-Kamera erfasst seine Hand, das Fingerskelett wird berechnet und auf den Bildschirm übertragen. Foto: Lubowski

Die Gestigon GmbH ist acht Monate jung - und ist gerade dabei, ihre Technologie marktreif zu machen. Mit ihr können Geräte allein durch Gesten gesteuert werden.

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08. Mai 2012, 10:43 Uhr

Lübeck | Computer, die auf einen Wink reagieren und ganz ohne Berührung Befehle ausführen? Wer glaubt, im tagtäglichen Umgang mit elektronischem Gerät sei das noch Zukunftsvision, den bringt das Lübecker Startup Gestigon zum Staunen. Dort ist berührungslose Bildnavigation längst Realität. Software zur Erkennung von Hand- und Körpergesten macht dies möglich.
Die Gestigon GmbH ist eine Ausgründung der Universität, erst acht Monate alt - und gerade in einer spannenden Phase. "Wir sind dabei, die Technologie, die wir haben, zur Marktreife zu bringen", erklärt Gestigon-Geschäftsführer Sascha Klement. Außer nach Investoren suche man nach Firmen, die Interesse haben, mit den Software-Paketen zu arbeiten. "Die Technologie, die wir entwickeln, ist gerade erst am Kommen", sagt Klement.
Spielekonsole erkennt Gesten
Was man überhaupt mit berührungsloser Bildnavigation anstellen kann, wissen junge Leute längst: Spielen beispielsweise. Wo gestern noch die Handsteuerung zum digitalen Bowlen oder Golfen gebraucht wurde, reicht jetzt eine Geste. Zur Erklärung hat Klement eine Kamera namens "Kinect XBox 360", eine Erweiterung für die Spielekonsole, aufgebaut. Die Kamera liefert dreidimensionale Informationen an einen Bildschirm. Allein durch Gesten ruft Klement dort Bilder und Texte auf, bearbeitet sie.
Das Grundprinzip des Vorgangs: Die 3D-Kamera erfasst eine Bewegung, die Software ordnet diese Geste einem bestimmten Befehl zu. "Dies ist die logische Weiterentwicklung des Touchscreens", sagt er. Das Kern-Know-how des Unternehmens liege im Finger- und Handbereich.
Straßenverkehr könnte sicherer werden
Allmählich wird auch dem Laien klar, dass hier ganz neue Möglichkeiten schlummern. Präsentationssoftware ist einer der nahe liegenden Bereiche, in der berührungslose Bildnavigation Anwendung finden könnte. Sie hat aber auch das Potenzial, den Straßenverkehr sicherer zu machen, indem zukünftig Dinge wie Navigationssystem, Radio oder Klimaanlage allein durch Gesten und Bewegungen des Autofahrers gesteuert werden. Dadurch kann sich der Autofahrer ausschließlich auf den Verkehr konzentrieren.
Berührungslose Bildnavigation könnte auch in der Medizin zur Anwendung kommen, wo weniger Geräteberührungen nicht nur weniger Personal, sondern unter Umständen auch größere Konzentration und weniger Keime bedeutet. Gemeinsam mit der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin der Uni Lübeck hat das Gestigon-Team bereits ein System entwickelt, mit dessen Hilfe Atmung genauer überwacht werden kann.
Arbeiten, solange Geld da ist
Spiele, Werbung, Medizintechnik - wohin der Gestigon-Weg führt, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden. "Wir sind gerade mit Unternehmen im Gespräch, die unsere Software mit ihrer Technik zusammenbringen können. Die Richtung wird da sein, wo die Märkte sind", sagt Klement.
Noch wird Gestigon im Rahmen des Exist-Forschungstransfers vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. Solange Geld da sei, werde gearbeitet, sagt Klement. Im besten Fall steht die Firma bald auf eigenen Füßen. Die "chaotische Struktur" eines Startups nimmt der Geschäftsführer gelassen. "Kann sein, dass es uns in eineinhalb Jahren nicht mehr gibt. Kann aber auch sein, dass wir dann 20 Mitarbeiter haben." Er sei jedenfalls "zur richtigen Zeit am richtigen Ort" gewesen. Der Diplom-Informatiker hat in Lübeck studiert - eben dort, wo vor zehn Jahren die Vorarbeiten an 3-D-Kameras begannen.

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