Flughafen Lübeck : Ein Signal für Investoren

Jürgen Friedel ist seit gut 100 Tagen Geschäftsführer der Flughafen Lübeck GmbH. Foto: Kröger
Jürgen Friedel ist seit gut 100 Tagen Geschäftsführer der Flughafen Lübeck GmbH. Foto: Kröger

Seit Jahren bezeichnen Kritiker den Lübecker Regional-Airport als "Fass ohne Boden". Jetzt beginnt ein teurer Ausbau. Ist das sinnvoll? Fragen an den neuen Flughafen-Chef Jürgen Friedel.

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15. August 2011, 09:35 Uhr

Lübeck | Ein umstrittener Ausbau: Vergangene Woche hat mit dem ersten Spatenstich zum neuen Instrumenten-Landesystem der Ausbau des Flughafens in Blankensee begonnen. Dass der Flughafen überhaupt an einer Zukunft mit internationaler Anbindung arbeiten kann, verdankt er einem Bürgerentscheid vom April 2010. Die erhoffte positive Entwicklung ist seitdem jedoch nicht auszumachen. Im Gegenteil: Hauptkunde Ryanair kappte seine Flugverbindungen, zuletzt die nach London-Stansted. Der neue Flughafen-Geschäftsführer Jürgen Friedel misst Lübeck dennoch eine bedeutende Rolle im norddeutschen Luftverkehrskonzept zu.
Herr Friedel, die Kassen sind leer, der Flughafen Lübeck schreibt rote Zahlen, die Passagierzahlen rutschen unter die 400 000er-Marke. Wozu der Airport-Ausbau?
Erstens zeigt der Ausbau, dass wir zu unserem Flughafen stehen. Solche Signale darf man bei der Investorensuche nicht unterschätzen. Zweitens erhöhen wir damit unsere Attraktivität für Fluglinien.
Der Flughafen Hamburg ist rund 60 Kilometer von Blankensee entfernt. Wozu braucht Lübeck überhaupt einen Airport?
Hamburg hat natürlich eine bedeutende Position, aber Hamburg alleine wird diese Position nur mit Problemen halten können. Da kann man nicht einfach noch eine Bahn anbauen. Im nahen Lübeck dagegen ist Start- und Landebahn vorhanden. Wir hätten auch Platz für eine weitere Wartungshalle. Lübeck wird Teil der Metropolregion Hamburg. In dieser Metropolregion will ich eine Funktion mit hohen Erträgen und geringen Kosten. Gerade ist eine Arbeitsgruppe zum Thema "Norddeutsches Luftverkehrskonzept" gestartet. Darin soll Lübeck eine Ersatzfunktion für Hamburg bekommen. Vorstellbar ist, dass Lübeck, als Zentrum der Fehmarnbeltregion, die Verteilung Richtung Ostseeraum übernimmt.
So zukunftsweisend das Denken über die Region hinaus ist - hat der Flughafen Lübeck noch die nötige Zeit dafür?
Ich hätte gerne mehr Zeit, ja. Unser Augenmerk liegt derzeit auf dem kommenden Sommerflugplan. Klar ist, dass Ryanair da die Mallorca-Verbindung wieder aufnimmt. Wir sind aktiv bei der Akquise neuer Anbieter, und da nicht nur im Low-Cost-Bereich. Spruchreif ist noch nichts; wir arbeiten aber an einer innerdeutschen Verbindung. München wäre ideal. Gesprochen wird außerdem über Antalya.
Das bedeutet eine Steigerung der Passagierzahlen. Blankensee bräuchte mehr als eine Million im Jahr, um schwarze Zahlen zu schreiben?
Wir wollen natürlich Geschäfte machen und das vor allem über eine Steigerung der Passagierzahlen. Kapazitäten dafür sind vorhanden.
Mehr als eine Million Passagiere sind der Schrecken der benachbarten Flughafen-Gegner…
Wir machen Lärm, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Andererseits ist Mobilität in unserer Gesellschaft ein hohes Gut. Seit meinem Amtsantritt habe ich sämtliche Bürgermeister der Nachbargemeinden besucht und zum offenen Gespräch eingeladen. Ich möchte, dass der Flughafen Lübeck als potenziell nutzbringender Teil der Region verstanden wird.
Ohne Investor bestehen da aber kaum Aussichten.
Stimmt. Deshalb ist ja ein Signal, wie es jetzt vom Ausbau-Start kommt, so bedeutsam. Die Hansestadt ist im Gespräch mit möglichen Geldgebern. Zugleich arbeiten wir an unterschiedlichen Optionen. Eine davon heißt auch: Wir schließen. Aber kostenlos ist auch das nicht zu haben. Und was einmal weg ist, kommt nicht wieder.

Stichwort: ILS-CAT II

Präzisionsanflüge auch bei schlechter Sicht: Wo Schlechtwetterlagen Maschinen zum Ausweichen auf andere Airports zwingen, soll in Lübeck das Instrumentenlandesystem ILS-CAT II Abhilfe schaffen. Das System unterstützt Piloten mittels Leitstrahlen sowie Landekurs- und Höheninformationen. Für seinen Einbau sowie eine Landebahn-Verlegung zahlen Stadt und Land mehr als vier Millionen Euro.

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