Rente mit 70 : Ein Jeder zu seiner Zeit

Wer lange geschuftet hat und nicht mehr kann, der soll auch seinen verdienten Alterssold in Anspruch nehmen dürfen.
Wer lange geschuftet hat und nicht mehr kann, der soll auch seinen verdienten Alterssold in Anspruch nehmen dürfen.

Die Rente sollte flexibler gestaltet werden. Es darf aber kein sozialer Druck entstehen, bis 70 duchzuhalten. Ein Kommentar von Stefan Hans Kläsener.

shz.de von
02. Januar 2015, 19:40 Uhr

Wenn es um die Rente geht, sind Emotionen im Spiel. Es geht nämlich um Gerechtigkeit: Wer lange geschuftet hat und nicht mehr kann, der soll auch seinen verdienten Alterssold in Anspruch nehmen dürfen. Möglichst ohne Abschläge.

Das Leben spielt aber oft anders. Viele Arbeitnehmer und Beamte werden in den Ruhestand verabschiedet – und sind traurig. Sie fühlen sich fit und werden gebraucht. Weder sie noch ihr Arbeitgeber oder Dienstherr möchte sie in den Ruhestand schicken. Das aber tut der Gesetzgeber, wenn auch mittlerweile in einer weicheren Form als früher, denn es gibt keine harte, zwingende Altersgrenze für alle mehr.

Ein anderes Beispiel: Bei der Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie hören wir seit Jahrzehnten, das Arbeitsrecht müsse flexibler werden und Vätern wie Müttern Auszeiten, Teilzeiten und Betreuungszeiten ermöglichen. Da hat der Gesetzgeber nachgebessert, und es tut den jungen Familien gut, die es besser haben als jede Generation vor ihnen. Warum soll das nicht gelten, wenn es ins Finale des Berufslebens geht?

Wir werden älter, und wir werden gesünder älter als je zuvor. Die Frage, ob jemand seinen beruflichen Anforderungen noch gewachsen ist, stellt sich nur höchst individuell. Es hängt vom persönlichen Gesundheitszustand, von der Veränderungsbereitschaft und von der im Beruf gewonnenen Erfahrung ab. Es gibt längst junge Alte und alte Jüngere. Darauf muss die Rentengesetzgebung eine Antwort finden, wenn sie denn schon für Mütter, Langzeitbeschäftigte und Berufsunfähige Antworten gefunden hat.

Was nicht passieren darf, ist ein öffentlicher Druck auf über 67-Jährige nach dem Motto: „Du bist doch noch fit, geh doch gefälligst weiter arbeiten!“ Die Rente, das wird gern vergessen, ist eine Solidarversicherung, auf die jeder Anspruch hat, der die Mindestanforderungen erfüllt. Wer aber freiwillig verlängert, tut seinem Arbeitgeber und nicht zuletzt der Solidargemeinschaft einen guten Dienst.

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