Zuschüsse und Pflichten : Eigener Strom vom Balkon: Mini-Solaranlagen boomen in SH

Oft Rentabel und neu in Mode: Mini-Photovoltaik auf engstem Raum.

Oft Rentabel und neu in Mode: Mini-Photovoltaik auf engstem Raum.

Kleine Guerilla-Solaranlagen für zuhause können sich rechnen. Seit das Land Millionen bereitstellt, werden viele zu Energiewirten im eigenen Garten.

Margret Kiosz von
06. August 2020, 21:56 Uhr

Kiel | Mini-Solaranlagen auf dem Garagendach oder auf dem Balkon einer Mietwohnung werden auch in Schleswig-Holstein immer beliebter – nicht zuletzt wegen steigender Strompreise. „Die Nachfrage nach unserem Förderprogramm für Balkonanlagen ist größer als gedacht“, zieht der Sprecher des Kieler Umweltministeriums, Joschka Touré, eine erste Zwischenbilanz.

Seit Anfang Juni  sind bereits für 132 Anlagen staatliche Zuschüsse bewilligt worden.

  • Die Solaranlagen sind so kompakt, dass sie auf dem Balkon montiert werden können. Die günstigsten Modelle inklusive Modul, Wechselrichter und Anschlussmöglichkeit an das heimische Netz gibt es schon ab 400 Euro. Der erzeugte Strom fließt direkt in die Wohnung – die Strommenge, die vom örtlichen Stromerzeuger abgenommen wird, reduziert sich dadurch entsprechend.

„Stecker-Solargeräte produzieren Strom für den Eigenbedarf, sind aber nicht für die Netzeinspeisung gedacht“, erläutert Vivien Arwers von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Sie sind grundsätzlich eine lohnende Investition.“ Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent bringt das eine jährliche Ersparnis von knapp 50 Euro. 

Nicht nur im Geldbeutel der Bürger selbst machen sich diese sogenannten Guerilla-Anlagen bemerkbar, sondern auch die Umwelt freut sich. Etwa 2,5 Tonnen CO2-Ausstoß spart das Mini-Solarsystem bei 20 Jahren Betriebsdauer.

Anmeldung ist Pflicht

Auf jeden Fall müssen Besitzer einer solchen Anlage diese bei ihrem Netzbetreiber anmelden, und Mieter brauchen für den Betrieb am Balkongeländer eine Genehmigung ihres Vermieters.

Durch die kleinen Photovoltaik-Balkonanlagen können nun auch Menschen, die in einer Wohnung leben, viel einfacher auf Photovoltaik zugreifen Umweltminister Jan Phillip Albrecht

Mit 200 Euro subventioniert Umweltminister Jan Philipp Albrecht die Anschaffung sogenannter Mini-Solaranlagen in Schleswig-Holstein. Er ist überzeugt: „Der einzelne Beitrag dieser Anlagen zur Energiewende wird vergleichsweise klein sein, der Gesamtbeitrag ist aber beträchtlich. Wir müssen auch im Kleinen etwas tun und für den Klimaschutz begeistern.“

Das Land stellt insgesamt 1,6 Millionen Euro für private Investitionen in Ökologie und Nachhaltigkeit zur Verfügung. Gefördert werden neben den Photovoltaik-Balkonanlagen auch Lastenfahrräder, E-Ladestationen, Stromspeicher und Solarthermie-Anlagen.

Verschiedene Gesichter und Namen

„Einfach kaufen, in die Steckdose einstecken und Stromgeld sparen“, so bewerben seit einem Jahr die Vertreiber sogenannter Balkon-Solaranlagen ihre Produkte. Diese sind unter verschiedenen Begriffen bekannt: Stecker-Solarmodule, Balkon-PV, Guerilla-PV oder Plug & Play-PV. Technisch handelt es sich dabei aber immer um ein oder mehrere Module, die eine maximale Leistung von 600 Watt (je Modul 150 – 320 Watt) aufweisen.

Die Module sind gemeinsam über einen Wechselrichter angeschlossen und werden meist über das Internet vertrieben. Ein Standardsolarmodul mit 300 Watt Leistung, das verschattungsfrei an einem Südbalkon montiert wurde, liefert etwa 200 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Der Strombezug reduziert sich dadurch etwa um die gleiche Menge, wenn der Strom im Haushalt direkt verbraucht wird. Von einer kompletten Eigenversorgung ist man damit aber weit entfernt.

Vereinfachtes Verfahren für kleine Anlagen

Die EU hat in ihrer Niederspannungsrichtlinie kleine Erzeuger bis 800 Watt als „nicht regelungsbedürftig“ eingestuft, weil sie „nicht systemrelevant“ seien. Die Verbraucherzentrale in Kiel erklärt: „Es existiert ein vereinfachtes Anmeldeverfahren für PV-Anlagen unter einer Leistung von 600 Watt. Dadurch wird eine Anmeldung beim Netzbetreiber ohne Elektriker ermöglicht (VDE-Anwendungsregel 4105)“.

Voraussetzung ist, dass ein rücklaufsicherer Zähler vorhanden ist. Er verhindert, dass Solarstrom, der in der Wohnung nicht verbraucht wird, ins örtliche Stromnetz eingespeist wird. Darüber wäre der Energieversorger nämlich nicht begeistert, und zudem käme das Finanzamt mit ins Spiel.

  • Das heißt aber auch: Wer in seinem Kleinhaushalt tagsüber nicht zu Hause ist und nur einen kleinen Kühlschrank betreibt, wird Kilowattstunden verschenken.

Experten gehen davon aus, dass sich die Anlagen rechnen, weil die Preise für Solarmodule in den vergangenen Jahren eingebrochen sind. Günstige Module gibt es schon für wenige hundert Euro. So kostet die Produktion einer Kilowattstunde mit den preiswertesten Modulen laut einer Marktübersicht der Deutschen Gesellschaft für Solarenergie (DGS) nur rund acht Cent. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Haushalt zahlt im Norden 30 Cent für den Strom an den Versorger.

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