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Y-Trasse, A20, Fehmarnbelttunnel : Die zehn wichtigsten Verkehrsprojekte für die Wirtschaft

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In Kiel tagt die Verkehrsministerkonferenz - und Verbände aus fünf Küstenländern legen eine Prioritätenliste vor.

Kiel | Die Wirtschaft in Norddeutschland hat sich erstmals auf eine gemeinsame Vorrangliste mit den zehn wichtigsten Verkehrsprojekten in der ganzen Region verständigt. Dazu gehören die Autobahnen 14, 20, 26, 39 und 281, die Vertiefung der Elbe, der Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals, die Hinterlandanbindung des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels und die sogenannte Y-Trasse der Bahn zwischen Hamburg, Hannover und Bremen.

Der Norden habe bei der Verkehrsinfrastruktur großen Nachholbedarf, erklärten Spitzenvertreter der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände sowie der Bauindustrie aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern am Mittwoch in Kiel. Die Verkehrsministerkonferenz in Kiel müsse ein klares Bekenntnis für höhere Verkehrsausgaben abgeben. Alle zehn Vorhaben auf der Prioritätenliste seien gleichermaßen existenziell.

A20 und A26

Die A26 soll vierspurig ausgebaut werden und von Drochtersen über Stade nach Hamburg führen. Der Bau der A26 und dem zukünftigen Anschluss zur Küstenautobahn A20 bei Drochtersen soll das Problem starker Verkehrsbelastung in der Metropolregion Hamburg beheben. Die A20 führt bereits von Bad Segeberg bis in die Uckermark in Mecklenburg-Vorpommern.

Feste Elbquerung der A20 bei Glückstadt

„Für eine leistungsfähige Ost-West-Verbindung im Norden Hamburgs ist der zügige Weiterbau der A20 zwischen Lübeck und Glückstadt inklusive fester Elbquerung unverzichtbar“, heißt es im Verkehrswegekonzept Norddeutschland. Seit Anfang 2014 wird geprüft, inwiefern die Gründung einer staatlichen Projektgesellschaft für den 1,3 Milliarden Euro teuren Tunnel möglich und sinnvoll ist.

A14 als direkte Nord-Süd-Anbindung

Die A14 führt von Wismar über Schwerin bis hin zum Dreieck Schwerin an der A2 und vom Kreuz Magdeburg über Halle (Saale) und Leipzig bis zum Dreieck Nossen an der A4. Ein Lückenschluss von Schwerin bis Magdeburg wird teilweise bereits gebaut, der andere Teil ist noch in Planung. Eigentlich sollte die Lücke bis spätestens 2015 abgeschlossen sein. Laut einer neuen Planung wird die Trasse nun erst 2018 befahrbar sein. Der Finanzierungsplan sieht Gesamtkosten in Höhe von 775 Millionen Euro vor, eine neuere Kostenschätzung geht von etwa 1,3 Milliarden Euro aus. Der Hauptgrund: Umweltauflagen.

Ringschluss der A281 in Bremen

Die A281 soll in Bremen die A1 und die A27 verbinden - so soll Bremen einen Autobahnring erhalten, Ziel ist eine Anbindung an den überregionalen Fernverkehr, die Weserhäfen am linken Flussufer und an den Flughafen. „Pro Jahr könnten durch den Ringschluss Co2-Emmissionen in Höhe von mehr als 60.000 Tonnen vermieden werden, da sich die Fahrtwege für Lastwagen zum Güterverkehrszentrum deutlich verkürzen würden“, heißt es in dem Konzept der Wirtschaftsverbände.

A39 in Niedersachsen

In Niedersachsen sollen die A39 von Wolfsburg nach Lüneburg und die A14 von Magdeburg nach Schwerin mit einer vierspurgien Querspange als Bundesstraße südlich von Salzwedel verbunden werden. Die geplante A39 soll auf 105 Kilometern die Lücke zwischen Wolfsburg und Lüneburg schließen. Die A39 soll die A7 entlasten. Der Beginn des Planfeststellungsverfahrens ist ab Oktober möglich.

Y-Trasse

Die Bahntrasse soll Hannover mit Hamburg und Bremen verbinden - der Verlauf gleicht einem Y. Die Y-Bahntrasse soll langsamen Güter- und schnellen Personenverkehr entzerren. Die Bahn hat im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums fünf Varianten erarbeitet - jetzt wird die Bevölkerung über die möglichen Lösungen informiert. Bis die Y-Trasse Wirklichkeit wird, wird es also noch etwas dauern.

Weddeler Schleife in Niedersachsen

Die Weddeler Schleife ist eine 21,1 Kilometer lange Eisenbahnstrecke zwischen Weddel bei Braunschweig und Wolfsburg-Fallersleben. Die Weddeler Schleife soll zweigleisig werden, um den Regionalverkehr und den Güterverkehr zu verbessern. Die Strecke bindet die Fernbahnhöfe Braunschweig und Hildesheim an die Schnellfahrstrecke Hannover-Berlin an.

Schiffshebewerk Lüneburg Scharnebeck

Auch die Erweiterung des Schiffshebewerkes in Scharnebeck am Elbe-Seitenkanal ist der Wirtschaft im Norden wichtig. Denn das Umschlagsvolumen der deutschen Seehäfen werde drastisch steigen. Das Schiffshebewerk war einst das größte und modernste der Welt - mittlerweile ist es in die Jahre gekommen und störanfällig.

Elbvertiefung und Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals

Die Elbvertiefung heißt in dem Dokument „Fahrrinnenanpassung. Mit 12,9 Metern Tiefe sei die Unterelbe ein Nadelöhr für die Container-Schiffe der Postpanamax-Klasse. Um Platz für die Mega-Carrier zu machen, soll auch der Ausbau des NOK vorangetrieben werden - einschließlich der „Ertüchtigung der Schleusen in Holtenau und Brunsbüttel“.

Fehmarnbeltquerung und Hinterlandanbinung

Durch die EU-Osterweiterung sei der Verkehrsstrom im Ostseeraum deutlich angestiegen, schreiben die Wirtschaftsverbände im Norden. „Als jährliches Wirtschaftswachstum in der Ostseeregion werden vier bis sechs Prozent prognostiziert.“ Zudem werde ein Anstieg von etwa 50 Prozent des Güter-und Personenverkehrs in den kommenden zehn bis 15 Jahren erwartet. Die dem geplanten Fehmarnbelttunnel vorgelagerte Fehmarnsundbrücke ist schon jetzt ein Nadelöhr - sie wird den höheren Belastungen nicht standhalten. Bei der Hinterlandanbindung fordern die Wirtschaftsvertreter einerseits den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße zwischen Heiligenhafen und Puttgarden, die Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke zwischen Lübeck und Puttgarden und den zweigleisigen Ausbau derEisenbahnstrecke zwischen Bad Schwartau und Puttgarden.

 

„Wir wollen Dampf auf den Kessel bringen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein, Michael Thomas Fröhlich zum Verkehrswegekonzept der norddeutschen Wirtschaftsverbände. Die Verkehrsverhältnisse seien vielfach desaströs; Unternehmen drohten sich aus dem Norden zu verabschieden. Die Wirtschaft wolle sich angesichts der geringen Planungskapazitäten in den Verwaltungen auf die wesentlichen Projekte konzentrieren und nicht mehr an jeder Ortsumgehung festhalten. Die norddeutschen Länder müssten besser zusammenarbeiten und kräftiger gemeinsam in Berlin Lobbyarbeit für den Norden machen, forderte Fröhlich. Die Länder sollten mehr an das große Ganze denken und nicht nur an das eigene Land oder den eigenen Stadtstaat.

Als Beispiel für mangelnde Koordinierung zwischen Behörden nannte Fröhlich die Sanierung des Rendsburger Kanaltunnels. Diese dauere schon länger als der Bau des Tunnels. Fröhlich forderte die Landesregierung auf, als Ersatz für die marode Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal nicht länger einen kombinierten Tunnel für Straße und Schiene anzustreben. Die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke halte noch 50 Jahre. Die knappe Zeit für den Bau einer neuen Straßenbrücke - die alte soll nur noch zwölf Jahre halten - müsse genutzt werden.

Hans-Werner Blöcker vom Bauindustrieverband in Schleswig-Holstein und Hamburg verlangte eine bundesweite Finanzierungsgesellschaft für die Verkehrsinfrastruktur. Diese Gesellschaft müsse einen eigenen Haushalt bekommen und Kredite aufnehmen dürfen. Auch die Einnahmen aus Lkw- und Pkw-Maut müssten dort einfließen. Eine solche Gesellschaft könne dann über Jahre hinweg planen und finanzieren. Die norddeutschen Wirtschaftsverbände forderten auch, bei großen Vorhaben verstärkt zu prüfen, ob sie mit privaten Partnern umgesetzt werden können.

Entscheidend für spürbare Fortschritte bei der Infrastruktur sei der politische Wille, sagte Fröhlich. Mit Grüner Regierungsbeteiligung wie in Schleswig-Holstein werde dies nicht gelingen. Es gebe bereits mehrere Firmen im Norden, die wegen des Weiterbau-Stopps bei der A20 und wegen der Probleme an der Rader Hochbrücke Erweiterungsinvestitionen nicht mehr in Schleswig-Holstein tätigten, sondern in Niedersachsen oder noch weiter südlich. Besonders ausgeprägt sei dies in Rendsburg-Eckernförde, Dithmarschen, Nordfriesland und an der Unterelbe bei Hamburg. Dort würden auch schon weniger Lehrstellen angeboten.

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erstellt am 01.Okt.2014 | 15:46 Uhr

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