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Die Vision der Platzwarte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bundesministerium fördert erstmals Start-up der Flensburger Uni mit 100 000 Euro

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
erstellt am 03.Aug.2015 | 19:25 Uhr

Deutschland hat viele Plätze, auf denen sich Menschen sportlich betätigen können. Es gibt da nur ein Problem: Entweder sind die Plätze Deutschlands Freizeitsportlern nicht bekannt – oder es fehlt an sportlichen Mitstreitern. Das Flensburger Projekt „Groundkeeper“ will den „unorganisierten Sport organisieren“. Eine „wahnwitzige Idee“, wie Sportstudent Marko Münnich, einer der vier Gründer, sagt. Wer macht was wann wo? Groundkeeper will es den Nutzern zeigen – und obendrein auf Nachhaltigkeit und Transparenz setzen. Das Bundeswirtschaftsministerium hat die „Platzwart“-Idee von Münnich und seinen Mitstreitern Jens Klimmeck, Jan-Henrik Stephan und Pascal Floride bereits überzeugt. Über das Stipendien-Programm „Exist“ fließen kommenden Monat 100  000 Euro in das Start-up.

Das technische Prinzip erklärt Münnich am Beispiel eines Basketball-Platzes. Er würde dort gerne spielen, doch fehlt es an Mitspielern. Die findet er aber über Groundkeeper. Planen andere Leute Aktivitäten auf dem Platz, wird er wiederum informiert. Eine Online-Karte verzeichnet die Plätze in der eigenen Umgebung. Ein großes Entdeckungsportal für die Nachbarschaft – oder die Fremde. Bei allem stehen die Plätze im Mittelpunkt und der Nutzer als Teil einer umgebenden Gemeinschaft.

Ein Exist-Stipendium hat Seltenheitswert im Norden. Mit dem Programm will das Bundeswirtschaftsministerium Ausgründungen aus Hochschulen fördern – technologiebasierte und wissensintensive Projekte sind gefragt. Bislang wurden nach Angaben aus Berlin nur acht Anträge aus Schleswig-Holstein bewilligt – drei für Gründer an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, zwei für Projekte der Uni Lübeck sowie des Kieler Institut für Weltwirtschaft, einer für die Fachhochschule Flensburg. Zum Vergleich: In Bayern wurden bislang mehr als 260 Vorhaben unterstützt.


84 Prozent der Exist-Start-ups überleben


Professor Christian Filk vom Seminar für Medienbildung, der die Gründer bei ihrem Weg begleitet hat, sieht das Stipendium daher als Signal an andere Gründungsinteressierte auf dem Flensburger Campus. Dort bemüht sich das Dr.-Werner-Jackstädt-Zentrum seit Längerem um die Etablierung einer Gründerkultur. Das Exist-Stipendium hat zudem die Funktion eines Qualitätssiegels, gibt Filk zu bedenken – für Risikokapitalgeber. Erste Investoren sollen sich bereits für die Groundkeeper interessieren. Dabei befindet sich auf deren Internetseite derzeit kaum mehr als das Firmenlogo. Die Beta-Phase geht erst im Dezember online – dann mit Fokus auf Flensburg und Kiel. Finanzieren will sich Groundkeeper mittelfristig unter anderem über Vereine, für die das Portal als eine Art Dienstleister im Umgang mit ihren Mitgliedern auftritt. „Wir können den Vereinen eine outgesourcte Infrastruktur bieten“, erklärt Münnich. In drei Jahren, so die Hoffnung des Teams, soll Groundkeeper schwarze Zahlen schreiben. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten. Die Start-up-Szene ist hart. „Wir machen jetzt einen Sprung in das Becken, wo viel Konkurrenz ist“, räumt Sportstudent Münnich ein. Schätzungen gehen davon aus, dass normalerweise neun von zehn Start-ups scheitern. Mit Exist geförderte Projekte überleben allerdings nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts in 84 Prozent der Fälle.

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