Schulden : Die Verführung und Pythagoras

Immer mehr Menschen sind überschuldet. Meistens sind es Schicksalsschläge, die zum finanziellen Desaster führen. Ein Kommentar von Bernd Ahlert.

shz.de von
30. Januar 2015, 06:45 Uhr

Alle blicken nach Griechenland – ein Land, das jahrelang über seine Verhältnisse gelebt hat. Verführt durch niedrige Zinsen nach dem Euro-Beitritt haben die Hellenen immer neue Schulden aufgetürmt – bis nichts mehr ging. Das Resultat ist die Verarmung eines ganzen Staates. Als einzigen Ausweg sieht der neue Ministerpräsident Alexis Tsipras jetzt einen Schuldenschnitt, die empörten Gläubiger sollen auf einen Großteil ihres verliehenen Geldes verzichten.

Mit dieser griechischen Nummer brauchen private Verbraucher ihrer Hausbank hierzulande gar nicht erst zu kommen. Wer seinen Schuldendienst nicht mehr leisten kann, marschiert in die Privatinsolvenz – persönliche Verarmung inklusive. Allein in Deutschland gehen jedes Jahr mehr als 120.000 Menschen diesen bitteren Weg. „Selbst schuld“, mögen diejenigen sagen, die ein solides Einkommen haben und vernünftig wirtschaften können. Dabei sind es meistens Schicksalsschläge, die zum finanziellen Desaster führen. Plötzliche Arbeitslosigkeit oder eine schwerwiegende Krankheit sorgen über Nacht dafür, dass Menschen die Lebensgrundlage entzogen wird. Zugleich gibt es in Deutschland ein Millionenheer von Arbeitslosen, Hartz-IV-Empfängern oder prekär Beschäftigten mit Mindestlohn. Sie leben Monat für Monat von der Hand in den Mund. Das Geld für Anschaffungen oder ein wenig Luxus ist nicht vorhanden – gleichzeitig sind die Verlockungen für die Konsumenten omnipräsent. Der bunten Welt der Werbung kann sich niemand entziehen. Parallel wird es Verbrauchern per Ratenzahlung oder Null-Prozent-Finanzierung leicht gemacht, auch ohne das nötige Kleingeld das neueste Smartphone, den schicken Fernseher mit Flachbildschirm oder eine neue Wohnzimmereinrichtung zu erstehen.

Gerade jüngere Menschen rutschen so immer häufiger und immer tiefer in die Schuldenfalle. Warum werden praktische Lebensfragen – vor allem der richtige Umgang mit Geld – eigentlich nicht an der Schule gelehrt? Das ist ebenso wichtig wie der Satz des Pythagoras. Schließlich hat die mathematische Formel noch nicht einmal den Entdeckern geholfen – die Griechen sind pleite.

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