Lokführer-Warnstreik : Die Nord-Ostsee-Bahn will verhandeln

Schon ab Montag könnten viele Züge stehen bleiben: Lokführer drohen mit Warnstreiks. Foto: dpa
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Schon ab Montag könnten viele Züge stehen bleiben: Lokführer drohen mit Warnstreiks. Foto: dpa

Die GDL spricht von einer "hohen Streikbereitschaft": Ab Montag könnten viele Züge im Nahverkehr stehen bleiben. Die NOB ist gesprächsbereit.

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18. Februar 2011, 11:22 Uhr

Bahnkunden in ganz Deutschland müssen sich ab Montag (21. Februar) auf Einschränkungen einstellen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) kündigte am Mittwoch an, ab diesem Tag seien Warnstreiks möglich. Vor dem 21. Februar werde die Gewerkschaft aus Rücksicht auf die alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen die Arbeit nicht niederlegen, sicherte GDL-Chef Klaus Weselsky zu.
Ulrich Weber, Personalvorstand der Deutschen Bahn, fordert die Gewerkschaft auf, umgehend an den Verhandlungstisch zurück zu kehren: "Die willkürlichen Streikdrohungen müssen endlich eingestellt werden. Das verunsichert völlig unnötig unsere Kunden. Die GDL hat keinen sachlichen Grund, die Deutsche Bahn zu bestreiken."
NOB: "Mit uns hat bisher niemand gesprochen"
Ähnlich sieht das auch Andreas Winter, Geschäftsführer der Nord-Ostsee-Bahn in Kiel. "Wir sind gesprächsbereit", sagte er zu shz.de. Die NOB sei bereit, ihren rund 100 Lokführern mehr zu bezahlen, obwohl sie mit durchschnittlich knapp 32.000 Euro Brutto im Jahr bereits vergleichsweise gut verdienten, sagte Winter. Nur: "Bisher hat niemand mit uns gesprochen. Daher sehen wir keine Notwendigkeit für einen Streik."
Gleichwohl geht auch Winter davon aus, dass die NOB von einem Warnstreik, sollte er stattfinden, betroffen sein wird: Besonders die Marschbahn und die Pendlerlinien um Hamburg seien Angriffspunkte. "Wir werden nicht auf allen Strecken einen Ersatzverkehr mit Bussen einsetzen können", ergänzte NOB-Sprecherin Christiane Lage. Auf Streckenabschnitten wie der Hochdonn-Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal oder dem Hindenburgdamm nach Sylt sei das nicht möglich.
Noch keine Streik-Termine für Schleswig-Holstein
Inwiefern Schleswig-Holsteins Zugreisende betroffen sein werden, ist aber auch noch unklar. "Wir haben bislang nichts Offizielles von der Gewerkschaft", sagte Lage. Auch die Regionalbahn Schleswig-Holstein (ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn) hat nach Angaben ihrer Sprecherin Sabine Brunkhorst noch keine Informationen darüber, ob und wie viele ihrer Mitarbeiter am Montag in den Ausstand treten wollen. "Sobald wir etwas wissen, teilen wir es unseren Kunden mit und versuchen, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten", sagte sie. Selbst eine Sprecherin der GDL teilte mit: "Konkrete Termine haben wir noch nicht."
Von dem Warnstreik nicht betroffen seien die sechs privaten Schienengüterunternehmen in Deutschland. "Hier führen wir noch sehr positiv verlaufende Verhandlungen", sagte Gewerkschaftschef Weselsky. Zeitgleich mit dem ersten Arbeitsniederlegungen solle auch die Urabstimmung für weitere Streiks eingeleitet werden, deren Ergebnis etwa zwei Wochen später erwartet wird.
GDL: Streikbereitschaft ist hoch
Die Streikbereitschaft sei hoch. "Ich gehe davon aus, dass die Lokführer zu 100 Prozent hinter den Streiks stehen", sagte Weselsky der "Berliner Zeitung". Die GDL kämpft für einen einheitlichen Branchentarifvertrag für die 26.000 Lokführer bei allen Bahnunternehmen im Nah-, Fern- und Güterverkehr. Eine Forderung, die NOB-Geschäftsführer Winter für problematisch hält: Es solle jeder Lokführer gleich entlohnt werden - egal, ob er er einen ICE, einen Güterzug oder eine Regionalbahn fahre. Dabei unterscheiden sich die Arbeitsbedingungen in den jeweiligen Bereichen sehr. "Da werden Standards gesetzt, die sehr unflexibel sind."
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG hat einen solchen Tarifvertrag bereits mit der Deutschen Bahn und sechs großen Privatbahnen abgeschlossen, allerdings nur für den Nahverkehr. Die GDL will einen eigenen Vertrag. Einen von der Bahn vorgeschlagenen Runden Tisch hatte die Gewerkschaft zuvor mit der Begründung abgelehnt, er ersetze keine Verhandlungen. Diese seien aber gescheitert.
(hav, dpa, dapd, hamo, shz)

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