Windenergie : Die Kritik an der EEG-Novelle

Rückendeckung für die Windkraftbranche: Eine Studie zu den Folgen der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes bestätigt die Befürchtungen der Kritiker.

shz.de von
23. Juni 2014, 11:30 Uhr

Flensburg | Die Windkraftbranche rebelliert schon länger gegen die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes – jetzt erhalten die Kritiker auch Rückendeckung aus der Wissenschaft. „Die EEG-Novelle der Bundesregierung schafft den Kern des EEG ab, schadet dem Klima, erhöht die Kosten der Energiewende für die Bürger und füllt Großinvestoren die Taschen!“, kritisiert der Flensburger Professor Olav Hohmeyer.

In einer Studie mit dem Titel „EEG Reloaded 2014“, die am Montag an der Universität Flensburg offiziell vorgestellt wurde, hat Hohmeyer die Folgen des Reformvorschlags der Bundesregierung untersucht, dem der Bundestag am 26. Juni zustimmen soll.

„Die vermeintliche Reform des EEG entpuppt sich“, so bilanziert er darin, „als eine Energiewende zurück zur Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern mit besonderem Gewicht auf einer Ausweitung des Einsatzes der besonders klimaschädlichen Braunkohle.“ Im Kern kündige die Bundesregierung „keine Reform des EEG sondern seine Abschaffung an“.

Hohmeyers Urteil kommt nicht von ungefähr. Von 2002 bis 2008 gehörte der Professor zu den Koordinatoren des Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz: des UN-Klimarates. Von 2008 bis 2012 war er zudem im Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung für den Bereich von Energie und Klima verantwortlich.

Die Reform wird nach seiner Meinung zu einem Wechsel von einem Fördermodell hin zu einem Ausschreibungsmodell führen. „Das Engagement zehntausender Bürger, das bisher die Energiewende getragen hat“, werde damit  „zu Gunsten weniger Großinvestoren“ verdrängt. Zugleich könnten die Maßnahmen der Bundesregierung jedoch auch kein einziges Kostenproblem der Energiewende lösen – weitreichende Ausnahmen würden nicht abgeschafft, die Zunahme der Kohlestromproduktion nicht verringert, der Merit-Order-Effekt an den Strombörsen nicht abgegriffen. Stattdessen bedeuten viele der zu beschließenden Maßnahmen in letzter Konsequenz weitere Kostensteigerungen für den Verbraucher.

„Im Kern würde die angekündigte Reform nur die Interessen der Betreiber großer konventioneller Kraftwerke begünstigen und die gleichen Akteure auch noch zu den Hauptgewinnern des künftigen Ausbaus der regenerativen Energiequellen in Deutschland machen“, so Hohmeyers Befürchtung.  

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