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Demografischer Wandel : Die größte Herausforderung

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Welche Dörfer können sich in Zukunft halten – und wo bleibt der Nachwuchs weg, weil Jobs und Infrastruktur mangelhaft sind? Ein Kommentar von Helge Matthiesen.

Demografischer Wandel: Das klingt ein wenig harmlos. Dahinter verbirgt sich jedoch die größte Herausforderung für Schleswig-Holstein in den kommenden Jahrzehnten. Bei diesem Wandel geht es vor allem darum, wie Lebensqualität zu bewahren ist, obwohl immer weniger und vor allem immer weniger junge Menschen in Dörfern und Kleinstädten wohnen.

Der schleichende Verfallsprozess hat schon begonnen. Ostholstein, Schleswig-Flensburg, die Westküste oder der Kreis Steinburg haben bereits heute Gegenden, in denen Häuser leer stehen, weil sie keinen Käufer mehr finden. Es gibt Kleinstädte, die deutliche Zeichen von Verfall zeigen. Es ist leicht auszurechnen, dass es in zehn oder zwanzig Jahren auf dem flachen Land vielfach keinen Laden, keine Bank, keinen Turnverein, keine Feuerwehr, keinen Kindergarten, keine Schule und keinen Arzt mehr geben wird. Auch Kirche, Verwaltung, Polizei oder Rettungsdienste müssen sich neu organisieren. Die Arbeitsplätze werden sich in den Städten konzentrieren. Wo es die nicht gibt, wird der Weg zur Firma lang und mühsam. Schleswig-Holstein hat viele solcher Regionen. Das markiert die Dimension der Herausforderung.

Minister Habeck müht sich aus gutem Grund, so etwas wie Aufbruchstimmung zu erzeugen. Mit den Millionen aus Brüssel ist es nämlich nicht getan. Sanierte Buswartehäuschen werden uns nicht retten. Die Zukunftsstrategien müssen ineinander greifen. Ohne gute Bildung und Ausbildung keine qualifizierten Fachkräfte, ohne Fachkräfte keine konkurrenzfähigen Firmen und ohne diese Firmen keine Möglichkeit, auch in Zukunft auf dem Land zu leben.

Die Landesregierung muss den Schleswig-Holsteinern überdies vermitteln, dass es nicht genügend Geld geben wird, um alle Regionen gleichmäßig zu entwickeln. Das wird nicht ohne schmerzhafte Entscheidungen gehen. Vom lieb gewordenen Kirchturmdenken gilt es daher Abschied zu nehmen.

 

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erstellt am 02.Jan.2014 | 20:11 Uhr

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