Weihnachtsgeschenke kaufen : Die Grenzen des Online-Handels

Weihnachtsmärkte locken die Menschen in die Innenstädte.
Weihnachtsmärkte locken die Menschen in die Innenstädte.

Mittelfristig dürfte das Wachstum beim E-Commerce nachlassen – auch wegen der Attraktivität der Innenstädte in SH.

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13. Dezember 2014, 12:15 Uhr

Kiel/Berlin | Lange Zeit sah es so aus, als würde der Boom des Online-Handels in Deutschland keine Grenzen kennen. Doch inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass sich die Geschäfte im Netz langsamer entwickeln. Manche Experten sehen die Gründe dafür auch in Norddeutschlands Innenstädten – bei Weihnachtsmärkten und Einkaufserlebnis.

Wichtigster Zeuge für eine Abschwächung des Online-Booms ist der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel in Deutschland (bevh). Für das Jahr 2013 hatte der Verband das Umsatzwachstum im E-Commerce noch auf mehr als 40 Prozent beziffert. Doch im zweiten Quartal dieses Jahres berichtete der bevh überraschend von rückläufigen Umsätzen im Online-Handel. Auch im dritten Quartal erzielten die Internethändler nach seinen Zahlen lediglich ein mageres Plus von einem Prozent.

Beim Einzelhandelsverband Nord (EHV) in Kiel spricht Geschäftsführerin Monika Dürrer von einem Basis-Effekt. Gemeint ist, dass Wachstum in den Anfängen immer leicht höher ausfalle als in den späteren Phasen – einfach, weil auch das Vergleichsniveau steigt. Rund 10 Prozent habe die Online-Konkurrenz dem Einzelhandel bislang abgenommen – und es würde noch mehr werden. „Der Online-Handel wird dem Einzelhandel noch einiges wegbrechen“, ist sich Dürrer sicher. Eine ähnliche Einschätzung gibt PricewaterhouseCoopers (PwC) ab. Für die Unternehmensberatung steht fest: „Der Online-Handel ist nach wie vor der Wachstumsmotor im deutschen Handel.“

Nur klar ist ebenso: Die Probleme für die Online-Händler wachsen. Gerade die Logistik wird bei zunehmender Größe und Nachfrage zur Achilles-Verse – vor allem mit wachsendem Wunsch der Kunden, Produkte immer schneller und möglichst noch am selben Tag geliefert zu bekommen, das sogenannte Same-Day-Delivery-Prinzip. Gerade für den ländlichen Raum fehlt es hier bislang noch an vielversprechenden Strategien und Konzepten. Handelsexpertin Dürrer gibt zudem zu bedenken: „Was haben sie vom Same-Day-Delivery, wenn sie dann gar nicht zuhause sind.“ Viele Online-Kunden wollten das Produkt ihr zufolge vermutlich noch in derselben Stunde geliefert bekommen.

Ein Grund dafür, dass der Online-Handel am Ende nicht den stationären Einzelhandel komplett hinwegfegen wird, findet sich aus Sicht von Experten derzeit auch in Norddeutschlands Einkaufsstraßen – das Weihnachtsgeschäft mit seinen Märkten und Punsch-Ständen lockt die Kunden, auch bei Regen und Kälte. „Die Leute gehen trotzdem raus“, das Geschäft sei gut angelaufen, bestätigt EHV-Geschäftsführerin Dürrer in Kiel. „Wir haben Halbzeit“, sagt sie, „aber eigentlich haben wir die heiße Phase noch vor uns.“

Unter anderem hofft der Handel, von der Lage der Weihnachtstage inmitten der Woche zu profitieren. Wie schon in den früheren Jahren hält der Trend zu Gutscheinen an. Zwei Milliarden setzte der Handel im vergangenen Jahr mit ihnen um. In diesem Jahr gehen die Schätzungen laut Dürrer von bis zu drei Milliarden Euro aus. Der große Vorteil für den Handel: Auch wenn die Festtage vorbei sind, lockt der Gutschein Käufer erneut weg vom Bildschirm und in die Innenstädte – um den Gutschein einzulösen, und das eine oder andere noch zusätzlich zu kaufen.

Monika Dürrer erwartet für den norddeutschen Einzelhandel ein Plus im Weihnachtsgeschäft. Der Online-Handel soll nach Prognosen des Handelsverbands Deutschland (HDE) in diesem Jahr im Weihnachtsgeschäft 18 Prozent mehr umsetzen als noch im Vorjahr.

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