Unternehmensnachfolge : Die "Fachkraft Chef" wird zur Mangelware

Jeder dritte Unternehmer hat Sorge, keinen Nachfolger zu finden - und sein Geschäft aufgeben zu müssen. Foto: dpa
Jeder dritte Unternehmer hat Sorge, keinen Nachfolger zu finden - und sein Geschäft aufgeben zu müssen. Foto: dpa

Deutschland gehen die Chefs aus. Jeder dritte Unternehmer sucht inzwischen vergeblich einen geeigneten Nachfolger für seinen Betrieb. Tausende Arbeitsplätze könnten wegfallen.

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18. Oktober 2011, 12:48 Uhr

Berlin/Lübeck | Dies geht aus einem Report hervor, den der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Freitag veröffentlicht hat. Die Zahlen sind alarmierend. Dem Verband zufolge wurden im vergangenen Jahr rund 1800 Unternehmen aufgegeben, weil es an Nachfolgern mangelte. Insgesamt gingen so den Angaben zufolge mehr als 23.000 Arbeitsplätze bundesweit verloren.
"Die Fachkraft Chef wird immer mehr zum Engpass", so DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Jeder dritte potenzielle Nachfolger sei nur unzureichend qualifiziert, fast jeder zweite unterschätze die Anforderungen der Unternehmensübernahme, sagte er. Ein Wert, der sich dem Report zufolge im Laufe der vergangenen Jahre kontinuierlich gesteigert hat. Vor allem die Qualifikation der Nachfolger nimmt, legt man die Zahlen des DIHK zugrunde, dramatisch ab. Waren 2008 nur 21 Prozent der potenziellen Übernehmer unzureichend qualifiziert, waren es 2010 fast ein Drittel (32 Prozent).
Der demografische Wandel verschärfe die Probleme Wansleben zufolge noch. Unternehmer sollten daher laut DIHK auch über Alternativen nachdenken - etwa den Verkauf an einen Mitarbeiter oder einen Existenzgründer.

3800 Übergaben im Norden bis 2014
Doch auch in diesem Bereich muss der DIHK eine Warnung aussprechen: 41 Prozent der Alt-Unternehmen fordern nämlich nach Einschätzung des Verbandes einen überhöhten Kaufpreis. Ein Wert, der ebenfalls deutlich über den Vorjahren liegt.
Auch bei der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein bestätigt man diesen Trend. "Die Zahlen bilden sich auch in Schleswig-Holstein ab", sagt Bernd Horst, Experte für Unternehmensnachfolge. "Viele beschäftigen sich viel zu spät mit dem Thema", stellt er fest. Es sei daher wichtig, für dieses Problem zu sensibilisieren. "Der eine will nicht abgeben, der andere kommt nicht zum Zug", erzählt er.
DIHK-Hauptgeschäftsführer Wansleben zufolge dauere eine Unternehmensübernahme im Schnitt drei Jahre. Im Einzelfalle zöge sie sich sogar noch länger hin. "In Zukunft werden Unternehmer noch frühzeitiger mit der Suche beginnen müssen", mahnt er. Und für viele Unternehmen im Norden drängt die Zeit. Zahlen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) zufolge stehen bis Ende 2014 die Übergaben von rund 3800 Unternehmen an - längst nicht überall ist die Nachfolge geklärt. Rund 50.000 Arbeitsplätze sind von diesen Übergaben betroffen. In Richtung der Politik forderte der DIHK daher, dass die Politik stärker zu Unternehmenssicherung beitrage, indem sie bürokratische Hürden beispielsweise bei der Erbschaftssteuer abbaue.

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