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Studie zu Ökoanbau : Die Biobauern verlieren an Boden

vom

Die Nachfrage nach Bio-Produkten wächst, doch der Trend geht vielen heimischen Bauern vorüber. Ökogemüse wird meist importiert.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2013 | 10:50 Uhr

Kiel | Die rasch wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln aus ökologischem Anbau kann in Deutschland immer weniger aus heimischer Herstellung gedeckt werden. Stattdessen importiert der Handel zunehmend Produkte von ausländischen Biohöfen. Vor allem bei Möhren, Gurken, Tomaten und Kartoffeln steigt die Einfuhr stark an und sinkt der Marktanteil deutscher Produzenten. Das geht aus einer noch unveröffentlichten neuen Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die dem sh:z vorliegt.
"Der Boom im Biosegement geht immer mehr an den hiesigen Bauern vorbei", kritisieren die Studienautoren Ulrich Köpke und Paul Martin Küpper von der Universität Bonn. So sei der Umsatz mit Bioprodukten in den vergangenen zehn Jahren bundesweit um 127 Prozent gestiegen - aber die Gesamtfläche für Ökolandbau nur um 47 Prozent. Vor allem in den osteuropäischen EU-Staaten, aber auch in Spanien oder Schweden wuchs sie dagegen um ein Vielfaches. Verantwortlich für das gebremste Wachstum hierzulande machen die Autoren unter anderem "eine einseitige Förderpolitik für industriemäßig betriebene Biogasanlagen".

"Beibehaltungsförderung" für etablierte Biobauern


Besonders kritisch betrachtet die Studie Schleswig-Holstein: Zusammen mit Niedersachsen sei das nördlichste Bundesland das einzige, in dem zuletzt "die rekonventionalisierte Fläche die Flächengewinne des ökologischen Landbaus überstieg". Im Klartext: Der Biolandbau ging sogar zurück - weil viele Ökobauern zur herkömmlichen Landwirtschaft zurückgekehrt sind. Die Aussage bezieht sich allerdings auf das Jahr 2010. Zuletzt sind die Bioflächen im Norden wieder größer geworden - von 35.000 auf 37.000 Hektar.
Der Kieler Agrarminister Robert Habeck ist dennoch unzufrieden. "Wir sind in Schleswig-Holstein noch weit hinten beim Ökolandbau - es ist nicht leicht, da aufzuholen", sagt der Grünen-Politiker. Mit einem Anteil der Bioflächen von 3,7 Prozent an der Landwirtschaftsfläche liegt der Norden weit hinter dem Bundesschnitt von gut sechs Prozent. Habeck will künftig sieben Prozent erreichen - und hat dazu letztes Jahr gleich nach Amtsantritt der rot-grün-blauen Küstenampel erst mal die von der schwarz-gelben Vorgängerregierung gestrichene "Beibehaltungsförderung" für etablierte Biobauern wieder eingeführt.
Dieses Jahr erhöht Habeck die Förderung zudem weiter. So steigen die Sätze von 137 Euro je Hektar auf 180 Euro. In den ersten beiden Jahren der Betriebsumstellung auf Ökolandbau beträgt die Prämie 280 statt bisher 262 Euro. "Damit gleichen wir die Fördersätze denen an, die im Förderrahmen des Bundes als Standard vorgesehen sind", sagt Habeck.
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