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SH und Hamburg : Die Armut wohnt in den Städten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Studie belegt: Die Kaufkraft in SH ist höher als in Hamburg. Das Land-Stadt-Gefälle wird immer größer.

Hamburg/Kiel | Die Gewerkschaften warnen seit Langem: Schleswig-Holstein ist der Lohnkeller der Republik. Doch sind die Menschen im nördlichsten Bundesland deshalb stärker von Armut bedroht als in der vermeintlich reichen Hansestadt Hamburg? Eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln versucht sich an einer Antwort auf diese Frage – und kommt zu dem Ergebnis, dass die Armut vor allem in den Großstädten wohnt; und Schleswig-Holsteiner besser dastehen als oft angenommen.

Als einkommensarm gelten Personen oder Haushalte, wenn ihr Einkommen maximal 60 Prozent des mittleren Einkommens, also rund 870 Euro, erreicht – gemessen bundesweit, ohne Unterschiede. Dabei liegt es auf der Hand, dass Menschen in München mehr Geld zum Leben brauchen als in der ostdeutschen Provinz. Die Experten um den IW-Direktor Michael Hüther haben daher erstmals regionale Preisinformationen herangezogen und beim mittleren Einkommen nachgerechnet.

Hamburg kommt demnach auf ein kaufpreisbereinigtes Median-Einkommen von gerade einmal 1421 Euro. Das ist weniger als in allen drei von den Wissenschaftlern für Schleswig-Holstein ausgewiesenen Regionen. Für den Norden sowie die Westküste des nördlichsten Bundeslands errechnete das IW ein kaufpreisbereinigtes mittleres Einkommen von 1517 Euro, für die Region rund um die Kreise Pinneberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg sind es sogar 1557 Euro und immerhin noch 1464 Euro in der Landeshauptstadt und der unteren Ostküste. Bundesweit betrachtet rückt der Norden damit in das Mittelfeld und sticht in Teilen sogar München aus.

Die Grenzen bei Einkommen und Armut verlaufen dem IW zufolge daher auch nicht mehr zwischen Ost- und West, sondern zwischen dem Land und den Städten. „Problematisch an dem Land-Stadt-Gefälle ist auch, dass es offenbar größer wird“, so IW-Experte Hüther. Während sich die preisbereinigte Armutsquote in ländlichen Gebieten seit 2006 kaum verändert habe, sei sie in den Städten um 2,5 Prozentpunkte gestiegen. Bundesweit haben in ländlichen Regionen durchschnittlich knapp 14 Prozent der Bevölkerung eine geringe Kaufkraft, in den Städten liegt die Quote mit 22 Prozent deutlich höher. Konkret kommt Hamburg auf eine Quote von 19,1 Prozent – 4,2 Prozentpunkte mehr als ohne Preisbereinigung. Im Norden Schleswig-Holsteins fällt die Armutsgefährdung mit 14,3 Prozent hingegen preisbereinigt sogar 1,4 Prozentpunkte geringer aus als bei der nationalen Betrachtung.

Besonders schlecht schneiden die Städte Köln, Dortmund, Leipzig und Bremerhaven ab. Aber auch Duisburg, Frankfurt, Bremen und Berlin liegen in der Liste der Regionen mit der höchsten Kaufkraftarmut weit vorne. In allen sind mehr als ein Fünftel der Bevölkerung von Armut bedroht, in Köln ist es jeder Vierte (26,4 Prozent). Die geringste Kaufkraftarmut gibt es im süddeutschen Raum.

Angesichts der Ergebnisse kritisiert Hüther die jüngsten Entscheidungen der Politik. Sowohl die bundesweite Einführung des Mindestlohns wie auch das Betreuungsgeld wertet der Experte als kontraproduktiv. Der Deutsche Gewerkschaftsbund wiederum erklärte, dass niedrigere Preise kein Grund für niedrigere Löhne seien. „Schließlich unterscheidet auch die Bahn bei ihren Fahrpreisen nicht zwischen Fahrgästen aus Anklam oder Stuttgart“, so Stefan Körzell vom DGB.

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erstellt am 25.Aug.2014 | 18:41 Uhr

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