Was ist, wenn der "Saft" ausgeht? : Die Angst vor dem Blackout

Die Furcht vor dem ausgehenden Licht ist ungebrochen. Foto: dpa
Die Furcht vor dem ausgehenden Licht ist ungebrochen. Foto: dpa

Wann droht Schleswig-Holstein der komplette Stromausfall? Wie kann man ihn verhindern und was tun, wenn es dazu kommt?

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12. September 2012, 11:12 Uhr

Es ist eine Selbstverständlichkeit. Der Strom fließt. Immer. Jeden Tag. Aber was wäre, wenn wir auf einmal im Norden keinen Strom zur Verfügung hätten? "Ein Stromausfall kann theoretisch passieren", sagt Ulrike Hörchens, Pressesprecherin der Tennet TSO. Ihr Unternehmen ist für die Höchstspannungsleitungen in Norddeutschland verantwortlich. "Die Gefahr ist allerdings sehr gering."
Dennoch: Die Stromwirtschaft hat sich stark verändert. "Hintergrund ist die Einspeisung erneuerbarer Energien, die natürlich im Netz zu mehr Schwankungen führt", sagt Ove Struck von der Eon Hanse. Das Stromnetz muss kontinuierlich in einem Frequenzbereich von 50 Hertz gehalten werden, ein genauer Ausgleich von Einspeisung und Stromabgabe gewährleistet sein. Um die Stabilität des Netzes zu sichern, mussten die Ingenieure in den Netzleitstellen von Tennet im vergangenen Jahr tausendmal eingreifen. Im vorhergehenden Jahr war es nur 290-mal nötig, durch Zuschalten von Stromverbrauchern oder Abregeln von Stromlieferanten die Frequenz zu halten. Vor zehn Jahren gab es gerade einmal zwei dieser Ereignisse.
Durch die Energiewende stehen derzeit 8000 Megawatt nukleare Energie weniger zur Verfügung. Im Jahre 2022 werden es insgesamt 20 000 Megawatt sein. Ersetzt werden sollen sie zu einem großen Teil durch erneuerbare Energien. Die speisen teils sehr viel, teils aber auch sehr wenig Strom ins Netz ein, denn niemand kann bestimmen, dass starker Wind gerade mit den Zeiten des höchsten Stromverbrauchs zusammenfällt. Solange die Netze auf diese Unstimmigkeiten nicht eingestellt sind, ist vor allem ein Szenario ein besonderer Stresstest für die Stromversorgung: Herrscht an einem klirrend kalten Wintertag Windstille bei bedecktem Himmel, wird es in den frühen Abendstunden eng. Denn die Wind- und Solaranlagen produzieren kaum Strom, während in den Haushalten bei Licht fern gesehen, Computer gespielt und gekocht wird.
Probleme gab es schon in diesem Februar
Zu unterschiedlichen Tageszeiten habe das deutsche Stromnetz eine "erhebliche, über mehrere Stunden andauernde Unterdeckung verzeichnet", hieß es in einem Schreiben der Bundesnetzagentur. Es war zu wenig Strom in den Leitungen. Die Agentur hatte darauf bereits im Vorjahr in einem Bericht zu den Auswirkungen des Kern-kraftausstiegs auf die Versorgungssicherheit hingewiesen. Vor allem betroffen: Die Hansestadt Hamburg mit ihren 1,8 Millionen Einwohnern.
Weht zu wenig Wind und ist das Kernkraftwerk Brokdorf nicht verfügbar, könnte die Netzstabilität gefährdet und die Region Hamburg einem Blackout nahe sein, warnte die Agentur. Nur netzstabilisierende Maßnahmen der Leitungsbetreiber würden die Stadt davor bewahren. Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe teilt auf Anfrage mit, ein großflächiger und langanhaltender Stromausfall scheine zwar eher unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Ein solches Szenario käme einer Katastrophe gleich.
Sollte es zum Stromausfall kommen, habe jeder der Übertragungsnetzbetreiber einen Notfallplan in der Schublade, sagt hingegen Tennet-Pressesprecherin Ulrike Hörchens. Ein regionaler Blackout sei schnell wieder behoben, anders sei es bei einem kompletten Stromausfall. Zum Beispiel, wenn während eines Orkans ein Baum eine Höchstpannungsleitung zerstörte. Der Strom würde versuchen, sich den Weg über andere Leitungen zu suchen. Diese wären überlastet und würden sich automatisch abschalten. Die Folge wäre ein sogenannter kaskadierender Effekt, der zu einem Blackout führen könnte. Sukzessive würde dann versucht werden, das Höchstspannungsnetz wieder aufzubauen - angefangen bei einem Kraftwerk, das noch genügend Energie hat, um den Eigenbedarf zu decken. Dieses wird in so einem Fall ganz langsam höher gefahren und Verbraucher wieder häppchenweise zugeschaltet. "Auf diese Weise entstehen Netzinseln, die letztendlich wieder zusammengeschaltet werden", erklärt Hörchens. Normalerweise sei ein solcher Stromausfall nach vier bis acht Stunden behoben.

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