Streit um die Windmesse : Der Windkrieg geht weiter

Das friedliche Bild der Mühlen bei Husum täuscht  - es weht zurzeit ein eiskalter Wind in der Branche.  Foto: Grafikfoto.de
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Das friedliche Bild der Mühlen bei Husum täuscht - es weht zurzeit ein eiskalter Wind in der Branche. Foto: Grafikfoto.de

Die Messe Husum will die Kooperation mit der Messe Hamburg vorzeitig beenden: "Wir sind auf Hamburg nicht angewiesen".

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21. Oktober 2011, 10:35 Uhr

HUSUM/BERLIN | Die Messe Husum erwägt die noch bestehende Zusammenarbeit mit der Hamburger Messe sofort zu beenden. Grund dafür ist, dass die Hamburger der Husumer Windmesse "Windenergy" ab 2014 mit einer eigenen Veranstaltung Konkurrenz eine Woche vorher machen will. "Das Verhalten Hamburgs ist harter Tobak - wir prüfen natürlich, ob wir die Kooperation vorzeitig beenden", sagte gestern Peter Becker, Geschäftsführer der Husumer Messe, in Berlin. "Wir können ja nicht so tun, als gäbe es keine Verstimmungen in unserem Vertragsverhältnis - die gibt es selbstverständlich."
Die Hamburger Messe macht für die Husumer bisher einen Teil des Marketings sowie die Kundenwerbung im Ausland - eigentlich auch noch für die Windmesse 2012. Becker sagte jedoch, Husum könne diese Aufgaben auch selbst erledigen: "Wir sind auf Hamburg nicht angewiesen." Vielmehr sei der Kooperationsvertrag vor fünf Jahren "ein Entgegenkommen an Hamburg" gewesen, nachdem in der Hansestadt zwischen 2002 und 2006 der erste Versuch gescheitert war, eine eigene Windmesse an der Alster zu etablieren. Dem Appell von Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU) und Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), nach Möglichkeiten der Kooperation zwischen Husum und Hamburg zu suchen, gab Becker wenig Erfolgschancen: "Es gab Gespräche mit Hamburg", sagte Becker. "Aber von dort kam nur die Ansage: Wir machen das - ihr seid raus. Ich wüsste nicht, wo da noch ein Kompromiss liegen könnte."
Gemeinsame Forschungsprojekte sollen ausgeschrieben werden
Die langjährige Zusammenarbeit mit der Deutschen Messe in Hannover wollen die Husumer dagegen in der frisch gebildeten "Windallianz" verstärken. Während in Nordfriesland in den geraden Jahren die "Windenergy" stattfindet, richten die Niedersachsen in den ungeraden Jahren die Messe "Wind" aus. Künftig wollen beide Veranstalter auch gemeinsame Forschungsprojekte anschieben und einen Windenergie-Preis ausschreiben. Außerdem planen sie zusammen Kongresse im Ausland.
Der Windanlagen-Weltmarktführer Vestas legte gestern ein klares Bekenntnis zu Husum ab. "Wir schließen aus, nach Hamburg zu gehen", sagte Europa-Vertriebsdirektor Andreas Eichler. Auch Michael Liesner vom Windrotoren-Hersteller Enercon lehnte Hamburg als Messestandort ab. Andere Herstellerfirmen wie GE oder Siemens wollen dagegen zusammen mit dem Maschinenbauverband VDMA Hamburger als neuen Messestandort durchsetzen, weil die Hansestadt besser angebunden ist und mehr Hotelkapazitäten hat.
Eine Zersplitterung der Aussteller auf drei Messen in Deutschland könnte aber nach Befürchtungen der Fachleute dazu führen, dass künftig eine Windmesse im Ausland zur Leitmesse der Branche wird. "Ich möchte nicht in die Situation kommen, in der sich drei streiten und ein Vierter gewinnt", sagte Vestas-Vertiebsdirektor Eichler. Er appellierte daher an Niedersachsen, im Streit zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg zu vermitteln: "Ministerpräsident McAllister sollte sich mit Herrn Scholz und Herrn Carstensen zusammensetzen - ich bin mir sicher, dass es dann auch eine akzeptable Lösung gibt." Die Deutsche Messe in Hannover gehört zur Hälfte dem Land Niedersachsen und kooperiert bei der Windkraft sowohl mit Husum als auch mit dem VDMA erfolgreich.

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