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Windkraftstudie : Der Wert des Windes

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Eine junge Wissenschaftlerin erforscht erstmals die wirtschaftliche Bedeutung für Windkraft im Land. Das Ergebnis: Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein können eine Wertschöpfung von vier Milliarden Euro generieren.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 12:59 Uhr

Husum/Flensburg | Die Windenergie in Schleswig-Holstein könnte in den kommenden Jahren mehr als vier Millarden Euro an Wertschöpfung generieren - und das allein an Land. Das ist zumindest das Ergebnis der an der Universität Flensburg von Christiane Kutz erstellten Masterarbeit "Regionalökonomische Effekte der Nutzung von Windenergie in Schleswig-Holstein", die erstmals in diesem Umfang mit wissenschaftlichen Methoden erhobenes Datenmaterial zur Windenergie hierzulande bereitstellt.
Ermittelt hat Kutz zunächst den Status quo der Wertschöpfung für das Jahr 2011, in dem nach Erhebungen der Landwirtschaftskammer 115 Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von 285 MW (Megawatt) neu installiert wurden. Ende 2011 waren zwischen Nord- und Ostsee damit insgesamt 3145 Megawatt Windleistung am Netz. Durch die Neuinstallation sowie den Betrieb und die Wartung der bestehenden Anlagen entstand den Berechnungen zufolge im fraglichen Jahr eine Bruttowertschöpfung von 244 Millionen Euro.

26.000 Hektar für die Produktion von Windenergie geeignet


Auf der Basis dieses Wertes hat die ehemalige Studentin, die ihren Master mittlerweile in der Tasche hat, drei Szenarien für die zehn Folgejahre entworfen und durchgerechnet, mit unterschiedlichen Annahmen zum Windenergieausbau. Szenario A geht von einer Verdoppelung der installierten Leistung auf 6300 MW aus, Szenario B von einer Steigerung auf 7000 MW und Szenario 3 von einem noch stärkeren Zubau auf 11.700 MW.
Bei der Netzwerkagentur Windcomm Schleswig-Holstein hält man Variante B für naheliegend: Sie decke sich mit eigenen Berechnungen, die sich aus der im vergangenen Jahr von der Landesregierung beschlossenen Erweiterung der Windeignungsflächen auf knapp 26.000 Hektar ergeben, sagt Windcomm-Projektmanager Holger Arntzen, der die Masterarbeit gemeinsam mit dem Organisator des Studiengangs "Energy and Evironmental Management - Industrial", Professor Dr. Olav Hohmeyer, begleitet hat.

"Wir reden von echtem Mehrwert"


Für moderne Windkraftanlagen werde heute ein durchschnittlicher Flächenbedarf von vier bis fünf Hektar pro Megawatt veranschlagt. "Dazu kommt noch einiges an Repowering, so dass ein Zubau auf 7000 MW binnen zehn Jahren realistisch ist", so Arntzen, der auch selbst bei Hohmeyer studiert hat. Geht man also von 7000 Megawatt Windleistung im Jahr 2021 aus, so würde sich nach Berechnungen von Christiane Kutz die direkte und indirekte Bruttowertschöpfung in diesem Zeitraum mehr als verdoppeln: von den genannten 244 in 2011 auf knapp 600 Millionen Euro in 2021 - jährlich. Über die zehn Jahre addieren sich diese Millionenbeträge auf 4,14 Milliarden Euro.
"Wir reden hier nicht von Investitionen, sondern von echtem Mehrwert", betont Holger Arntzen. "Wertschöpfung bezeichnet die Umformung, Umwandlung, Weiterverarbeitung oder Veredelung von vorhandenen Ressourcen zu neuen Produkten. Sie ist eine Maßgröße für die Leistung eines Unternehmens beziehungsweise einer Wirtschaftseinheit", so die Definition in einer Windcomm-Broschüre, die die wesentlichen Ergebnisse der Masterarbeit zusammenfasst. In der Windindustrie reiche die Wertschöpfungskette "von der Idee eines Windparks bis zum Betrieb und zur Wartung sowie schlussendlich dem Abbau oder Repowering einer WEA", heißt es dort ebenfalls. Als Hauptfaktoren nennt Arntzen die Arbeitseinkommen der Arbeitnehmer, den Anteil der Steuern, der im Land verbleibt, sowie den Gewinn der hierzulande tätigen Unternehmen.

Bis zu 11.000 Arbeitsplätze im Land


Interessant auch die Anteile der einzelnen Wertschöpfungsbereiche. So wird Kutz zufolge eine - aus der Entwicklung logische - Verlagerung aus der Neuinstallation (von der Planung bis zu den Bauarbeiten) zum Windparkbetrieb stattfinden. Betrug das Verhältnis 2011 noch 60 zu 184 Millionen, so sind für 2021 rund 160 Millionen an Wertschöpfung aus der Neuinstallation und 440 Millionen Euro aus Service, Wartung, Versicherung, Betriebsführung et cetera veranschlagt.
Die Gewerbesteuer ist ein weiterer Aktivposten der Windenergie im Lande. So betrug deren in Schleswig-Holstein verbleibender Anteil im vergangenen Jahr rund 37 Millionen Euro, davon 31 Millionen für die Gemeinden und sechs Millionen für das Land. Im Jahr 2021 werden es den Prognosen zufolge 83 Millionen Euro und damit mehr als doppelt so viel sein. Die Beschäftigung in Neuinstallation, Betrieb und Wartung steigt von 4535 Arbeitsplätzen (wissenschaftlich ausgedrückt: Personenjahren) in 2011 auf 11.000, davon knapp 7000 im Bereich Betrieb und Wartung.

Mengenmodell mit Input-Output-Analyse


Bei ihrer Arbeit hat sich Christiane Kutz eines Mengenmodells bedient, einer sogenannten Input-Output-Analyse, wie sie in der modernen Wirtschaftsforschung gebräuchlich ist und von Professor Hohmeyer für die Windenergie weiterentwickelt und angepasst wurde. In die Berechnungen einbezogen wurde nur die Onshore-, nicht die Offshore-Windenergie sowie ausschließlich das, was in Schleswig-Holstein erwirtschaftet wurde und innerhalb der Landesgrenzen verbleibt.
Alle Ergebnisse der Masterarbeit basieren auf dem Status quo 2011. Änderungen der politischen Rahmenbedingungen, etwa des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, würden sich auf die Prognosen auswirken. Außen vor gelassen wurde außerdem ein möglicher technologischer Fortschritt in der Windindustrie sowie eine mögliche Steigerung der Arbeitsproduktivität.
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