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Fangquoten für die Ostsee : Der Streit um den Dorsch

vom
Aus der Onlineredaktion

Es wird ernst: Die EU-Minister einigen sich heute über die Fischfang-Mengen für 2016. Fischer fürchten um ihre Existenz.

Brüssel | Die EU-Minister für Fischerei wollen sich am heutigen Donnerstag in Luxemburg auf die Fischfang-Mengen für die Ostsee im kommenden Jahr einigen. Umstritten ist insbesondere, wie viel Dorsch die Fischer 2016 aus dem Meer ziehen dürfen. Der Landesverband der Kutter- und Küstenfischer Mecklenburg-Vorpommern warnte mit Blick auf das Treffen vor Einkommensverlusten, die kleine Familienbetriebe nicht überleben könnten.

Die Fangmengen sind dieses Jahr besonders kontrovers. Die EU-Kommission gibt Empfehlungen zu Fangmengen ab, über die die EU-Staaten dann entscheiden. Dabei stützt sich die Behörde auf die Empfehlungen von Wissenschaftlern. Diese setzen aber künftig strengere Maßstäbe an. Die als dauerhaft verträglich eingestuften Fangmengen fallen daher niedriger aus - und damit auch die Vorschläge der EU-Kommission.

Die EU-Kommission hatte die Fischfangquoten in der Ostsee für 2016 am 2. September vorgelegt. Demnach soll die Fangquote für Hering in der westlichen und mittleren Ostsee um zwölf und um neun Prozent angehoben werden. Die Lachsquote soll im Ostsee-Hauptbecken um zehn Prozent steigen. 2016 sollen außerdem 18 Prozent mehr Schollen gefangen werden dürfen. Die Quote für die mengenmäßig sehr bedeutende Sprotte soll um 14 Prozent sinken.

Seit 2014 gibt es in der EU neue Fischereiregeln. Danach schlägt die Kommission Quoten vor, basierend auf wissenschaftlich belastbaren Zahlen. Ziel ist es, die Fortpflanzungsfähigkeit der Fischbestände zu erhalten. Beschlossen werden die Quoten vom Ministerrat, für 2016 auf dessen Sitzung am 22. und 23. Oktober. Unter Fischern besonders umstritten ist, dass Beifang nicht mehr ins Meer gekippt werden darf, sondern an Land gebracht werden muss und auf die Quote angerechnet wird („Rückwurfverbot“).

Die Kommission drückt sich allerdings um die in der Vergangenheit besonders umstrittene Dorsch-Quote. Laut Mitteilung der EU-Kommission vom September fehlen für die westliche Ostsee noch belastbare Daten vom Internationalen Rat für Meeresforschung. Allerdings sollten sich Fischer auf eine sinkende Quote einstellen. Für die östliche Ostsee schlägt die Kommission ein Minus von 20 Prozent vor. Für die westliche Ostsee zeigen Daten laut Kommission, „dass der Dorsch auch dort überfischt ist“.

Kritik von Fischern gibt es auch an Plänen, Angler in die Fangmengen-Festlegungen einzubeziehen. Die Fischer befürchten Verteilkämpfe um die Quoten. Es sei sinnvoll, dass Angler einen Beitrag zur nachhaltigen Bestandsbewirtschaftung leisten, sagte Kahlfuss. „Aber dafür bringt es mehr, wenn sie dieselben Laichschonzeiten und Laichgebiete beachten wie die Berufsfischer.“ Damit würden gezielt die großen Laichdorsche geschützt.

Fischart Seegebiet Quotenvorschlag entspricht der Menge
Lachs Hauptbecken +10% 105.850 Stück
Lachs Finnischer Meerbusen -24% 10.024 Stück
Hering westliche Ostsee +12% 24.797 Tonnen
Hering mittlere Ostsee +9% 177.505 Tonnen
Hering Bottnischer Meerbusen -35% 103.254 Tonnen
Hering Golf von Riga -21% 30.623 Tonnen
Dorsch westliche Ostsee noch unklar  
Dorsch östliche Ostsee -20% 41.143 Tonnen
Sprotte gesamte Ostsee -14% 184.336 Tonnen
Scholle gesamte Ostsee +18% 4034 Tonnen

 

 

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erstellt am 22.Okt.2015 | 11:22 Uhr

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