Markiermaschinen : Der Straßenstrich, den jeder kennt

Mit ihren Spezialmaschinen markiert die Firma Hofmann  Fahrspuren auf Autobahnen, Fußgängerwegen und  Flugpisten weltweit - sogar in Afghanistan. Foto: DPA
Mit ihren Spezialmaschinen markiert die Firma Hofmann Fahrspuren auf Autobahnen, Fußgängerwegen und Flugpisten weltweit - sogar in Afghanistan. Foto: DPA

Diesen Straßenstrich hat jeder schon einmal betreten - die Fahrbahnmarkierung. Ein Rellinger Familienbetrieb hat sich mit Markiermaschinen an die Weltspitze gekämpft.

shz.de von
09. August 2011, 09:54 Uhr

Hamburg | Diesen Straßenstrich kennt wirklich jeder: Er markiert Fahrspuren auf Autobahnen und Fußgängerwegen genauso wie auf Flugpisten. Oft ist es eine dicke glitzernde Kunststoffschicht, die bei Nacht im Scheinwerferlicht leuchtet. Manchmal sind es auch viele weiße Tupfen, die das Auto beim Darüberfahren durchschütteln. Vor den Toren Hamburgs hat sich ein Maschinenbauer einen Spitzenplatz für Markiermaschinen erarbeitet. Das Rellinger Familienunternehmen Hofmann sieht sich als Weltmarktführer der Branche. Jedes Jahr verkauft Hofmann etwa 125 Markiermaschinen an Kunden in bisher 132 Ländern. Nur jede zehnte Maschine bleibt in Deutschland.
"Wenn ich in den Nachrichten Berichte über Kriege sehe, weiß ich, da ist ein neuer Kunde - auch wenn ein bitterer Beigeschmack dabei ist", sagt Vertriebschef Torsten Pape. Denn nach Wasser und Strom folgt beim Wiederaufbau die Straße. "Und dann sind wir gefragt", sagt der Ingenieur.
100 Mitarbeiter bauen auf dem Rellinger Firmengelände die Maschinen vom Handfahrzeug in Kinderwagengröße bis zum Lastwagen mit aufmontierter Markiervorrichtung. Aktuelle Zahlen zu Umsatz und Gewinn bleiben unter Verschluss. Laut Jahresabschluss, den die Hofmann GmbH Maschinenfabrik und Vertrieb nach einiger Zeit veröffentlichen muss, gab es 2009 bei gut zehn Millionen Euro Umsatz 367.000 Euro Überschuss.
Eine Markiermaschine in Gabelstaplergröße für Afghanistan
"Jede Maschine bei uns ist eine Einzelfertigung", sagt Pape. Das dauert und macht sich im Preis bemerkbar. "Wir sind teurer als unsere zehn Mitbewerber. Das müssen wir durch guten Service wieder wettmachen." Acht Techniker reisen ständig durch die Welt, erklären neue Maschinen, reparieren alte. Diese Betreuung nach der Auslieferung ist neben "Made in Germany" wichtigstes Kaufargument. Seniorchef Frank Hofmann (71) und Sohn Jan (36) haben deshalb nie über eine Verlagerung der Produktion ins Ausland nachgedacht.
Für Aufsehen sorgte gerade ein Auftrag aus den USA: "Dort sitzen drei wichtige Konkurrenten, da waren wir erstaunt", sagt Pape. Hinter dem Auftraggeber aus Washington DC verbarg sich der zentrale Einkauf der US Armee, der für eine Militärbasis in Afghanistan eine Markiermaschine in Gabelstaplergröße brauchte. Schnell sollte es gehen - und dem Mittelsmann in Ägypten waren nur die Hofmann-Maschinen ein Begriff: Die kannte er aus seiner Heimat. Die Rellinger fertigten das benötigte Gerät - aber kein Techniker wollte es ins Krisengebiet begleiten, um die sonst üblichen Feineinstellungen und Einweisungen zu übernehmen. "Da haben wir ein Video gedreht. Die wichtigen Handgriffe in Großaufnahme auf einen USB-Stick kopiert", sagt Pape. Offenbar verständlich, denn ein Folgeauftrag kam prompt.
(shz)

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