Schleswig-Holstein : Der Gastronomie fehlen 2000 Fachkräfte

Guter Nachwuchs ist rar: Landesweit fehlen rund 2000 Fachkräfte in der Gastronomie, allen voran Köche.
Guter Nachwuchs ist rar: Landesweit fehlen rund 2000 Fachkräfte in der Gastronomie, allen voran Köche.

Viele Gäste und zu wenig Personal: Mitten in der Hauptsaison müssen sich viele Restaurants im Land einschränken. Es mangelt vor allem an Köchen.

shz.de von
14. Juli 2014, 14:09 Uhr

Kiel | Seit drei Jahren schon findet Gerd Höfer keinen zusätzlichen Koch für sein Lokal „Kiefhuck“ auf Nordstrand. Die Folge: Der Gastronom schiebt in der Küche selbst doppelte Schichten – angesichts seiner 60 Jahre aber kein Dauerzustand. „Ich überlege jetzt, ob ich mittags zumachen soll“, sagt er.

Der Fall ist symptomatisch: Der Personalmangel in Hotellerie und Gastronomie hat ein solches Ausmaß erreicht, dass Schleswig-Holstein das Umsatzpotenzial der Hauptsaison nicht mehr voll ausschöpfen kann. Obwohl das Land voller Urlauber ist, schränken erste Wirte ihre Angebote ein. Vor allem gelte das für Betriebe in zweiter und dritter Reihe, sagt Stefan Scholtis, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). „Einige verzichten entweder aufs Mittags- oder Abendgeschäft oder legen auch im Sommer einen oder sogar zwei Ruhetage ein.“ Andere bieten nur noch ein Buffet an. „Teils hat sich die Lage im Vergleich zur letzten Saison noch verschlechtert“, so Scholtis. Wenn dies so weitergehe, „steht zu befürchten, dass im nächsten Sommer Betriebe aus Personalnot schließen müssen“.

Der Dehoga schätzt, dass landesweit 2000 Fachkräfte in der Branche fehlen. Bei der Arbeitsagentur waren im Land Ende Juni 1011 offene Stellen im Hotel- und Gastronomiefach mit seinen oft ungeliebten Arbeitszeiten gemeldet. Insgesamt sind in dem Bereich zwischen Nord- und Ostsee 57.000 Menschen tätig, 21.700 davon als Minijobber. Während im Service Aushilfen eine bedeutende Rolle spielen, ist dies – betont Scholtis – in der Küche nie eine Option: „Da können Sie keinen Hobbykoch einsetzen.“ Doch ohne Koch kein Restaurant, allenfalls ein Café oder Hotel garni.

Ausgerechnet der Koch ist auch bei den unbesetzten Ausbildungsplätzen das größte Sorgenkind: 340 unbesetzte Lehrstellen dafür melden die Arbeitsagenturen im Land. Beim Hotelfachmann sind es 259, beim Restaurantfachmann 196. In einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern erklärten 42 Prozent der Betriebe, dass sie im Vorjahr ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen konnten – der höchste Wert aller Branchen.

Bei den in diesem Jahr bereits abgeschlossenen Lehrverträgen stellt IHK-Ausbildungs-Chef Hans-Joachim Beckers zwar eine aufsteigende Tendenz fest. Da unsicher ist, ob dies bis zum Beginn des Ausbildungsjahrs im Spätsommer durchhält, will er jedoch „noch keine Entwarnung geben“. Die Entwicklung der letzten Jahre jedenfalls, so Becker, „gefährdet Schleswig-Holsteins Chancen als Tourismusland. Wir sind an einem neuralgischen Punkt.“ Die Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, unterstreicht: „Weil Schleswig-Holstein als Urlaubsland im internationalen Wettbewerb bestehen muss, brauchen wir in diesem Wachstumsmarkt gutes Personal.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen