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Windkraft : Der Fall Prokon: Fragen und Antworten

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Was sind eigentlich Genussscheine? Und was können Anleger jetzt tun? shz.de beantwortet Fragen zur angedrohten Insolvenz.

Itzehoe | „Sollte es nicht gelingen, die Liquiditätslage sehr schnell wieder zu stabilisieren, werden wir voraussichtlich Ende Januar gesetzlich gezwungen sein, eine Planinsolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einzuleiten", schrieb Prokon. Der Brief des Windkraftunternehmens hat die Anleger am Wochenende verunsichert. Ihr Geld ist in Gefahr. Fragen und Antworten zum Fall Prokon.

Was ist ein Genussschein?

Die auch von Prokon ausgegebenen Genussscheine sind Wertpapiere, die eine Sonderstellung zwischen Aktien und Anleihen haben. Unternehmen kommen an Kapital, der Käufer der Genussrechte erhält im Gegenzug regelmäßige Zinszahlungen. Im Unterschied zu Anleihen können diese Zahlungen aber auch gestrichen oder verschoben werden, wenn kein Gewinn anfällt. Im Gegensatz zum Aktienbesitzer hat der Inhaber von Genussscheinen kein Mitspracherecht bei der Firma. Geht sie pleite und wird abgewickelt, werden Genusscheine erst nach den anderen Forderungen bedient. Das ist in Paragraph 10 der Genussrechtsbedingungen von Prokon auch explizit so geregelt. Es besteht also die Gefahr des Totalverlusts. Genussscheine sind risikoreicher als andere Wertpapiere, die Zinssätze deshalb gemeinhin höher.

Was ist eine Planinsolvenz?

Die Planinsolvenz, die der Windkraftfinanzierer Prokon nun nicht mehr ausschließt, ist ein Spezialfall des Insolvenzverfahrens. Abweichend vom "normalen" Insolvenzverfahren bleibt die alte Geschäftsführung im Amt, der Insolvenzverwalter tritt nur beratend auf. Die Planinsolvenz wird in der Regel von einem Sanierer begleitet, der zusammen mit der Unternehmensführung vor der Antragstellung den Insolvenzplan ausarbeitet. Über den beim Amtsgericht eingereichten Plan entscheiden die Gläubiger. Wenn es eine Perspektive für den Fortbestand des Unternehmens gibt, soll es durch diesen Plan ermöglicht werden, im Insolvenzverfahren auch von der Insolvenzordnung abzuweichen.

Was können Anleger jetzt tun?

Prokon versucht in einem Rundschreiben vom vergangenen Freitag, die Anleger dazu zu bringen, für mindestens neun Monate auf eine Kündigung ihrer Genussrechte zu verzichten. Ein entsprechend unterschriebenes Formular soll bis 20. Januar unterschrieben an Prokon zurückgesandt werden. Prokon ruft in dem Schreiben auch dazu auf, weitere Genussscheine zu zeichnen.

Zinsen wird Prokon laut der Mitteilung nicht mehr zahlen, sondern sie dem Genussscheinkonto gutschreiben, “bis PROKON mir mitteilt, dass die Liquiditätslage wieder eine halbjährliche Auszahlung der Zinsen ermöglicht”.

Prokon hat angekündigt, nur dann keine Insolvenz zu beantragen, wenn 95 Prozent des Genusskapitals auf Rückzahlung innerhalb der nächsten neun Monate und auf die Zinszahlung in bar bis auf weiteres verzichtet. Dieses Ziel klingt in der jetzigen Situation sehr anspruchsvoll.

Anleger sollten sich aber nicht unter Zeitdruck setzen lassen. In den nächsten Tagen wird voraussichtlich deutlich, was aus der Drohung mit der Insolvenz folgt.

Eine Kündigung zum jetzigen Zeitpunkt wird erst in sechs Monaten wirksam, sodass sie voraussichtlich das eingezahlte Kapital im Fall einer Insolvenz nicht schützt.

An wen können Anleger sich wenden?

Anleger sollten sich bei rechtlichen Fragen an einen spezialisierten Fachanwalt wenden. Eine mögliche Anlaufstelle ist die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz DSW (dsw-info.de), die ihren Mitgliedern auch anwaltlichen Rat anbietet.

 
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erstellt am 12.Jan.2014 | 18:42 Uhr

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