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Der Fall Prokon : Denn sie wissen nicht, was sie tun

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Das Unternehmen Prokon aus Itzehoe steht vor der Insolvenz. Nicht nur dieser Fall zeigt: Mit Genussrechten gehen Kunden immer auch ein Stück unternehmerisches Risiko ein.

shz.de von
erstellt am 17.Jan.2014 | 16:51 Uhr

Kiel | Kurze Kündigungsfristen und hohe Rendite für ein grünes Investment – das ist verlockend. Doch egal ob „Windreich“, „SAG Solarstrom“ oder jetzt der Windkraft-Spezialist „Prokon“, immer wieder geraten Firmen in Schwierigkeiten. Mit fatalen Folgen für die Anleger, die sogenannte Genussscheine gezeichnet haben. Diese Kapitalbeschaffungsform ist nicht neu – sie hat seit der Jahrtausendwende jedoch an Bedeutung gewonnen. 

Der Genussschein ist im Grunde eine Mischung aus Anleihe und Aktie. Anleger erhalten eine fixe Zinszusage, die in der Regel deutlich über dem liegt, was zurzeit bei Banken an festen Zinsen zu bekommen ist – bei Prokon waren es zeitweise acht, zuletzt sechs Prozent.

Mit Genussrechten gehen Kunden aber immer auch ein Stück unternehmerisches Risiko ein. Das heißt: Sie nehmen nicht nur am Gewinn teil, sondern in der Regel auch am Verlust. Die Rechte der Investoren sind deutlich geringer als etwa jene von Aktionären. So gibt es in der Regel keine Mitspracherechte oder Kontrollmöglichkeiten über die Verwendung der Mittel. Geht das Unternehmen pleite, stehen die Geldgeber weit hinten in der Schlange der Gläubiger.

Für Kleinanleger, die ihr Geld in Anleihen oder Genussrechte solcher Firmen investiert haben, sind das schlechte Bedingungen. „Sie müssen damit rechnen, im Falle einer Insolvenz ihr Kapital zu verlieren“, erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart.

„Viele Anleger sind sich dieses Risikos aber oft nicht bewusst.“ Häufig können Anleger das aber auch nicht erkennen. „Prospekte und Werbematerialien geben meistens wenig Aufschluss“, sagt der Finanzexperte. Das ergab auch eine Untersuchung der Stiftung Warentest im vergangenen Jahr: In den Vermögensanlagen-Informationsblätter (VIB) sind entsprechend konkrete Hinweise oft versteckt oder zu allgemein formuliert.

Ein weiteres Problem: „Die Zinsversprechen hängen von der künftigen Entwicklung des Unternehmens ab“, erläutert Nauhauser. „Und um die einschätzen zu können, müssten Sie Bilanzen lesen können.“ Selbst Experten könnten nicht immer zweifelsfrei einschätzen, wie die Aussichten seien. Einerseits gibt es etablierte Unternehmen des klassischen Mittelstands, die über ausreichend laufende Einnahmen verfügen, um Zinsversprechen zu bedienen. Auf der anderen Seite sind es Start-Ups, viele davon aus der „grünen Branche“, die in der Wachstumsphase Geld brauchen und bei denen Anleger eine Wette auf die Zukunft eingehen. 

Auch die Frage der Börsennotierung spielt eine Rolle. „Jede Form von Genussrechtangebot, das nicht über eine Börse jederzeit handelbar ist, sollten Anleger meiden“, rät Lothar Koch, Portfoliomanager der GSAM + Spee Asset Management. „Mit einer Börsennotierung gibt es Pflichten, die ein Emittent erfüllen muss.“ Nach Ansicht des Investmentexperten aus Langballig zeigt gerade der Fall Prokon, wie wichtig diese Handelbarkeit ist. „Man ist dann nicht auf Gedeih und Verderb der Willkür des Emittenten ausgeliefert“, sagt Koch.

„Besser ist es, das Geld breit zu streuen“, erklärt Nauhauser. Am besten gelinge dies über Fonds, die das Kapital der Anleger in viele verschiedene Produkte investieren.

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