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Das Geschäft mit der Muttermilch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hamburgerin gründet Deutschlands erste Online-Börse im Internet – Experten sehen Modell kritisch

Tanja Müller aus Eimsbüttel hat eine Muttermilch-Börse gegründet. Seit Anfang Februar bringt die Hamburgerin Interessierte auf der Online-Plattform zusammen, die Muttermilch kaufen oder verkaufen wollen. Grundsätzlich neu ist die Idee dabei nicht. Schon in der Antike wurden Babys mit anderer Frauen Milch gestillt. Heute gibt es aber nur noch wenige Möglichkeiten, an fremde Muttermilch zu kommen. In Deutschland existieren nicht viel mehr als eine Handvoll sogenannter Muttermilchbanken, fast alle liegen in den neuen Bundesländern. Dort werden die Spenderinnen eingehend untersucht. Die Milch wird auf Keime getestet und schockgefroren oder pasteurisiert. Solche Sicherheitsvorkehrungen entfallen beim Verkauf übers Netz. Professor Klaus Vetter, Sprecher der Nationalen Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), zufolge könne etwa nie ausgeschlossen werden, ob in der Milch nicht auch unerwünschte Viren enthalten sind.

„Die Bedenken gegenüber Fremden sind berechtigt und die habe ich auch“, sagt Tanja Müller. „Daher zeige ich Wege auf, wie man Risiken minimieren kann und zwar erfolgreich. Der Bedarf und der Wunsch nach Kauf oder Verkauf von Muttermilch in Deutschland sei groß, sagt sie. Schon seit Jahren tauschen Mütter im Internet „wild und völlig unstrukturiert“ auf verschiedensten online-Wegen Muttermilch. Mit ihrer Plattform will sie „Sicherheit in den bisher chaotischen online-Handel“ bringen. „Gesellschaftliche Tabuisierung und Hygieneängste führen dazu, dass selbst in vielen Geburtskliniken überschüssige Milch weggeschüttet wird – auch dann, wenn bei anderen Säuglingen auf der Station unmittelbarer Bedarf besteht“, sagt die 37-Jährige.


Kooperation mit Institut soll Qualität sichern


Tanja Müllers Idee für eine Muttermilchbörse entstand aus der Not heraus. Beim ersten Kind wollte es zunächst partout nicht mit dem Stillen klappen und beim zweiten produzierte die Hamburgerin zu viel Muttermilch. „In beiden Fällen hatte ich ganz selbstverständlich versucht, zum Tauschen mit anderen Müttern in Kontakt zu treten – vergeblich.“ In monatelanger Recherchearbeit erstellte sie zunächst eine Sammlung relevanter Informationen rund um das Thema Muttermilch. Inhalte, Konzeption und Design der Homepage übernahm die gelernte Marketing-Expertin größtenteils selbst.

Die erste Muttermilch-Börse Deutschlands ist seit knapp drei Wochen online. Die Plattform bietet Müttern eigenständig die Möglichkeit, Milch sowohl lokal als auch bundesweit zu kaufen und zu verkaufen oder zu verschenken. Inserate können nach Alter des Kindes sowie nach Postleitzahl gefiltert und mit Angaben über Gesundheit und Ernährung der Mutter versehen werden. Eine Kooperation mit dem Institut für Milchuntersuchung (IfM) soll zuverlässige Qualitätsprüfungen ermöglichen. „Die Muttermilch einer gesunden Frau ist in jedem Fall besser für das Kind als jede Ersatzmilch, denn die Formelernährung ist nichts anderes als kuhmilchbasierte Trockenmilch“, bestätigt der Hamburger Kinderarzt und Neonatologe Dr. Hilmar Uhlig. „Im Prinzip ist es wünschenswert, wenn jedes Baby Muttermilch kriegt“, sagt auch Aleyd von Gartzen vom Deutschen Hebammenverband. Doch an dem Modell von Tanja Müller hat sie Zweifel. Grund ist eine US-Studie. In den USA ist der kommerzielle Handel von Muttermilch im Internet selbstverständlich. Forscher haben nun aber festgestellt, dass viele Lieferungen aus dem Internet durch falsche Gewinnung, Transport oder Lagerung mit Krankheitserregern verunreinigt seien. „Aufgrund der Ergebnisse kann ich den Tausch von Muttermilch über das Internet nicht empfehlen“, sagt sie. Auch Vetter von der Nationalen Stillkommission am BfR warnt vor den Konsequenzen. „Milch ist eine Körperflüssigkeit, und da kann immer etwas drin sein, was nicht drin sein soll.“

Info unter: www.muttermilch-boerse.de

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erstellt am 19.Feb.2014 | 19:30 Uhr

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