zur Navigation springen

Himmelmoor bei Quickborn : Das Ende einer Tradition: 2020 ist Schluss mit dem Torfabbau in SH

vom

Das Torfabbaugebiet ist fast ausgebeutet. Für die Natur ist das gut, denn dann herrscht wieder Ruhe im Himmelmoor.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 10:04 Uhr

Quickborn | Der feuchte Boden unter den Füßen gurgelt und schmatzt bei jedem Schritt, aus schwarzen Tümpeln recken sich kahle Äste, und mit etwas Glück hört man aus der Ferne das tiefe „Bu-bu-bu“ einer seltenen Sumpfohreule: Die Natur bekommt das Himmelmoor zurück. „Spätestens im Jahr 2020 wird der industrielle Torfabbau dort beendet“, sagt Martin Schmidt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Vermutlich aber schon viel früher.

Denn das Himmelmoor ist fast vollständig ausgebeutet, sagt Hermann Hornung: „Was verwertbar ist, haben wir im Wesentlichen schon abgebaut“, erklärt der 77-Jährige. Er führt den Betrieb in dritter Generation. Wenn er schließt, wird in Schleswig-Holstein eine rund 150 Jahre alte Tradition enden. Denn: „Torfabbau findet in Schleswig-Holstein im größeren Umfang nur noch im Himmelmoor statt“, sagt LLUR-Sprecher Schmidt.

Ein Moor ist – einfach gesagt – ein sehr nasses Stück Land, in dem Pflanzenreste wegen Sauerstoffmangel nicht vollständig zersetzt werden können. Diese werden zu Torf. Schleswig-Holstein gehört mit Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg zu den moorreichen Ländern Deutschlands. „Es wird angenommen, dass in der Vergangenheit über zehn Prozent der Landesflache von Mooren bedeckt waren“, sagt Schmidt. Sie seien bis zu 12.500 Jahre alt.

Mit einer Größe von ursprünglich rund 600 Hektar gilt das Himmelmoor bei Quickborn im Kreis Pinneberg als größtes Hochmoor Schleswig-Holsteins. Seit den 1870er Jahren wird dort Torf abgebaut.

In der Vergangenheit holte Hornung jährlich rund 40.000 Kubikmeter Torf aus dem Himmelmoor, mischte ihn in seinem Werk mit angelieferten Zusatzstoffen wie Lehm, Ton, Kompost, um ihn dann als hochwertige Gartenerde an Baumschulen in der Region zu verkaufen. „Trotz immer lauter werdender öffentlicher Kritik von Umweltschützern am Torf-Abbau wuchs die Nachfrage stetig“, sagt der Unternehmer. Die Nachfrage der Gärtnereien sei ungebrochen. „Es gibt noch keine Ersatzprodukte, es wurde noch keine Alternative für Torf gefunden.“

Vor hundert Jahren war Torfabbau noch schwere, schweißtreibende Arbeit. „Er wird gestochen und gelegt, umgesetzt und in einer Miete gestapelt – drei Arbeitsgänge mit viel Handarbeit“, erklärt Hornung. Während der beiden Weltkriege wurden Straf- und zum Teil auch Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter in dem Torf-Werk eingesetzt, sagt Hornung.

Heute geht es maschinell mit einer „Fräse“. Zunächst wird der Torf einige Zentimeter tief mit Zinken aufgelockert, um danach mit einer Art Schneepflug zu Haufen zusammengeschoben zu werden. „Nach zwei, drei Tagen ist der Torf lager- und versandfähig.“ Dann kann er in die Loren der Torfbahn geladen und zum Mischen ins Werk gefahren werden.

„Torf-Gewinnung ist je nach Wetter bis in den September hinein möglich“, erzählt der Unternehmer. Der Ertrag aus dem Himmelmoor reicht übrigens schon lange nicht mehr, um den Bedarf der Kunden zu befriedigen. „Seit 2007 müssen wir Torf aus dem Baltikum dazukaufen“, sagt Hornung.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen