Flughafen Lübeck : Das Bangen geht weiter

Eigentlich sollte am Donnerstag über die Zukunft des Lübecker Flughafens entschieden werden. Doch die Sitzung der Bürgerschaft wird um einen Monat verschoben.

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29. Oktober 2009, 11:57 Uhr

Um die Zukunft des Flughafens Lübeck wird weiter gerungen. In der Sitzung der Bürgerschaft am Donnerstag sollte eigentlich entschieden werden, ob die Stadt den Flughafen nach dem Rückzug des Hauptgesellschafters Infratil zunächst in eigener Regie weiterführen und ausbauen soll. Doch nach dem Willen der SPD, der mit 18 von 60 Sitzen stärksten Fraktion der Ratsversammlung, soll die Entscheidung um einen Monat vertagt werden. Die Vorlage des Bürgermeisters zum Thema lasse viele Fragen offen, die zunächst beantwortet werden müssten, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Reinhardt am Mittwoch.
Vor viereinhalb Jahren hatte die Stadt 90 Prozent ihrer Anteile am Flughafen an das neuseeländische Unternehmen Infratil verkauft. Weil sich die Fluggastzahlen in Lübeck nicht so entwickelten wie erhofft und Infratil durch die Finanz- und Wirtschaftskrise in Schwierigkeiten geriet, steigt das Unternehmen am Freitag aus dem Flughafen aus. Die Stadt muss Infratil jetzt den Kaufpreis, einen Teil der getätigten Investitionen sowie die seit Anfang 2009 aufgelaufene Verluste, insgesamt knapp 26 Millionen Euro, zurückzahlen.
Für 2009 rechnet der Flughafen mit rund 800.000 Fluggästen
Um die Suche nach einem neuen Investor voranzutreiben, will Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) jetzt vier Millionen Euro für die erste Stufe des geplanten Ausbaus des Flughafens. Dadurch, so die Hoffnung, könnten mehr Passagiere abgefertigt und der Flughafen für einen Investor attraktiver gemacht werden. Für 2009 rechnet der Flughafen mit rund 800.000 Fluggästen. Ab 1,3 Millionen Passagieren würde der Airport nach eigener Einschätzung im operativen Geschäft schwarze Zahlen schreiben.
Kritiker dagegen sagen, der Flughafen werde niemals Gewinn abwerfen. Schuld sei die Abhängigkeit vom Hauptkunden, der irischen Fluggesellschaft Ryanair, die keine kostendeckende Landegebühren zahle. Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften, dem Unternehmen wie Lufthansa, Airberlin und Hamburg International angehören, forderte am Mittwoch gar die Schließung des Flughafens, weil der keinen Betreiber und so gut wie keine Kunden mehr habe und dort Steuergelder verbrannt würden. Im aktuellen Winterflugplan bieten Ryanair von Lübeck aus sieben Strecken, die Gesellschaft Wizzair eine Linie nach Danzig an.
"Wir wollen gestalten und nicht verwaltet werden"
In der Frage nach der Zukunft des Flughafens sind die Parteien uneins. CDU, FDP und die Bürger für Lübeck, die zusammen 27 Sitze haben, wollen den Flughafen erhalten. Die Linke (sieben Sitze) ist strikt dagegen, erneut Geld in den Airport zu pumpen. Die SPD war zunächst ebenfalls dagegen. Dann verkündete ihr Fraktionsvorsitzender Reinhardt überraschend, man wolle doch noch mal Geld bewilligen, um die Investorensuche zu erleichtern. Dafür wurde er von einem Teil seiner Fraktion scharf kritisiert. Jetzt setzen zumindestens Teile der Fraktion auf Vertagung. "Wir lassen uns von der Verwaltung nicht mehr drängen. Wir wollen gestalten und nicht verwaltet werden", sagte Reinhardt. Auch die Grünen (sieben Sitze) sehen noch Klärungsbedarf. "Wir hätten gerne ein externes Gutachten unter anderem zu der Frage, wie lange eine Rückstufung zum Verkehrslandeplatz dauert, welche Kosten dadurch auf die Stadt zukommen und welche wirtschaftliche Bedeutung der Flughafen wirklich für Lübeck hat", sagte die Grünen-Politikerin Adelheid Näpflein.
Für den Tourismus in der Region wäre ein Aus für den Linienflugverkehr allerdings fatal, sagte die Geschäftsführerin des Lübeck und Travemünde Marketing, Andrea Gastager auf Anfrage. "Der Flughafen hat in den vergangenen Jahren wesentlich zum Übernachtungsplus in der Hansestadt beigetragen. Insbesondere Gäste aus dem Ausland nutzen die Ryanair-Flugverbindungen für einen Städtekurztrip nach Lübeck. So reisen 13,4 Prozent unserer ausländischen Gäste und 12,7 Prozent der Geschäftsreisenden mit dem Flugzeug an", sagte Gastager.

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