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Tageskurabgabe auf der Fähre : Darum wäre ein Wegzoll für Inseln und Halligen kontraproduktiv

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Redakteur Frank Jung lehnt eine Tageskurabgabe auf der Fähre ab. Es gibt elegantere Wege.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 10:11 Uhr

Dass die touristische Infrastruktur in Schuss ist, entscheidet mit darüber, ob ein Ferienort Erfolg hat. Unbestritten ist auch, dass Gemeinden ihre Ausgaben dafür teilweise refinanzieren. Dennoch: Mit dem Weg, den sich die nordfriesischen Inseln und Helgoland für mehr Einnahmen ausgedacht haben, dürften sie sich keinen Gefallen tun. Tourismus ist auch ganz viel Psychologie. Und deshalb wird es als Extra-Eintritt, als Wegzoll wahrgenommen, wenn eine Kurabgabe bereits für Tagesgäste auf den Fährpreis draufgeschlagen wird. Das fördert die Lust auf einen Ausflug nicht gerade.

Zumal die Ziele vor der Küste wegen der langen Anfahrt ohnehin schon mehr Kosten und Zeit erfordern als Alternativen auf dem Festland. Die es außerdem in Schleswig-Holstein zahlreicher gibt als im als Vorbild bemühten Ostfriesland. Wenn, abgeschreckt von einem „Insel-Taler“, weniger Inselgäste kommen, machen auch Gastronomie und Einzelhandel einen geringeren Umsatz.

Das würde es ihnen auch erschweren, die Tourismusabgabe zu zahlen, die Kommunen neben der Kurtaxe als weitere Geldquelle haben. Alle Betriebe, die irgendwie von Touristen profitieren, müssen sie zahlen. Und aus ihr kann ein Ort ebenfalls seine touristische Infrastruktur finanzieren. Das ist ein deutlich eleganterer Weg, weil der Gast davon nichts merkt. Also: Lieber die Schwellen für die Anreise niedrig halten, so im Gewerbe die Kassen klingeln lassen und notfalls die Tourismusabgabe erhöhen. Gerade jetzt laufen die Geschäfte durch die Renaissance des Deutschland-Tourismus’ vortrefflich.

Zudem wäre es aus Gründen der Gleichbehandlung fragwürdig, würde das Land den Inseln erlauben, eine Tageskurabgabe per Fähr-Ticket einzuziehen. Die von überall aus erreichbaren Orte auf dem Festland haben nicht so leichtes Spiel, Tagesgäste mit einer Kurabgabe zur Kasse zu bitten. Wie sollte der Landesgesetzgeber ihnen gegenüber eine Lex Insel rechtfertigen?

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