Dräger- und Euroimmun-Werke : Chinas Gesundheit verspricht Profite

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD, Mitte)  während der gestrigen  Werksbesichtigung  des Medizintechnik-Herstellers Dräger in Shanghai.
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Ministerpräsident Torsten Albig (SPD, Mitte) während der gestrigen Werksbesichtigung des Medizintechnik-Herstellers Dräger in Shanghai.

Torsten Albig besucht die Dräger- und Euroimmun-Werke in China. Fernost wird als Markt für Medizintechnik immer wichtiger.

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
19. November 2013, 08:37 Uhr

Kiel/Shanghai | Lange Zeit warb Schleswig-Holstein im Ausland vor allem mit seiner Stärke beim Thema Windkraft. Doch immer mehr ist es ein anderer Bereich der norddeutschen Wirtschaft, dessen Potenziale vor allem im Riesenreich China Profite und Umsatz für Unternehmen versprechen: die Gesundheit eines 1,3 Milliarden Menschen zählenden Volkes. Somit ist es auch kein Wunder, dass gleich mehrere Firmen und Abkommen aus diesem Bereich ganz oben auf dem Zettel jener Unternehmen stehen, denen Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) im Rahmen einer sechstägigen Delegationsreise einen Besuch abstattet.

Den Auftakt machte gestern der Lübecker Medizin- und Sicherheitstechnik Hersteller Dräger, der bereits seit vielen Jahren im „Reich der Mitte“ aktiv ist. Ministerpräsident Albig betonte bei einer Werksführung, dass ihn der Erfolg von Dräger in Fernost ganz besonders freue – und bewies gleich noch Kenntnis der breiten Produktpalette, indem er kurzerhand selbst über die Vorzüge der OP-Beleuchtung aus dem Hause Dräger referierte.

Auf welche Bedingungen Firmen aus Norddeutschland in China treffen, zeigt bereits die Lage von Drägers Produktionsstandort – es ist einer von zweien, den das Unternehmen in China unterhält – in der gut 13 Quadratkilometer umfassenden Medical Zone in der Millionenmetropole Shanghai. Der Distrikt soll Firmen und Forschungseinrichtungen aus dem medizinischen Bereich zusammenführen. Dräger findet sich hier unter anderem neben Medizinlaboren von Siemens wieder. Wenngleich die Lübecker keine konkreten Zahlen zu ihren jeweiligen regionalen Töchtern ausweisen, so betonte eine Sprecherin doch schon im Vorfeld der Reise, dass die Rolle Chinas für Dräger immer wichtiger werde.

Noch sei China für medizinische Produkte wie jene von Dräger nur der drittgrößte Markt, sagte der Shanghaier Verkaufsdirektor, Wang Xiaoyong. Es sei jedoch nur eine Frage der Zeit, dass sich das ändere, fügte er hinzu. Der weiter steigende Lebensstandard mit all seinen Ansprüchen ist nur einer der Gründe dafür. Daneben stehen die Reform des chinesischen Gesundheitssystems auf der einen und ein starker demografischer Wandel der Gesellschaft auf der anderen. Ja, sie würden von der Überalterung Chinas profitieren, so Wang. Die Regierung in Peking hat die biomedizinische Industrie auch deshalb neben erneuerbaren Energien und Elektromobilität zu einer der sieben Schlüsselindustrien des Landes erklärt.

Dräger kann ebenso davon profitieren wie das Unternehmen Euroimmun aus Groß Grönau, dem Albig morgen einen Besuch abstatten wird. Ähnlich wie Dräger ist auch Euroimmun seit mehreren Jahren schon in China aktiv – es ist einer von zwei Standorten weltweit, an denen die Firma produzieren lässt. Und auch Schleswig-Holsteins Hochschulen suchen beim Thema Medizin inzwischen verstärkt Kontakt zu chinesischen Universitäten. Eine Schlüsselfunktion kommt bei vielen der Projekte der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein (WTSH) mit ihrem Schleswig-Holstein Business Center in Hangzhou, Hauptstadt der Partnerprovinz Zhejiang, zu. Albig will daneben auch politisch mit seinem Besuch bei den Firmen seinen Teil dazu beitragen. Neben Dräger suchte er am zweiten Tag seiner Reise auch den Itzehoer Pumpenhersteller Sterling Sihi auf und weihte zwischen chinesischen Glückslöwen und Geigenspiel einen Vertriebsstandort des Schiffbauzulieferers Wiska aus Kaltenkirchen ein.

„Es reicht nicht, immer mal einen Brief zu schreiben“, sagte Albig mit Blick auf sein für heute Abend geplantes Treffen mit dem Parteisekretär von Schleswig-Holsteins Partnerprovinz Zhejiang. Allen Erfolgsmeldungen zum Trotz. Der Markt für Lungenmaschinen und Narkosegeräte in Fernost mag lukrativ erscheinen. Er wird jedoch auch immer härter, so Vertriebsdirektor Wang. Die lokale Konkurrenz sei stark, Chinas Regierung würde heimische Hersteller zudem bevorteilen. Die Innovationszyklen seien gering. Auf 16 000 Quadratmetern erstreckt sich der Gebäudekomplex von Dräger. Albig lässt sich zeigen, wie die Chinesen arbeiten. An der Decke der einzelnen Produktionsabteilungen erinnern Hinweisschilder Mitarbeiter an die Tugenden, die es jeweils zu beachten gilt – je nach Produktionsschritt fallen sie unterschiedlich aus. Präzise zu arbeiten, gewissenhaft vorzugehen, gehören jedoch fast immer dazu. In einem Nebenraum pumpen Lungenmaschinen um die Wette. Ein Testbetrieb. Laufzeit: 24 Stunden. Als Albig die Produktion von Dräger verlässt, ist noch nicht einmal die Hälfte des Tests vorbei.

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