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Schulbusse und Linienbetrieb : Busfahrer in SH im Streik – auch am Freitag

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Verdi rief erneut zum Streik auf: Zwei Tage mussten Pendler daher einmal mehr mit Ausfällen im Busverkehr rechnen.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2015 | 12:59 Uhr

Die Warnstreiks von Busfahrern im privaten Busgewerbe Schleswig-Holsteins sind am Freitag fortgesetzt werden. Die Gewerkschaft Verdi teilte mit, erneut hätten sich 1000 Fahrer beteiligt. Der Streik soll mit Betriebsende in der Nacht zum Samstag enden.

Verdi fordert 250 Euro im Schnitt pro Monat mehr, um den Lohnabstand zu Busfahrern von kommunalen Arbeitgebern zu verringern. Das sind laut Gewerkschaft etwa 10,8 Prozent. Der Omnibusverband Nord (OVN) kommt hingegen auf 12 Prozent. Zuletzt hatten sich vergangene Woche beim vierten Warnstreik nach Verdi-Angaben etwa 1050 Busfahrer beteiligt. Im OVN sind unter anderem Autokraft, Dahmetal, Rohde und die Kreisverkehrsgesellschaft Pinneberg.

Als Einschüchterungsversuch wertete Verdi gleichlautende Schreiben mehrerer Tochterunternehmen des Nahverkehrsanbieters Transdev, der zum französischen Konzern transdev Société gehört. In dem Schreiben werde streikenden Mitarbeitern mit Abmahnung gedroht, weil das Unternehmen die Warnstreiks für rechtswidrig halte, zitierte ein Verdi-Sprecher aus dem Text.

Das Berliner Arbeitsgericht verwarf am Freitag nach Angaben von Verdi einen Antrag von Transdev auf Einstweilige Verfügung, den Warnstreik als rechtswidrig untersagen zu lassen. Transdev mit Sitz in Berlin bekräftigte die Position der Tochterunternehmen. Ein wiederholter Warnstreik mit einer Dauer von 48 Stunden - ohne Urabstimmung und ohne auf Verhandlungsangebote einzugehen - sei nicht zu rechtfertigen.

Die Entscheidung des Arbeitsgerichts erwähnte Transdev in einer schriftlichen Stellungnahme nicht, sondern teilte lediglich mit, bei der Arbeitsgerichtsbarkeit in Berlin sei ein Verfahren anhängig. Eine rechtskräftige Entscheidung sei noch nicht ergangen. Dazu sagte ein Gewerkschaftssprecher, eine Einstweilige Verfügung werde erst rechtskräftig, wenn nicht innerhalb von vier Wochen Berufung eingelegt worden sei.

Beim Berliner Arbeitsgericht war am Freitagnachmittag eine Stellungnahme nicht zu bekommen.

Wegen der Abmahnungsdrohungen forderte Verdi die für den Verkehr zuständigen Stellen im Land auf, Transdev dahingehend zu überprüfen, ob sich das Unternehmen grundgesetzkonform verhält. Sollte dies nicht der Fall sein, müssten die Verträge mit dem Unternehmen gekündigt werden, forderte ein Verdi-Sprecher. „Bei Ausschreibungen von Strecken dürfen nur solche Unternehmen berücksichtigt werden, die Arbeitnehmerrechte und das Grundgesetz achten und sich zu diesen bekennen“, betonte Verdi. Dazu gehöre das Streikrecht. Die Schreiben, die inhaltlich ein schlechter Witz seien, sollten einschüchtern.

Zu Transdev gehören im Norden die Unternehmen NVB Niebüll sowie Rohde Husum und Eutin. Einem Verdi-Sprecher zufolgen protestierte ungefähr ein Dutzend Mitarbeiter mit einem Megafon vor dem Haus einer Geschäftsführerin in Husum. In der Stellungnahme von Transdev heißt es mit Blick auf die Drohung von Abmahnungen, „NVB Niebüll, Rohde Husum und Eutin handeln rechtmäßig“.

Das ist die Situation in SH:

Fahrgäste sollten sich auf Behinderungen im Bus-Linienverkehr einstellen. Informationen werden auf www.bahn.de/autokraft veröffentlicht. Telefonisch können sich Fahrgäste auch an den Kundendialog von DB Regio unter Tel. 0431 6660 wenden.

Im gesamten Verkehrsgebiet von Autokraft kann es durch die Warnstreiks zu Fahrtausfällen kommen, wie auf der Homepage mitgeteilt wird. In den Kreisen Ostholstein, Plön, Stormarn, Bad Segeberg, Herzogtum Lauenburg, Schleswig-Flensburg, Nordfriesland, Dithmarschen, Steinburg und Kiel finden demnach nur die Fahrten im ÖPNV statt, die von Partnerunternehmen (außer Dahmetal und Elite) bedient werden. „Alle Fahrten, die von Autokraftbussen selbst bedient werden, fallen aus“, heißt es weiter.

Im Stadtverkehr Kiel entfallen die Autokraft-Fahrten auf den 500er- und 900er-Linien. Die Fahrten der Kieler Verkehrsgesellschaft finden wie gewohnt statt.

Fahrten, die in den Kreisen Plön, Ostholstein sowie den Städten Kiel und Neumünster von Partnerunternehmern durchgeführt werden, sind von den Streiks nicht betroffen.

Der Schulverkehr Gettorf sowie der Verkehr zur Dänischen Schule nach Dänischenhagen, die Fahrten zum AWO-Kindergarten Falkenstein und der Werksverkehr Hermes sollen hingegen durchgeführt werden.

Der Flughafenbus Kielius zum Hamburg Airport wird bedient.

Ebenso finden die Verkehre für berlinlinienbus.de von Hamburg nach Berlin und von Kiel über Lübeck nach Berlin statt.

Welche Linien Autokraft konkret bedient und welche nicht, lesen Sie detailliert hier. Auch Dahmetal, Rohde und die Kreisverkehrsgesellschaft Pinneberg informieren auf ihren Webseiten über die Auswirkungen des Streiks. Alle Fahrten der Niebüller Verkehrsbetriebe fallen aus. Sie informieren unter der Service-Telefonnummer Tel. 01807 / 662 662.

„Wir sind mit der Resonanz zufrieden“, sagte Streikleiter Gerhard Mette am Donnerstag. Jeweils zu Betriebsbeginn hätten die Fahrer die Arbeit niedergelegt. Besonders betroffen sei der Linen- und Schulbusverkehrin in den Kreisen Stormarn, Segeberg, Herzogtum Lauenburg, Dithmarschen, Nordfriesland und Ostholstein gewesen.

Mit der Aktion will die Gewerkschaft Druck auf die nächsten Tarifverhandlungen am 8. Oktober ausüben, wie Mette sagte. Falls die nächste Verhandlungsrunde keine zufriedenstellenden Ergebnisse bringe, werde eine Urabstimmung und somit auch ein unbefristeter Streik nicht ausgeschlossen.

Aus Sicht des Omnibusverbandes sind die Forderungen der Gewerkschaft unangemessen. Nach einer monatlichen Lohnerhöhung um 68 Euro zum Januar hätten die Arbeitgeber noch einmal ein deutlich verbessertes Angebot vorgelegt, mit einer Lohnsteigerung von insgesamt 145 Euro im Monat (6,52 Prozent) bei einer Laufzeit von 3,5 Jahren. Verdi gefährde mit seinen Forderungen nicht nur mehrere hundert Arbeitsplätze, sondern auch Unternehmen insgesamt und den Fortbestand von Buslinien vor allem in der Fläche, sagte Verbandsgeschäftsführer Joachim Schack der Deutschen Presse-Agentur.

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