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Ursula von der Leyen in Kiel : Bundeswehr investiert 500 Millionen Euro in SH

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Allein 100 Millionen Euro sollen in den Marinestützpunkt in Kiel investiert werden und 1000 neue Dienstposten entstehen.

Kiel | Schwer bewaffnete Soldaten, Ehrenspalier von Matrosen an der Gangway, das obligatorische Pfeifen der Seite, als die Bundesverteidigungsministerin an Bord des Flottendienstbootes „Alster“ geht. Und doch dürfte sich Ursula von der Leyen am Freitag in Kiel fast wie im Bundeskanzleramt vorgekommen sein: Ihre Einweisung in die Fähigkeiten der Soldatinnen und Soldaten bekam sie von Frau Merkel. Allerdings nicht von der Bundeskanzlerin Angela Merkel sondern von Frau Kapitänleutnant Tanja Merkl. Und die beiden Frauen verstanden sich blendend. Brückenfunktionen, elektronische Aufklärung – im Schnelldurchgang ging es für die Ministerin durchs Schiff. Dann demonstrierten Minentaucher ihre Fähigkeiten im Wasser, bevor Spezialkräfte und Kampfschwimmer auf dem Inspektionsplan standen. Ein klein wenig Show war jedoch auch dabei – die zum Eigenschutz des Bootes aufgebaute Zwei-Zentimeter-Schnellfeuerwaffe war nicht aufmunitioniert.

Ein klares Bekenntnis zum Marinestandort Kiel und dem Bundeswehrstandort Schleswig-Holstein gibt Planungssicherheit für Land, Kommunen und Familien von Bundeswehrangehörigen.

Trotzdem zeigte sich Ursula von der Leyen beeindruckt von den Leistungen der Marinesoldatinnen und Soldaten und würdigte deren Einsatz bei internationalen Operationen. „Die Deutsche Marine hat allein in den letzten zwei Jahren über 20.000 Menschen aus Seenot gerettet“, betonte die Ministerin die humanitäre Bedeutung des Mittelmeer-Einsatzes. „Die Flottille 1 ist ein herausragender Verband für uns, denn hier sind 4000 Männer und Frauen mit exzellenten Fähigkeiten.“

1000 neue Stellen und Investitionen von 500 Millionen Euro

Die CDU-Politikerin kam nicht mit leeren Händen nach Schleswig-Holstein. Die Einsatzflottille 1 der Marine soll in den nächsten Jahren 1000 zusätzliche Stellen bekommen. „Kiel ist für uns ein ganz wichtiger Standort“, erklärte Ursula von der Leyen. In den vergangenen fünf Jahren seien dort 40 Millionen Euro in den Standort geflossen und in den nächsten fünf Jahren seien weitere 100 Millionen nur für Kiel veranschlagt, so die Ministerin. In Bundeswehr-Einrichtungen in Schleswig-Holstein insgesamt sollen in der nächsten Dekade 500 Millionen Euro investiert werden.

Sollte die unter der Woche erstmal vorgestellte Konzeption über die Neuausrichtung der Bundeswehr vollständig umgesetzt werden, könnte sich die Summe noch deutlich erhöhen. Der Leiter der zuständigen Abteilung Planung im Ministerium, Generalleutnant Erhard Bühler, hatte in dieser neben dem Aufwachsen an schwimmenden Einheiten auch gefordert, dass die Marine wieder die „Befähigung zum Führen von Seekrieg aus der Luft“ erlangen soll. Seit sie vor mehr als zehn Jahren ihre Jagdbomber an die Luftwaffe abgeben musste, steht damit die Neuaufstellung eines Marinefliegergeschwaders im Raum sowie dessen Stationierung in Schleswig-Holstein. Konkrete Aussagen hierzu gibt es jedoch noch nicht.

Im Streit um die Finanzierung von fünf weiteren Korvetten K130 gab sich die Ministerin zuversichtlich, aber auch bestimmt. Man wolle den Bauvertrag mit den Werften TKMS (Kiel) und Lürssen (Bremen) für die Schiffe noch vor der Bundestagswahl unterzeichnen, man werde den aufgerufenen Preis von 2,9 Milliarden Euro allerdings nicht akzeptieren. Die ersten fünf zwischen 2002 und 2009 gebauten Korvetten hatten rund 1,1 Milliarden Euro gekostet.

Der Kommandeur der Einsatzflottille 1, Flottillenadmiral Jan Kaack, betonte, dass im Zuge der Trendwende bei der Bundeswehr – mehr Material, Personal und Finanzen – sich die Personallage bereits spürbar verbessere. Jedoch gebe es unverändert Besetzungsprobleme. So sei jeder fünfte Dienstposten bei den Unteroffizieren nicht besetzt, bei den Minentauchern sei es sogar jeder zweite.

Die Einsatzflottille 1 hat Standorte in Kiel, Eckernförde und Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern). Sie verfügt über Korvetten, Minenabwehreinheiten und U-Boote sowie Soldaten des Seebataillons und des Kommandos Spezialkräfte Marine.

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erstellt am 22.Apr.2017 | 09:55 Uhr

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