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Einzelhandel : Bummelerlebnis statt Internet

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Shoppen ohne das Haus zu verlassen - dank des Internet kein Problem mehr. Der Stadtbummel hat aber laut Experten dennoch Zukunft. Es kann ein Erlebnis werden.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 02:11 Uhr

Husum/Neumünster | Der Handel im Internet wächst kräftig. Fast alle Produkte sind inzwischen online zu bestellen. Dennoch sehen Experten den Untergang des stationären Einzelhandels noch lange nicht gekommen - im Gegenteil. "Ich bin fest der Überzeugung, dass der stationäre Handel vom Onlinehandel sogar beflügelt wird", sagt etwa Andreas Voswinckel. Seine Firma Limal ist in Neumünster ansässig und wickelt für große Markenhersteller den Verkauf über das Internet ab. Auf Verkaufsportalen wie Ebay sind er und seine Mitarbeiter zuhause. Dennoch sagt er, dass der Einkaufsbummel in der Innenstadt in ein paar Jahren nicht der Vergangenheit angehören werde. Er werde aber wohl anders sein. "Dieses Bummelerlebnis muss einen Mehrwert bekommen", betont er. Der Kunde müsse als Kunde gesehen werden und nicht als Konsument.
In Husum wird seit längerem genau darauf gesetzt. "Es geht darum, sich mit Hilfe von Bekleidung gut zu fühlen", fasst der geschäftsführende Inhaber des Modehauses C.J. Schmidt, Peter Cohrs, die Grundformel zusammen. Das Kaufhaus in der Husumer Innenstadt geht dabei inzwischen über Bekleidung hinaus. Für elf Millionen Euro wurde es gerade erst umgebaut, 300 Verkäufer werden auf mehreren Ebenen des Gebäudekomplexes beschäftigt. In der Dachetage wurde ein Restaurant mit eigenem Konditor-Meister eingerichtet, gute "nordfriesische Qualität" werde geboten, wie Cohrs sagt. Seit dem Umbau verbindet zusätzlich eine Bar mit Erfrischungsgetränken den Verkaufsbereich für die Damen mit jenem der Herren. "Diese Dinge, die es so menschlich machen, können sie im Onlinehandel nicht erleben." Und der Erfolg scheint ihm recht zu geben: Jüngst wurde C.J.Schmidt für seine "Leuchtturmfunktion in der Region" als "Store of the year" (Geschäft des Jahres) vom Deutschen Einzelhandelsverband ausgezeichnet.

"Das ist nicht unser Weg zum Kunden"


Während Voswinckel betont, dass aus seiner Sicht der Einzelhandel nicht um den Online-Handel herumkomme, gibt sich Cohrs hier zurückhaltender. "Wir haben die Möglichkeit des Online-Handels mal ernsthaft geprüft und sind zu der Einschätzung gekommen, dass wir nicht Online-Händler werden wollen", erzählt er und fügt hinzu: "Das ist nicht unser Weg zum Kunden." Online-Handel sei letztlich mehr eine logistische Leistung. Und gerade für mittelständische Händler auch mitunter eine kostspielige. "Es wird oft vergessen, dass man dann auch wieder in einen Wettbewerb eintritt", erklärt Klaus Messidat, Experte für den Bereich Starthilfe und Unternehmensförderung an der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein (IHK). Damit würden auch wieder zum Teil große Investitionen fällig. Viele Händler würden daher kaufmännisch kalkulieren, ob sich dies rechne.
In Husum führt letztlich kaum ein Weg an dem Bekleidungsgeschäft C.J.Schmidt vorbei. Es thront inmitten des Stadtzentrums. "Wir sind sehr glücklich, dass wir Husumer sind", sagt Cohrs und räumt ein, dass der Standort an der Nordsee und die positive Entwicklung der Stadt auch ein Faktor für den Erfolg sei. Dass es allerdings inzwischen an Konkurrenz mangelt und C.J.Schmidt dadurch zum Synonym für Husums gesamten Textilhandel geworden ist, sieht Cohrs auch. "Ich bedaure es, dass wir in Husum mittlerweile eine Monostruktur haben", betont er und fügt hinzu, dass er sich mehr Alternativen für die Stadt wünsche. Das sei auch für sein eigenes Geschäft vom Interesse.
Dabei war es in Husum nicht der Onlinehandel, der die stationären Händler verdrängt hat. Und so betont dann auch Messidat, dass es letztlich andere Herausforderungen seien, die den Geschäften in den Innenstädten mehr zu schaffen machten, als die vermeintliche Online-Konkurrenz - etwa steigende Belastungen durch Steuern und Abgaben oder das Einkaufszentrum auf der grünen Wiese.
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