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Westküstenleitung : Bürgernetz erweist sich als Flop

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kaum jemand will Teil-Eigner der Westküstenleitung werden. Anlageberater und Verbraucherzentralen hatten davor gewarnt, ins Bürgernetz zu investieren. Von Tennet heißt es: Immerhin seien jetzt 160.000 Haushalte über den Bau informiert.

Heute ist Schluss. Dann können die Menschen in Dithmarschen und Nordfriesland keine Anteile an der Bürgernetzleitung von Brunsbüttel nach Niebüll mehr erwerben. Das Problem ist aber: Kaum einer will überhaupt Teil-Eigner des Stromnetzes werden. Netzbetreiber Tennet sagt offiziell nicht, ob zu den 250 Kunden, die bis August Anteile gezeichnet haben, noch welche hinzugekommen sind. Intern ist Netzbetreibern und Politikern aber längst klar, dass die Bürgerleitung ein Flop ist. „Die Leitung sollte die Akzeptanz der Energiewende in der Region steigern – das ist gescheitert“, sagt der Vorsitzende der Bürgerinitiative Westküste trassenfrei, André Tesch, in Heide. Die Anteilseigner täten ihm jetzt schon leid, weil sie keine Garantie hätten, dass ihr Kapital von mindestens 1000 Euro wirklich zum zugesagten Satz von drei und nach dem Bau der Leitung von fünf Prozent verzinst werde. Anlageberater und Verbraucherzentralen hatten gewarnt, ins Bürgernetz zu investieren, weil die Risiken eines Verlustes – etwa bei einer Krise bei Tennet – zu groß seien. Intern gilt genau das als Problem, bei dem, wie Tesch sagt, „viel zu schnell gestrickten Konzept“.

Die Bürgerleitung sollte ein Pilotprojekt sein für die Finanzierung weiterer Stromtrassen, die im Zuge der Energiewende entstehen. Mit großer Inszenierung hatten im Juni Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) für die Bürgerleitung geworben. „Schleswig-Holstein schreibt Geschichte“, hatte Altmaier über das Modell gesagt, das er als seine Erfindung bezeichnet.

Jetzt hört sich das anders an. Altmaier setzt zwar nach wie vor auf Bürgerbeteiligung auch bei teureren Stromautobahnen, aber es sei Aufgabe der Netzbetreiber, Modelle zu schaffen: „Wenn die Angebote attraktiv sind, wird der Bürger sie kaufen“, so Altmaier. Auch Albig ist vorsichtig geworden. „Das Pilotprojekt war ein erster wichtiger Schritt, aber im Details nicht ganz ausgereift. Bürgerbeteiligungsmodelle sind aber nach wie vor der richtige Weg.“ Nur wie der Weg gebaut werden soll, das weiß derzeit offenbar keiner.

Bauprobleme gibt es für die Trasse an der Westküste jedenfalls nicht. „Die Finanzierung steht – auch ohne Bürgerbeteiligung“, sagt Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens. Die 15 Prozent der Investitionssumme von schätzungsweise 210 Millionen Euro habe der Konzern anderweitig finanziert. Nun will Tennet intern analysieren, was man an dem Konzept Bürgernetz ändern kann. Immerhin sei die Kampagne kommunikativ ein Erfolg gewesen, heißt es. 160.000 Haushalte hat Tennet an der Küste angeschrieben, die seien jetzt informiert, was beim Netzausbau passiere. Davon profitiert auch die Bürgerinitiative um André Tesch: „Wir gewinnen stetig Mitglieder hinzu.“
 

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erstellt am 30.Sep.2013 | 06:56 Uhr

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