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Westküsten-Stromleitung in SH : Bürgerbeteiligung: Zu teuer, zu riskant

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nur wenige betroffene Bürger können und wollen sich an den Kosten und Erträgen von Stromleitungen beteiligen. Netzbetreiber Tennet analysiert die Erfahrungen aus dem Versuch, die geplante Westküsten-Stromleitung als Anlage zu vermarkten.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Husum | Nur wenige betroffene Bürger können und wollen sich an den Kosten und Erträgen von Stromleitungen beteiligen. Das ist das Ergebnis einer Auswertung und Analyse des Netzbetreibers Tennet nach dem ersten Versuch bei der Westküsten-Stromleitung in Schleswig-Holstein. Bei einer Umfrage erklärte demnach nahezu die Hälfte der befragten Anwohner und Grundstückseigentümer, ihnen fehle das notwendige Kapital zum Erwerb von Anleihen, teilte Tennet gestern in Bayreuth mit. 39 Prozent fanden die angebotene Bürgerbeteiligung „nicht interessant“, rund ein Viertel fand das Produkt zu kompliziert. Mehr als jeder Vierte gab zudem an, grundsätzlich gar kein Interesse an derartigen Investments zu haben.

Tennet hatte den Anliegern der geplanten Westküsten-Stromleitung von Brunsbüttel nach Niebüll eine Anleihe angeboten, die mit fünf Prozent ab Baubeginn verzinst werden sollte. Insgesamt zeichneten 142 Haushalte die Anleihe und investierten 833.000 Euro. Dieses Ergebnis blieb unter den Erwartungen, nachdem sich auch prominente Politiker auf Landes- und Bundesebene für die Anleihe stark gemacht hatten. Sie wollten so die Akzeptanz bei den Bürgern für derartige Projekte auch bundesweit stärken. Tennet hatte rund 160.000 Haushalte in den Kreisen Dithmarschen und Nordfriesland angeschrieben. Knapp 1500 forderten die Zeichnungsunterlagen an, das ist weniger als ein Prozent.

„Insgesamt lassen die Umfrageergebnisse den Schluss zu, dass eine finanzielle Beteiligungsmöglichkeit von den Bürgern zwar grundsätzlich begrüßt wird, für viele tatsächlich aber nicht in Frage kommt“, sagte Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens zu der Auswertung, in die auch die Ergebnisse eines Workshops mit Vertretern von Politik, Behörden, Verbänden und Finanzexperten eingingen. Die Zustimmung zu der Anleihe habe zudem nochmals abgenommen, nachdem Finanzexperten und Verbraucherverbände vom Kauf abgeraten hatten, weil das Produkt zu komplex, riskant und für Kleinanleger ungeeignet sei. Dennoch könne eine finanzielle Beteiligung in Verbindung mit Bürgerdialog und Genehmigungsverfahren ein zusätzlicher Weg sein, die Menschen vor Ort bei Planung und Bau von Leitungsprojekten einzubinden. Tennet werde mit der Politik weiter im Gespräch darüber bleiben.

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