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Industriestandort Schleswig-Holstein : Bündnis für neue Industriepolitik unterzeichnet

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An einen Industriestandort denkt kaum einer im Zusammenhang mit Schleswig-Holstein. Landesregierung, Wirtschaft und Gewerkschaften wollen dies ändern.

shz.de von
erstellt am 25.Nov.2015 | 14:32 Uhr

Büdelsdorf | Schleswig-Holstein als Industriestandort zu stärken, ist das Ziel eines Bündnisses, das Landesregierung, Gewerkschaften und Wirtschaft jetzt geschmiedet haben. Sie unterzeichneten am Mittwoch auf dem ersten Industriepolitischen Kongress in Büdelsdorf ein Papier, in dem sie sich auf gemeinsame Leitplanken der künftigen Industriepolitik des Landes verständigten.

„Wir wollen Industriepolitik neu definieren“, sagte Ministerpräsident Torsten Albig vor rund 250 Gästen an historischem Ort: In der Ahlmann Carlshütte war vor knapp 190 Jahren das erste Industrieunternehmen des Landes gegründet worden.

In Schleswig-Holstein hat das verarbeitende Gewerbe nach Angaben des Wirtschaftsministeriums mit 11,3 Milliarden Euro (2014) einen Anteil von 15 Prozent an der Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche in Schleswig-Holstein. Doch Schleswig-Holstein wird - in und außerhalb des Bundeslandes - nicht als Industriestandort wahrgenommen. Sehr zum Verdruss der Beteiligten. In dem Bündnispapier heißt es nun, die Industriepolitik solle auf neue strategische und organisatorische Grundlagen gestellt werden, mit dem Ziel einer stärkeren Unterstützung der Industrie. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) wies darauf hin, dass dies kein Sprint sondern ein Marathonlauf sei.

Große industriepolitische Chancen sieht die Landesregierung in der Energiewende. „Die Erneuerbaren Energien verschaffen uns einen einmaligen Standortvorteil“, sind Albig und Meyer überzeugt. Diese Chance gelte es zu nutzen, in dem der hier erzeugte Strom nicht nur exportiert, sondern auch im Land verwertet wird. Die Energiewende ist denn auch eines der fünf Kernthemen der künftigen Industriepolitik.

Weitere Schwerpunkte, die unter anderem auf der Büdelsdorfer Veranstaltung in Workshops diskutiert und vertieft werden sollten, sind Fachkräfte, Digitalisierung, maritime Industrie sowie Marketing und Akzeptanz.

„Die eigentliche Arbeit liegt noch vor uns“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbandes Nord, Michael Thomas Fröhlich. Die Unterzeichnung des Papiers sei aber ein wichtiges Signal, dass Schleswig-Holstein mehr ist, als gelbe Rapsfelder und schwarz-weiße Kühe.

Einigkeit herrschte bei den Rednern - egal ob von Arbeitgeber- oder Gewerkschaftsseite oder aus der Politik - das die Initiative nicht an den Landesgrenzen haltmacht. Gestärkt werden müsse auch die Zusammenarbeit mit den anderen norddeutschen Bundesländern und auch den Ostseeanrainern, betonte unter anderem der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken. Auch Ministerpräsident Albig betonte, er wolle keine Industriepolitik gegen Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen.

Kritik kam aus der CDU. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Johannes Callsen, kritisierte, die Selbstinszenierung der Landesregierung schaffe keine Industriearbeitsplätze. Zudem fehlten weiterhin klare Aussagen zur A20, zur westlichen Elbquerung und zum Bürokratieabbau. Es seien nur butterweiche Allgemeinplätze zu Papier gebracht worden. Für solche Nullnummern hätten die Industrieunternehmen angesichts des Umsatzeinbruchs keine Zeit mehr. Die Erlöse der größeren Betriebe mit mindestens 50 beschäftigten sanken nach Angaben des Statistikamts Nord im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 24,0 Milliarden Euro.

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