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Flughafen Blankensee : Bruchlandung für Lübeck

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vor einem Jahr schien mit dem deutsch-ägyptischen Investor Mohamad Rady Amar der Retter für den Lübecker Airport gefunden. Doch nun droht der totale Absturz.

Lübeck | Am Flughafen Lübeck stehen die Zeichen auf Sturm – einmal mehr. Schien die Zukunft des defizitären Betriebs mit dem Verkauf an den deutsch-ägyptischen Investor Mohamad Rady Amar mit Beginn des Jahres 2013 endlich geregelt, geht nun die Angst vor einem Absturz um. Tagelang schwelten Gerüchte um finanzielle Schieflagen. Nun ist bestätigt, dass Amar sowohl als Geschäftsführer der Yasmina Flughafenmanagement GmbH als auch aus deren Muttergesellschaft, der 3-Y-Logistic und Projektbetreuung GmbH, ausgestiegen, die 3-Y-Logistic verkauft ist und dass Rechnungen offen sind. Auch an der Bonität des neuen, in Lübeck unbekannten Besitzers mehren sich Zweifel. Ein entscheidender Termin beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig zum Ausbau des Flughafens am 23. April wurde unterdessen kurzfristig aufgehoben. Der Anfang vom Ende für Blankensee?

Amar war schon abgetaucht, als kurz vor den Feiertagen der Name des Berliner Unternehmers Adam Wagner ins Spiel kam, der nun als Geschäftsführer und Gesellschafter mit bislang unbekannten Plänen antritt. Lübecks Rathauspolitiker sind dabei so schlau wie die überrumpelten etwa 100 am Airport Beschäftigten und ihr Betriebsrat. Ein Gespräch der Fraktionsvorsitzenden mit Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) brachte kaum Erhellendes. Während Saxe nach den Worten des Vorsitzenden der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Jan Lindenau, „mit Hochdruck“ daran arbeite, Kontakt zum neuen Eigentümer herzustellen, feuern CDU- und Grünen-Politiker auf den Verwaltungschef, denn der hatte Amar als Investor ausdrücklich empfohlen. Der Grüne Thorsten Fürter wettert: „Bernd Saxe hat Ende 2012 gegen den erbitterten Widerstand der Grünen den Flughafenverkauf an Herrn Amar durchgeboxt. Wir haben schon damals auf die unkalkulierbaren Risiken im Vertragswerk hingewiesen.“ Andreas Zander, Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion, spricht von einer „Blamage“, die Saxe als Bürgermeister in Frage stelle. Tatsächlich stimmte die Bürgerschaft Ende 2012 mehrheitlich dem Verkauf an Amar zu, und keine 16 Monate ist es her, dass dieser als „echter Glücksfall“ bejubelt wurde. Amar hatte den Betrieb für den symbolischen Preis von einem Euro bekommen und kündigte Investitionen von 20 Millionen Euro innerhalb der ersten fünf Jahre an: Bis 2018 sollte der Flughafen in schwarze Zahlen fliegen – märchenhafte Aussichten für einen Betrieb, der schon zur Disposition stand.

Im April 2014 wissen die Mitarbeiter nun nicht mehr, wohin die Reise geht. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform schätzt den Mutterkonzern 3 Y als nicht kreditwürdig ein, die Yasmina Flughafenmanagement GmbH soll Zahlungsrückstände haben. Die Hansestadt wartet seit September auf Pachtzahlungen. Flossen Gehälter für die Mitarbeiter schon im März verspätet, ist Zuverlässigkeit auch unter neuer Geschäftsführung nicht hergestellt. „Es stehen derzeit die Gehälter vom April 2014 aus, die die Arbeitnehmer benötigen, um ihre Familien zu versorgen und die Mieten zu begleichen“, heißt es in einer Mitteilung der Airport-Mitarbeiter. Und: „Der Lübeck Airport hat bisher weder Kontakt zu dem neuen Geschäftsführer des Lübecker Flughafens, Herrn Adam Wagner, noch zu dem ebenfalls neuen Prokuristen, Herrn Michael Glück, aufbauen können.“ In der Einflugsschneise fragen sich besorgte Anwohner unterdessen, ob der Betrieb überhaupt noch versicherungstechnisch abgedeckt ist.


In der an den Airport grenzenden Gemeinde Groß Grönau, die vor dem OVG Klage gegen einen Flughafen-Ausbau führt, sind diese schlechten Nachrichten vorerst gute Nachrichten, insbesondere, weil im Zuge ihrer Klage auch die Bonität des Unternehmens eine entscheidende Rolle spielt.

Beim Verein „Pro Airport Lübeck“ klingt es als sei die Beerdigung des Flughafen so gut wie sicher. Wie in einem Nachruf heißt es dort, man sei „überzeugt, dass der Flughafen Lübeck seinen Platz am Markt gefunden hätte, wenn er nicht zum Spielball verkommen wäre und man ihn als wirkliche Zukunftschance begriffen hätte“.

 

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