Zertifizierungen für Marinas : Blaue Sterne für frischen Wind in Segelhäfen

Vier Sterne zieren seit wenigen Tagen die Marina der Stadtwerke Neustadt.  Foto: okPress
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Vier Sterne zieren seit wenigen Tagen die Marina der Stadtwerke Neustadt. Foto: okPress

Das Land hat die Qualitätsoffensive Segeltourismus gestartet. Die Vergabe blauer Sterne soll anspornen, die Marinas in Schleswig-Holstein zu Attraktionen aufzuwerten.

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19. April 2009, 12:58 Uhr

Neustadt/Flensburg | In der Hotellerie sind sie schon lange das Maß aller Dinge - künftig sollen Sterne auch als Qualitätsmesslatte für die Sportboothäfen im Land dienen. Mit maximal fünf der ganz maritim in Blau gehaltenen Symbole können sich die Marinas schmücken. Die Sterne funkeln für die Offensive, mit der das Land den Wirtschaftsfaktor Segeltourismus stärker in Fahrt bringen will - und dadurch sicher zu stellen, in diesem Urlaubssegment auch künftig eine Bootslänge vor Mecklenburg-Vorpommern zu liegen. Die international anerkannten Zertifizierungskriterien - allen voran Service, Sicherheit und Umweltschutz - wurden vom Deutschen Tourismusverband und dem Bundesverband Wasserwirtschaft fest gelegt.

"Die blauen Sterne werden zum Wettbewerbsmerkmal der Zukunft. Sie machen deutlich, welchen Hafen es anzulaufen lohnt", sagt Wirtschaftsstaatssekretärin Karin Wiedemann. Doch noch hält sich das Interesse an der bis Ende 2010 laufenden Zertifizierungs-Aktion, die zu 60 Prozent vom Land gefördert wird, in Grenzen. Erst sechs Sportboothäfen zieren blaue Sterne - die meisten an der südlichen Ostseeküste gelegen.
Sonwik als einzige Marina im Norden zertifiziert
Einziger Nordvertreter ist die Flensburger Marina Sonwik, die mit vier Sternen prämiert wurde. Die gab es vor wenigen Tagen auch für den Sportboothafen der Stadtwerke Neustadt sowie drei Sterne für die Marina der Seglervereinigung Heiligenhafen. Fünf Sterne zieren die Ancora-Marina in Neustadt und den Yachthafen Heiligenhafen. Mit drei Sternen für Wyk ist bisher nur ein Nordseebewerber zertifiziert. Der Schwerpunkt des Segeltourismus liegt mit 110 Sportboothäfen und knapp 20.000 der landesweit 30.000 Liegeplätze aber auch an der Ostsee. "Wir hoffen, dass jetzt zum Start in die Segelsaison viele Häfen dem positiven Beispiel der sechs Vorreiter folgen", sagt Wiedemann. Mindestens 30 Sterne-Marinas - so lautet das Ziel der Qualitätsoffensive.

Deren Grundlage sind zwei Studien, die vom Ostsee-Holstein-Tourismus und der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein bei einer Unternehmensberatung und der Kieler Christians-Albrechts-Universität (CAU) in Auftrag gegeben wurden. Ergebnis: Im Segeltourismus stecken trotz bereits prägender Image-Wirkung und großer wirtschaftlicher Bedeutung noch erhebliche ungenutzte Potenziale. Besonders für die Lübecker Bucht und Fehmarn. Die dortige Kapazität von 7500 Dauerliegeplätzen reicht nicht aus und auch die Zahl von 30.000 Gastliegern könnte deutlich gesteigert werden - wenn die Qualität stimmt. "Nur durch eine konsequente Qualitätsverbesserung kann die herausragende Stellung im Segeltourismus weiter ausgebaut werden", sagt Katja Lauritzen, Geschäftsführerin des Ostsee-Holstein-Tourismus. Spielangebote für Kinder, WLAN-Anschlüsse, Brötchenservice und einwandfreie sanitäre Anlagen sind besonders gefragte Serviceleistungen in den Häfen. Nahe gelegene Strände und andere Ausflugsziele sollten aber auch geboten werden. Das ergab eine Umfrage der CAU bei 1750 Seglern und Sehleuten. Von diesen fühlten sich zwei Drittel nicht informiert über die Segelangebote an der Ostsee.
Erlebniszentren auch für Gäste ohne Boot
Die Marinas sollen - besonders wenn so sonnige Wochenenden wie das bevorstehende zu Ausflugszielen unter freiem Himmel locken - zu touristischen Erlebniszentren auch für viele Gäste ohne Boot werden. Für die Wassersportler sollen Programmpakete auch jenseits ihrer Yachten geschnürt werden. Und zwar möglichst zugeschnitten auf die vom Landestourismus umworbenen Zielgruppen Familien, Best-Ager und anspruchsvolle Genießer. "Die Übernachtungszahlen müssen gesteigert, die Marinas besser ausgelastet und weitere Urlauber durch neue Angebote rund um den Wassersport gewonnen werden", nennt Projektleiterin Claudia Drögsler die Ziele der Offensive.

Von dieser sollen auch die mehr als 30 Segelschulen im Land profitieren. Diese bieten für eine Sterne-Zertifizierung noch ein zu uneinheitliches Bild. "Hier gilt es zunächst nach einer Analyse in einzelnen Punkten die Qualität zu verbessern", sagt Claudia Drögsler.

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