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EEG-Förderung : Biogasanlagen in SH: Jetzt droht die Pleitewelle

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Der Boom ist komplett vorbei“: Die gekappte EEG-Förderung bringt immer mehr Betreiber von Biogasanlagen in Bedrängnis.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2014 | 11:50 Uhr

Rendsburg/Kiel | Der über Jahre andauernde Zuwachs an Biogasanlagen in Schleswig-Holstein ist praktisch zum Erliegen gekommen. Dies lässt sich aus Zahlen des Kieler Energiewendeministeriums zur Feuerungswärmeleistung (FWL) neu genehmigter Anlagen pro Jahr ablesen. Demnach wurden im Jahr 2010 rund 63 Megawatt (MW) FWL zugelassen, 2011 noch einmal rund 70. Im Jahr 2012 hingegen brach der Zubau auf rund 17 MW ein, 2013 halbierte sich diese Zahl noch einmal auf 8,45 MW.

„Der Boom ist komplett vorbei“, sagt Dirk Wietzke, Experte für Biogasanlagen bei der Landwirtschaftskammer. Er geht von einem Bestand von derzeit rund 650 Biogasanlagen im Norden aus, der sich zukünftig nicht mehr nennenswert vergrößern wird.

Ausschlaggebend für die drastische Entwicklung sei die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahre 2012, wodurch die Förderung für Mais – dem anteilig meistgenutzten Substrat – gekappt wurde. „Durch den Boom, der in den Jahren 2009 bis 2011 seinen Höhepunkt hatte, sind in einem schleichenden Prozess die Flächen für den Anbau von Mais immer knapper und in der Pacht teurer geworden“, so Wietzke. Die Folge: „2004 lag der Preis für eine Tonne noch bei 20 Euro, heute zahlt man bis zu 60 Euro. Viele Anlagen sind in ihrer Wirtschaftlichkeit aber auf einen Maispreis von maximal 30 Euro gerechnet.“ Wietzke spricht von bislang bis zu 20 Pleiten bei Biogasanlagenbetreibern, einige weitere seien bereits in Bedrängnis. „Es wird noch viel mehr Insolvenzen geben, vor allem bei Betrieben, die viele Fremdflächen teuer zugepachtet oder Mais aus Dänemark importiert haben.“ Bei Ablauf der Pachten nach zehn Jahren sei weiter mit hohen Preisen zu rechnen. „Wenn der Mais 100 Prozent teurer ist als gerechnet, dann bricht denen das das Genick.“

Karl-Wilhelm Rave, Sprecher des Fachverbands Biogas in Schleswig-Holstein, sieht ebenfalls schwarz für seine Branche. Er fürchtet die von der Bundesregierung beschlossene weitere Neufassung des EEG, die dieses Jahr in Kraft treten soll – und die gänzliche Streichung der Förderung von Mais vorsieht. Sicherlich seien die Betreiber mit dem Thema zu leichtfertig umgegangen, so Rave. „Aber wir brauchen Zeit, um diese Dinge zu optimieren. Ohne die Vergütung ist die Wirtschaftlichkeit vieler Anlagen nicht mehr gegeben. Dann ist der Drops gelutscht.“

Die Entwicklung der letzten Jahre sei auch Ergebnis einer in Teilen falschen politischen Steuerung, so Schleswig-Holsteins Agrarminister Robert Habeck. Dadurch sei zusätzlich viel Mais für Biogasanlagen angebaut worden, das habe zu erheblichen ökologischen Problemen durch Monokulturen und Bodenerosionen geführt. Diese Entwicklung habe man mit der EEG-Reform gestoppt, sie sei „an dieser Stelle richtig.“ Schleswig-Holstein habe genug Biogasanlagen.

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