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Absturz des Ölpreises : Billig tanken: Das schwarze Gold hat auch eine dunkle Seite

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Autofahrer freuen sich über die niedrigen Spritpreise, Tankstellenpächter verzweifeln. In Dänemark trifft es den Staat besonders schlimm.

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2016 | 11:32 Uhr

Kiel/Kopenhagen | Tanken ist in diesen Tagen billig wie lange nicht. Vor allem die Verbraucher können sich daher über den Absturz beim Ölpreis freuen. Tankstellen-Pächter treibt der Preisverfall hingegen die Sorgenfalten auf die Stirn. Bei ihnen schrumpfen die Margen. Beim Einkauf des Benzins haben sie mit Preisen kalkuliert, die sie am Ende des Tages nicht bekommen. Zu schnell fallen die Preise, zu hart ist das Diktat der großen Öl-Multis an den Zapfsäulen.

Der Diesepreis ist längst unter die 1-Euro-Marke gefallen. Grund dafür sind weltpolitische Entwicklungen.

Diese Misere bestätigt auch der Bundesverband Freier Tankstellen (BFT). „Den Preis bestimmt immer der aggressivste Wettbewerber“, sagt Geschäftsführer Stephan Zieger. Die Tankstellen-Pächter leben zum einen von der Marge pro verkauftem Liter. Zum anderem im hohen Maßen von den angegliederten Shops. Seien die Preise höher als bei der Konkurrenz, würde sich aber niemand für das Bistro interessieren, so Zieger. Die Folge: Die Tankstellen sehen sich gezwungen, die Preissenkungen mitzumachen.

Dänemarks Einnahmen aus Öl sinken drastisch. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt, dass der Ölmarkt „in einem Überangebot ertrinken“ könnte. Die großen Ölförderer streichen reihenweise ihr Personal zusammen, senken Investitionen. „Der anhaltende Preisverfall hat auch die DEA mit einer deutlich verschlechterten Erlössituation konfrontiert“, räumt ein Sprecher der Dea-Group ein. Sie ist unter anderem für Deutschlands einzige Ölplattform, Mittelplate, in der schleswig-holsteinischen Nordsee verantwortlich. Von dort kommt ein Teil des Öls, das als Benzin auf Schleswig-Holsteins Straßen verfahren wird. Weitere wichtige Lieferländer sind Norwegen, Dänemark und Großbritannien.

Die Nordsee-Öl-Plattform Mittelplate.
Die Nordsee-Öl-Plattform Mittelplate. Foto: dpa
 

Unbekümmert lässt keines der Länder der Preisverfall. „Die negativen Folgen sehen wir natürlich in den Produktionsländern“, sagt Lars Ehrlich, Rohstoff-Experte am Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). Probleme gebe es immer dort, wo der Staatshaushalt auf Geld aus den Erdöleinnahmen angewiesen sei. Von Schleswig-Holstein aus reicht schon der Blick über die Grenze, um dafür ein Beispiel zu sehen.

Dänemarks Einnahmen sinken drastisch

Aus der Förderung des Nordsee-Öls sind im Jahr 2014 19 Milliarden Kronen (umgerechnet 2,53 Millionen Euro) Steuereinnahmen in den dänischen Staatshaushalt geflossen. Eine Zahl für das vergangene Jahr liegt der Energistyrelse, der obersten Energiebehörde des Landes, noch nicht vor. Für das laufende Jahr werden weniger als drei Milliarden Kronen prognostiziert, wenn das derzeitige Rekordpreis-Tief bis in die zweite Jahreshälfte anhält. Dass die Steuer-Prognose im Vergleich noch stärker fällt als der Preis selbst, hängt damit zusammen, dass nicht der Wert der Ölproduktion besteuert wird, sondern der Überschuss, den die Fördergesellschaften damit erwirtschaften. Die Einnahmeverluste für den Haushalt gehen vor allem zu Lasten einer Modernisierung des Bahnverkehrs. Denn aus der Nordseeöl-Steuer wird über mehrere Jahre vor allem ein sogenannter Zug-Fonds gespeist.

Beim Nordsee-Öl-Förderer Dea heißt es, das Unternehmen verfolge „eine mittel- bis langfristig angelegte Strategie, in der die Bohr- und Förderinsel Mittelplate ein wichtiger Baustein ist und über langfristige Liefervereinbarungen verfügt“. Doch genau diese Zeit haben andere Förderer nicht. „Schwierig wird es für Produzenten, die höhere Kosten haben“, sagt HWWI-Experte Ehrlich – wie die US-Fracking-Industrie.

Inzwischen kosten die US-Öl-Sorte WTI wie auch die Nordsee-Sorte Brent pro Barrel (159 Liter) jeweils weniger als 30 US-Dollar. Noch günstiger sind manche Regionalsorten. So zahlte eine Raffinerie für das sogenannte North-Dakota-Sour-Öl einem Bericht der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ zufolge zuletzt nur noch 1,50 Dollar pro Barrel (159 Liter). Vor sechs Monaten waren es noch mehr als 40 Dollar.

 

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